Young Adult… und was dann?

8. Juni 2018Katriona

Wieso lese ich eigentlich so gern Young Adult? Ich glaube, diese Frage stellt man sich zwingend, wenn man so langsam wirklich der Zielgruppe entwächst, aber weiterhin YA-Bücher bevorzugt. Was hält mich als Leser.in Mitte zwanzig oder älter in diesem Genre? Ich habe mir diese Frage persönlich schon öfter gestellt und, da ich viele Leute kenne, die ebenfalls bei YA bleiben, egal, wie alt sie sind, habe ich versucht, sie zu beantworten.

Dafür habe ich in meinem Freundeskreis und auf Twitter nachgefragt, welche Gründe es für oder auch gegen YA gibt und dabei sind mir noch einige interessante Punkte untergekommen und es hat sich eine ganz andere Frage gestellt: Young Adult… und was dann? Aber dazu später mehr.

Vorweg sei natürlich gesagt, dass es absolut egal ist, ob man als Erwachsene.r gern Jugendbücher liest oder eher auf Literatur für Erwachsene zurückgreift. Ich höre sehr oft das Qualitätsargument: „Aber YA ist eben doch auf Jugendliche zugeschnitten und deshalb nicht so anspruchsvoll“ und ich finde das ehrlich gesagt eher daneben, denn es trifft einfach nicht zu. Ob ein Roman Anspruch hat oder nicht, ob er gut unterhält oder mitreißt, hängt weder von Genre noch von Zielgruppe ab. Dieser Artikel soll also kein „YA / Erwachsene Literatur ist besser, weil…“ sein, sondern einfach eine Frage beantworten, die ich mir schon seit einiger Zeit stelle: Wieso lesen wir YA?

DIVERSITY IST NICHT NUR WICHTIG, BIS MAN 20 WIRD

Der Elefant im Raum ist sicherlich zu aller erst die Frage nach Diversität und inklusiven Geschichten, die die Buchwelt seit einigen Jahren beschäftigt, und hier möchte ich auch gleich einhaken, denn sie ist einer meiner Hauptgründe, warum ich bei YA bleibe: Das Jugendbuch galoppiert der Literatur für Erwachsene, was die Inklusion von Figuren und Themen abseits von weiß, cis und hetero* angeht, in einem Affenzahn davon.

Die YA wird immer inklusiver. Sie gibt queeren und nichtweißen Jugendlichen positive Geschichten mit auf den Weg, die Mut machen und helfen, die eigene Identität zu finden und zu verstehen. Das ist großartig. Aber es fehlt auf dem Buchmarkt für Erwachsene. Es fehlt so sehr. Schaut man sich an, was gerade im Trend liegt – großteils historische Romane, Familiengeschichten und Krimis und Thriller, sind die Geschichten überschwellig die von weißen, heterosexuellen Held.innen.

Ausnahmen gibt es natürlich, aber sie bestätigen eben die Regel. Dazu kommt, dass besonders Queerness in der Welt der Erwachsenenliteratur noch immer ein Stück weit tabuisiert wird. Sie ist das dunkle Geheimnis, der Plottwist oder wird anderweitig eher negativ dargestellt. Was mir persönlich hier ganz stark fehlt, sind einerseits natürlich Geschichten für Erwachsene mit queeren, nichtweißen Held.innen – aber auch Geschichten, die ältere Leser.innen auf dieselbe Weise abholen und unterstützen wie es die YA für Jugendliche tut.

Ja, Erwachsene brauchen diese Stütze weniger, als Jugendliche, aber oft brauchen sie sie doch. Was ist zum Beispiel mit Menschen, die ihr Coming Out nicht mit siebzehn hatten, weil sie Angst hatten, sich ihrer Sexualität noch unsicher waren oder aus anderen Gründen auch mit Mitte zwanzig oder dreißig oder älter einfach noch nicht out sind? Die Literatur, die für diese Altersgruppen geschrieben wird, holt solche Leser.innen nicht ab.

