Treibgut

Mid-Year Book Freak Out: Ein Rückblick

Den Mid-Year Book Freak Out Tag habe ich jetzt bereits auf einigen Blogs gesehen und obwohl ich erst nicht mitmachen wollte, weil ich das Gefühl hatte, viele der Fragen nicht beantworten zu können, habe ich mich jetzt entschieden, es doch zu tun. Ich spiele schon etwas länger mit dem Gedanken, Rückblicke zu schreiben, aber ich lese einfach nicht genug, um jeden Monat genug Stoff für einen Artikel zusammenzubekommen. Daher ist ein halbjährlicher Rückblick eigentlich perfekt für mich. Zwischen Januar und Juni 2018 sind bei mir 25 Bücher zusammengekommen, also genau die Hälfte der 50 Bücher, die ich insgesamt dieses Jahr lesen möchte. Welche davon mir besonders gut gefallen haben, welche weniger und was in der ersten Hälfte von 2018 noch so passiert ist, könnt ihr also heute erfahren.

Natürlich kann sich jeder, der Lust hat, selbst am Tag teilzunehmen, die Fragen gern mitnehmen und sie beantworten. Ich habe mir die Fragen auf Deutsch übersetzt, die englischen Originalfragen könnt ihr unter anderem bei Gedankenfunken finden. Und jetzt rede ich gar nicht mehr länger darum herum. Hier sind die 15 Fragen zum ersten Buchhalbjahr von 2018 und meine Antworten:

1. DAS BESTE BUCH, DAS DU 2018 BISHER GELESEN HAST?

Das Rennen war sehr knapp und es war keine leichte Entscheidung, doch meine Wahl fällt auf “If We Were Villains” von M.L. Rio (dt. “Das verborgene Spiel”). Ich habe das Buch erst im Juni gelesen, aber ich bin sicher, dass es noch lange Zeit bei mir bleiben wird. Das Buch hat mich mitgerissen und zum Nachdenken gebracht und die Kombination von Shakespeare, zerstörerischer Freundschaft und menschlichen Abgründen war einfach genau meins. Vor allem war es für mich ein Buch Marke right in the feels, vor allem dank des eindringlichen Schreibstils der Autorinund ich werde es so bald wohl nicht vergessen.

Und, weil es so knapp war, nenne ich natürlich auch den anderen Kandidaten: “Here Lies Daniel Tate” von Cristin Terrill, das ich im Januar gelesen habe und das mich ebenfalls seitdem beschäftigt. “Here Lies Daniel Tate” steckt irgendwo zwischen intelligentem Thriller und düsterem Familiendrama und hat mich unter anderem durch seinen Anti-Helden so sehr überzeugt. Es ist auf jeden Fall das beste YA-Buch, das ich dieses Jahr bisher gelesen habe und verdient deshalb auch eine Erwähnung.

2. DIE BESTE FORTSETZUNG, DIE DU DIESES JAHR BISHER GELESEN HAST?

Ich habe 2018 noch keine einzige Fortsetzung gelesen, unglaublich, ich weiß. Aber ich lese sowieso ungern Reihen und die Reihen, die ich 2018 begonnen habe, konnten mich alle nicht genug begeistern, sodass ich nicht sofort nach einer Fortsetzung gegriffen habe. Mal sehen, ob sich das in der zweiten Jahreshälfte noch ändert!

3. EINE NEUERSCHEINUNG, DIE DU NOCH LESEN MÖCHTEST?

Im April ist “Dread Nation” von Justina Ireland erschienen und dieses Buch möchte ich unbedingt noch lesen. Es handelt sich um einen alternativen historischen Roman, in dem während des amerikanischen Bürgerkriegs die Toten auferstehen. Interessant finde ich das Buch nicht nur wegen der ungewöhnlichen Thematik, sondern vor allem, weil es einen Blick auf das Leben von PoC in den USA während des Bürgerkriegs wirft – für die schwarze Heldin Jane bietet die Zombieplage nämlich neue Zukunftsperspektiven, die ihr zuvor nicht offen standen. Klingt extrem schräg, ich weiß, aber genau deshalb möchte ich das Buch so gern lesen, denn ungewöhnliche historische Fiktion, die den Fokus mal auf nicht-weiße (und nicht-heterosexuelle, denn Jane ist bisexuell) Geschichte wirft, wünsche ich mir ja schon sehr lang.

Ansonsten liegt “I Was Born For This” von Alice Oseman bereits seit seinem Erscheinen im Mai auf meinem (digitalen) SuB. “Radio Silence” von der Autorin hat mir unglaublich gut gefallen und ich mag, was für inklusive, ungewöhnliche Jugendbücher sie schreibt. In “I Was Born For This” vereint sie dann auch noch Themen, die ich in YA immer spannend finde: Fandom und das Zusammengehörigkeitsgefühl von Fans und natürlich Musik.

4. AUF WELCHE NEUERSCHEINUNG IN DER ZWEITEN JAHRESHÄLFTE FREUST DU DICH AM MEISTEN?

Im September erscheint “Black Wings Beating” von Alex London, auf das ich mich sehr freue. Auf High Fantasy mit queeren Figuren in den Hauptrollen mussten wir lange warten und dieser Roman, der eine recht düstere Atmosphäre zu haben scheint, interessiert mich besonders. Nicht zuletzt, weil mir Alex Londons dystopischer Jugendroman “Proxy” so gut gefallen hat, aber auch, weil schon der Klappentext mich ganz hibbelig auf diese Geschichte macht: Ein ungleiches Geschwisterpaar, ein drohender Krieg, und Falkner als hochangesehene HeldInnen. Das klingt einfach nach etwas, das ich unbedingt lesen möchte. Ansonsten kommt im August Natalie C. Parkers “Seafire”, eine High-Fantasy-Geschichte mit Piratinnen, die mich sehr interessiert, und dann natürlich die neuen Bücher von V.E. Schwab… Wenn ich jetzt noch länger überlegen würde, würde da sicherlich noch einiges dazu kommen.