Und auch für weiße, heterosexuelle Leser.innen ist es in meinen Augen nicht gut, nur über Menschen zu lesen, die so sind, wie sie. Es wird nicht dazu angeregt weiterzudenken oder über den Tellerrand zu schauen und gerade heutzutage fände ich das extrem wichtig. Stattdessen hat die eher negative Darstellung queerer Themen oder aber auch von PoC eher eine gegensätzliche Wirkung: Sind sie immer der Auslöser für Probleme und Tragödien oder dargestellt als etwas Verruchtes, das geheim bleiben muss, setzt sich auch das in den Köpfen fest.

Das ist in meinen Augen eines der größten Probleme der Erwachsenenliteratur im Moment. Sie ist kaum inklusiv und sie holt moderne Erwachsene nicht da ab, wo sie stehen. Sie bietet keinerlei Möglichkeit für zum Beispiel erwachsene queere Leser.innen, die nun mal andere Probleme haben, als jugendliche LGBTQ-Leser.innen, sich selbst und diese Probleme auf positive Weise im Roman repräsentiert zu sehen.

Im Gegenteil sind besonders historische Romane und die im Moment so beliebten Familiengeschichten oft durch sehr starre, heteronormative Muster geprägt und mich, und viele andere Leser.innen zwischen 20-35 (und darüber hinaus) stört das. Die YA bricht diese Muster im Moment erfolgreich auf. Und ich hoffe, dass die Erwachsenenliteratur bald folgt.

FIKTION & LEBENSREALITÄT: WENN DIE GRÄBEN ZU BREIT WERDEN

Ein Problem, das ich mit Young-Adult-Literatur immer öfter habe ist, dass ich mich zwar mit den angesprochenen Themen identifizieren kann, nicht aber mit den jugendlichen Held.innen selbst. Und das ist ja auch normal. Ich bin 26. Schulalltag, erste Liebe, Probleme mit den Eltern und dergleichen sind für mich kein Alltag mehr und es fällt mir immer schwerer, diese Probleme der Held.innen nachzuvollziehen. Allerdings bietet mir auch die Erwachsenenliteratur zum großen Teil so gut wie keine wirkliche Identifikationsfläche.

Meine Freundin Eva (25) zum Beispiel liest YA, weil sie sich als Studentin mit den Problemen von Teenagern immer noch besser identifizieren kann, als mit denen von Erwachsenen, deren Geschichten von Scheidungen, Eheproblemen und anderen Themen handeln, die für Eva einfach nicht relevant sind. Und während das Themen sind, die sicherlich andere Leser.innen ansprechen, gibt es da natürlich noch die beinahe perfekten Erwachsenen, die mit Ende 20 bereits erfolgreiche Anwält.innen, Inspektor.innen oder Bestsellerautor.innen und Künstler.innen sind und ihre Mitte gefunden haben.

Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass das für die meisten Menschen zwischen 20-35 ein Traum ist, aber nicht die Realität. Eva und mir fehlen Bücher über Menschen in unserem Alter, die eben auch noch auf der Suche nach der eigenen Identität sind, die noch nicht angekommen sind.

Sophia (23) geht noch einen Schritt weiter und spricht in diesem Zusammenhang an, dass ihr im Roman für Erwachsene oft die Figurenentwicklung fehlt. Die Figuren sind am Ende der Romane dieselben Menschen, wie am Anfang und das gibt einem nicht viel. Aber wohin auch entwickeln, wenn eigentlich schon alles erreicht ist und nur der Traumpartner zum Glück fehlt, wie es in beinahe jedem Chick-Lit-Roman der Fall ist?

Lustigerweise haben mir die Romane von Sophie Kinsella zum Beispiel als Jugendliche besser gefallen, als heute, wo ich selbst im Alter ihrer Romanheldinnen bin. Damals war mir noch nicht klar, dass die meisten Menschen mit 29 eben nicht unabhängig und glücklich in einer schönen Wohnung in der Innenstadt einer Metropole leben und ihren Traumjob haben.

Heute fühle ich mich von Heldinnen wie Lara (29) aus Kinsellas „Charleston Girl“ (das ich trotzdem sehr liebe) eher entfremdet. Ich kenne niemanden, der wie Lara ist. Und während es solche Menschen sicherlich gibt und hier bestimmt auch eine Portion Wunschdenken und Träumen eine Rolle spielt, was man beim Lesen natürlich dürfen soll, wünsche ich mir von der Literatur für Erwachsene mehr Held.innen, die eben noch nicht angekommen sind.

YOUNG ADULT: MANCHMAL GEWÜNSCHT, MANCHMAL NOTLÖSUNG

Ein weiterer Punkt, der öfter fiel, war, dass Erwachsenenromane unnötig sexualisiert daherkommen: Sexszenen alle paar Kapitel sind in vielen Genres ein Muss, besonders auch in der Fantasy. Und ich bin nicht die einzige, die darauf gern verzichten könnte, besonders, wenn Sexszenen genutzt werden, um einen Roman “provokant” zu machen.

Wichtig hierbei finde ich auch, dass “edgy” in diesem Fall oft mit “problematisch” gleichzusetzen ist, dass es als provokant gilt, Grenzen zu überschreiten und “nicht politisch korrekt” zu sein. In der Young Adult hingegen gibt es im Moment viel eher eine Strömung, die auf viel angenehmere Weise “provokant” ist: Sie kreidet soziale Missstände an und liefert positive Geschichten für Leser.innen abseits dessen, was als Norm betrachtet wird.

Als ich meine Freundin Alex (27) gefragt habe, wieso sie lieber Bücher für Erwachsene liest, hat sie angesprochen, dass ihr gefällt, dass Bücher für Erwachsene im Gegensatz zu YA weniger in schwarz und weiß denken. Ethische und moralische Fragen und Probleme haben oft Grautöne, die in der YA fehlen. Und während mir das auch gefällt, sehr sogar, habe ich trotzdem all diese Probleme mit Romanen für Erwachsene. Und das bringt mich zu der Frage, die bei der Vorbereitung für diesen Artikel aufgekommen ist und die ich glatt als Titel übernommen habe: Young Adult… und was dann?

Ich bin an einem Punkt, an dem ich gern mehr Bücher für Erwachsene lesen möchte. Aber ich finde selten welche, die nicht die oben angesprochenen Probleme mitbringen. Natürlich gibt es da tolle Ausnahmen: Celeste Ng, Carol Rifka Brunt, Donna Tartt und andere Autor.innen erzählen auch für Erwachsene inklusive, lebensnahe Geschichten, die abholen und mitnehmen. Aber sie sind am Ende doch Ausnahmen in einem Meer aus Geschichten, die das nicht tun.

Und ja, natürlich lese auch ich zur Unterhaltung gern mal einen Chick-Lit-Roman oder eine Geschichte über alte Familiengeheimnisse, wie sie im Moment so im Trend liegen. Aber es macht mich traurig, dass nur das angeboten wird. Denn es mag unterhalten, aber ich finde mich selten darin wieder. Und ich möchte mich in Büchern wiederfinden können.

Ob es Nebenfiguren oder Held.innen sind, ob die Thematiken im Hintergrund mitlaufen oder im Vordergrund stehen, ich möchte, dass sich die Literatur für Erwachsene umschaut und sagt: „Ja, ich sehe euch, ich weiß, dass es euch gibt.“ Und solang der größte Teil der Erwachsenenliteratur das nicht liefert, werde ich YA lesen. Denn dort finde ich diese Botschaften. Auch, wenn ich mir mit 26 ein wenig im Stich gelassen vorkomme. Denn die Probleme, die Suche nach sich selbst, das alles hört nicht magisch auf, wenn man 20 wird. Bücher darüber aber gibt es kaum. Deshalb lese ich YA. Selbst, wenn mir gerade nicht nach YA ist. Denn ich habe kaum andere Möglichkeiten.

Ist das der Grund, warum so viele Leser.innen zwischen 20-35 und oft auch darüber hinaus eher zu YA greifen, als zu Geschichten für Erwachsene? Weiß ich nicht. Aber es ist der Grund, warum ich es tue. Und nach dem, was ich in meinem Freundeskreis und auf Twitter gehört habe, bin ich damit nicht allein.

Es gibt viel an Young Adult, das mich stört: Dreiecksromanzen, konstruierte Probleme, zu viel Drama. Aber für die clever behandelten wichtigen Themen, die in der YA immer prominenter werden, nehme ich das in Kauf. Es ist aber ein Stück weit eine Notlösung. Denn ja, ich möchte solche Geschichten lesen, die von Figuren handeln, die in meinem Alter sind, Probleme haben, die ich kenne – aber das ist leichter gesagt, als getan, denn wo sind diese Geschichten? Am Ende holt die Literatur für Erwachsene mich und meine Generation, Millenials, Leser.innen im Alter 20-35, nicht da ab, wo wir stehen. Und das finde ich sehr schade.

Wie sieht das bei euch aus? Lest ihr gern Young Adult oder bevorzugt ihr Literatur für Erwachsene? Könnt ihr diese Probleme nachvollziehen? Habt ihr noch andere Probleme mit dem momentanen Stand des Literaturmarkts? Lasst mir doch gern einen Kommentar da!


*Ich erwähne in diesem Artikel oft queere Menschen und PoC. Natürlich gelten alle Punkte auch für Menschen mit Beeinträchtigungen, psychischen Problemen oder generell für Lebensrealitäten, die als “abseits der Norm” betrachtet werden und nicht in der Literatur vorkommen.


Beitragsbild: Nicole Honeywill, via Unsplash

Comments (11)

  • Linkempfehlungen #2 | Kateastrophy

    23. Dezember 2018 at 17:18

    […] Young Adult … und was dann? – Den Blog Stürmische Seiten habe ich erst vergangene Woche entdeckt und ich bin ganz begeistert. Vom Design und den Beiträgen, durch die ich mich noch ein bisschen wühlen muss. Empfehlen kann ich dir aber schon einmal diesen hier. Es geht darum, warum viele noch Young Adult lesen, obwohl sie dem Genre eigentlich schon entwachsen sind. […]

  • Sarah

    21. Januar 2019 at 04:23

    Hallo, Kat! 🙂

    Ich bin gerade auf deinen Post gestoßen und kann dir nur aus vollstem Herzen zustimmen. Gerade die Diversität ist bei Erwachsenenlitetatur wirklich ein Problem – ich würde eigentlich gerne viel öfter mal was anderes lesen als die hundertste Highschool-Romanze, die mich schon allein wegen ihres jugendlichen Settings einfach nicht mehr wirklich abholen kann, aber wenn die Alternative nur wieder eine weitere Geschichte voller weißer, cis hetero Figuren sind, dann wird es eben doch wieder das Highschooldrama. Ich hoffe sehr, dass der Buchmarkt im Bereich Erwachsenenliteratur da in den nächsten Jahren nachzieht.

    Vielen Dank für den wirklich tollen Post – du triffst den Nagel wirklich auf den Kopf!

    Liebe Grüße,
    Sarah

    1. Katriona

      21. Januar 2019 at 14:06

      Hi Sarah! Ja, da kann ich mich dir nur anschließen. Besonders mit Schulproblemen, aber immer öfter auch mit High-School-Romanzen kann ich mich kaum noch identifizieren, aber ich lese trotzdem mehr YA, weil die Inklusion und auch die Originalität in Erwachsenenromanen seltener gegeben sind. An Geschichten, in denen nur weiße, cis, hetero Figuren vorkommen, reizt mich absolut gar nichts mehr und der Plot muss schon extrem gut klingen, dass ich trotzdem mal nach so einem Buch greife.

      lG,
      Kat

  • Sabrina

    1. Februar 2019 at 20:31

    Hallo!

    Eine sehr interessante Frage, die ich mir in letzter Zeit (mit meinen 30 Jahren) auch immer öfters stelle. Bis jetzt habe ich noch keine Antwort für mich gefunden. Du sprichst jedoch einige Punkte an, die ich gut finde und bei denen ich bei näherer Betrachtung ähnlich empfinde.

    Mir gefallen die Vielfalt in YA-Büchern ebenfalls. Vor allem auch, dass psychische Erkrankungen thematisiert werden. Leider werden aber auch in YA queere Menschen oftmals “eingestreut” damit sie einfach vorkommen. Dabei fehlt jedoch die Selbstverständlichkeit, sondern es wirkt wie eine Pflichterfüllung auf mich.

    Das größte Problem, das ich mit YA im Moment habe, ist, dass der Graben immer breiter wird, wie du so schön schreibst. Die Probleme und Herausforderungen des Alltags rücken immer weiter weg von meinem Leben. Ja, manchmal wäre ich froh wenn derartige Nichtigkeiten meine größten Sorgen sind. So ändert sich das Leben und die Ansicht. Und das ist ja auch im Grunde genommen gut.

    Liebe Grüße
    Sabrina
    #litnetzwerk

    1. Katriona

      4. Februar 2019 at 17:35

      Hi Sabrina! Im Moment sind mir queere Figuren, die einfach vorkommen, lieber als gar keine, obwohl ich das auch nur so lange entschuldige, wie es noch so mau aussieht. 😀 Seit ich den Post geschrieben habe, habe ich einen Ausflug in die Erwachsenenliteratur gemacht und das hat mich leider nur traurig gemacht, denn nicht nur gibt es da einfach kaum queere (oder auch PoC) Figuren, es herrschen auch weiterhin sehr schädliche Vorstellungen von Rollenbildern und so vor. Deshalb bin ich mittlerweile wieder bei YA gelandet.

      lG,

      Kat

  • Kerstin Cornils

    2. Februar 2019 at 09:37

    Was genau mach den Reiz an Young Adult aus? Ich selbst habe gerade im letzten Jahr einige Bücher aus dem Bereich YA und New Adult gelesen. Beim Lesen kann man sich einfach noch mal wieder jung fühlen und doch froh sein, dass alles lange hinter sich gelassen zu haben. Im Sommer werde ich schon 38 Jahre und doch greife ich immer wieder gerne auch zu Jugendbüchern. Es lässt mich abtauchen in meine eigene Jugend und das finde ich immer wieder schön.
    LG Kerstin

    1. Katriona

      4. Februar 2019 at 17:37

      Hallo Kerstin! Das ist auch ein guter Punkt. Mit 26 gilt er für mich noch nicht so sehr, aber ich kann ihn gut verstehen. Trotzdem merke auch ich schon, dass sich Jugendkultur und so in den letzten 10 Jahren echt extrem verändert hat und ich finde es spannend das besonders in YA-Büchern mal zu vergleichen.

      lG,

      Kat

  • Stephie

    3. Februar 2019 at 17:53

    Hey,

    ein sehr schöner Artikel, dem ich in den meisten Punkten nur zustimmen kann. Es ist zwar nicht der einzige Grund, warum ich YA/NA lese – tatsächlich gefallen mir viele Bücher noch immer ausgesprochen gut und ich kann mich nach wie vor gut mit vielen Protagonistinnen identifizieren – aber Romane für Erwachsene bzw. das Leben der darin geschilderten Protagonisten ist von meiner Lebensrealität so weit entfernt, dass ich damit oftmals einfach nicht anfangen kann. Ich bin mittlerweile Ende 20 und komme dieses Jahr, obwohl ich mein Studium in der Regelstudienzeit abgeschlossen habe, usw., zum ersten Mal in die Situation mir einen richtigen Job zu suchen, also einen der auf Dauer angelegt ist und bei dem ich erstmals “vernünftiges” Geld verdienen werde. Ich habe dementsprechend noch keine schöne Wohnung in der Innenstadt oder gar ein Haus und erst recht noch keine Familie. Ich bin mit Ende 20 nicht “im Leben angekommen” wie es viele andere Charaktere suggerieren, indem sie in dem Alter praktisch schon mit der Lebensplanung fertig sind. Insofern hast du also völlig recht, die meisten Bücher für Erwachsene holen mich nicht da ab, wo ich mich gerade befinde. Ich bin nicht mal sicher, was für einen Job ich mir suchen werde, lediglich die Richtung ist durch das Studium vorgegeben. Ich persönlich kenne allerdings kein Buch, das von einer Figur handelt, die sich gerade in einer ähnlichen Lebenssituation befindet. Leider.

    Viele Grüße, Stephie

    1. Katriona

      4. Februar 2019 at 17:41

      Hi Stephie! Ja, mir geht es einfach ganz genau so. Ich bin 26 und werde dieses Jahr mit dem Studium fertig. Die meisten meiner Freunde studieren ebenfalls noch oder haben nicht studiert, sondern eine Ausbildung gemacht, weshalb sie schon arbeiten. Und dann lese ich z.B. “Frag nicht nach Sonnenschein” von Sophie Kinsella, in dem die 26-jährige Heldin nicht nur schon einen Job in einer großen Londoner Werbeagentur hat, sondern auch ein abgeschlossenes Studium, mehrere Praktika gemacht hat UND auch davor schon in einer anderen Firma gearbeitet hat… Das mag für einige Leute in meinem Alter realistisch sein, aber es könnte von der Realität, die ich bei mir und meinen Freunden sehe nicht weiter weg sein.

      Ich kenne leider auch keine Bücher über Figuren ab Mitte 20, die einfach noch in der Lebensplanung sind und finde das deshalb auch mehr als schade. Das New-Adult-Genre eignet sich dafür eigentlich so perfekt, aber dort sind die meisten Figuren ja auch erst 18/19. Aber das Genre ist ja noch relativ neu und vielleicht tut sich da ja noch was.

      lG,

      Kat

  • [Die Sonntagsleserin] Februar 2019 – Phantásienreisen

    3. März 2019 at 08:32

    […] Stürmische Seiten bemängelt Katriona, dass sie sich als Mittzwanzigerin in Büchern für Erwachsene häufig nicht wiederfindet. Sie vermisst die Themen, die sie und Gleichaltrige in dieser Lebensphase beschäftigen, und […]

  • Christin

    3. März 2019 at 11:29

    Hallöchen 🙂
    ich gehöre zu denen, die gerne in Crime-Stories abtauchen. Mir gehen dort die Klischeebilder sehr auf die Nerven und ich feiere jeden Autor/Autorin, die sind traut die Ketten zu sprengen. Ich könnte eigentlich mal einen Beitrag zu diesen Standart-Charakteren dort schreiben…
    Was mag der Grund sein?
    Fehlendes Interesse an “Neuem”? Traut man sich nicht?
    Geht der Horizont nicht so weit? Blockieren die Verlage es?

    Noch zu deiner Frage: Ich lese kein YA, da mich die Thematiken nicht reizen und abholen. Zumindest hab ich bisher nichts in den Händen gehabt, was für mich lesenswert gewesen wäre :/

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Letzter Post

"We Are Young" von Cat Clarke | Englisch

31. Mai 2018

Nächster Post

"Das verborgene Spiel" von M.L. Rio

12. Juni 2018

Privacy Policy Settings