5. DIE GRÖSSTE ENTTÄUSCHUNG BISHER?

Leider ist das ganz klar “Children of Blood and Bone” von Tomi Adeyemi. Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut, da es besonders in der englischsprachigen Welt sehr gehyped wurde, und weil ich die Thematik (Polizeigewalt und Unterdrückung von PoC) sehr wichtig finde. Leider war der Roman mir aber einfach zu durchschnittlich, was die Umsetzung angeht: Schwacher Weltenbau und eine 0815-Geschichte haben mir einfach keinen Spaß gemacht. Darüber hinaus muss ich aber sagen, dass ich 2018 bisher zwar einige Bücher dabei hatte, die ich durchschnittlich fand oder ein bisschen enttäuschend, aber noch keinen richtigen Flop, der mir überhaupt nicht gefallen hat. Hoffen wir mal, dass das so weitergeht.

6. DIE GRÖSSTE ÜBERRASCHUNG DIESES JAHR?

So richtig überrascht hat mich dieses Jahr bisher kein Buch, Überraschungen gab es aber trotzdem, denn meine Lesegewohnheiten haben sich total verschoben und das kam für mich durchaus überraschend. Ich habe jahrelang beinahe nur Fantasy gelesen, tendiere jetzt aber eher zu zeitgenössischen Romanen und auch zu Schauerromanen oder generell zu Büchern mit düsterer Atmosphäre. Es kann gut sein, dass ich viel weniger Flops habe, als noch 2017, weil ich bemerkt habe, dass ich mittlerweile einfach ganz andere Sachen gern lese, aber mich hat die Erkenntnis letztens ziemlich überrascht, als sich die Aussage “Ausnahmsweise gefällt mir mal was Zeitgenössisches” zu häufen begonnen hat und ich bemerkt habe, dass ich das Genre vielleicht mittlerweile einfach tatsächlich sehr mag.

7. NEUER LIEBLINGSAUTOR ODER NEUE LIEBLINGSAUTORIN?

Ich habe nicht so wirklich LieblingsautorInnen, deshalb fällt mir diese Frage etwas schwer. Für mich neu entdeckt habe ich aber dieses Jahr zum Beispiel Patrick Ness. Seinen Namen kannte ich schon seit einiger Zeit, doch jetzt habe ich endlich mal etwas von ihm gelesen und war sofort begeistert von seinem unkonventionellen Schreibstil und seinen nachdenklichen Geschichten. Darüber hinaus habe ich zu Cat Clarke gefunden. Auch ihr Name war mir bereits ein Begriff, doch erst dieses Jahr habe ich begonnen ihre Jugendromane zu lesen, die oft schwierige Themen haben, die sie in meinen Augen gut zu spannenden Geschichten verarbeitet, in denen auch oft queere Figuren vorkommen, was mir gut gefällt.

8. NEUSTER FIKTIVER SCHWARM?

Ich schwärme selten bis gar nicht für Romanfiguren, also kann ich diese Frage leider nicht beantworten.

9. NEUSTE LIEBLINGSROMANFIGUREN?

Irgendwie habe ich ausgerechnet Jack aus “Dark Matter” von Michelle Paver (dt. “Dein Ende wird dunkel sein”) ins Herz geschlossen. Ich habe diesen historischen Horrorroman erst vor Kurzem gelesen, aber dadurch, dass man praktisch Jacks Tagebuch liest und in einer so extremen Situation so nah an ihm dran ist, ist er mir richtig ans Herz gewachsen, obwohl er nicht unbedingt sympathisch ist. Doch während ich dieses Jahr bisher so einige Romanfiguren sehr mochte, ist Jack derjenige, dem ich während des Lesens wirklich ein glückliches Ende gegönnt habe. Es ist Michelle Paver einfach wirklich gut gelungen, einen mit Jack mitfühlen zu lassen, sodass ich ihn wirklich liebgewonnen habe, obwohl das Buch ein paar Macken hatte.

10. EIN BUCH, DAS DICH ZUM WEINEN GEBRACHT HAT?

Hier muss ich noch einmal “If We Were Villains” von M.L. Rio erwähnen. Das Buch ist mir sehr nahe gegangen und obwohl man von Anfang an weiß, dass die Tragödie ihren Lauf nehmen wird, habe ich mir die ganze Zeit gewünscht, dass es doch gut ausgeht. Ich weine wirklich sehr selten bei Büchern, aber das Ende dieses Romans hat dafür gesorgt, dass ich feuchte Augen hatte.

11. EIN BUCH, DAS DICH GLÜCKLICH GEMACHT HAT?

Ich habe in der ersten Jahreshälfte von 2018 bisher zwei Bücher von Comedians gelesen und “Classic Scrapes” von James Acaster hat sich dabei als richtiges Wohlfühlbuch erwiesen. “James Acaster’s Classic Scrapes” ist eine Sammlung von kurzen Geschichten aus dem Leben des britischen Comedians und die Prämisse ist, dass James viel öfter sehr blöde Dinge passieren, als anderen Leuten. Diese Dinge hat er in diesem Buch chronologisch gesammelt – von seiner ersten Erinnerung an eine dumme Entscheidung im Alter von fünf Jahren bis heute, weshalb das Buch auch ein bisschen seine Biographie ist, aber vor allem einen roten Faden hat, der alle Geschichten zu einer großen Geschichte verbindet, die auch Spaß macht, wenn man James Acasters Comedy gar nicht kennt. Wenn ich zum Beispiel an die Geschichte mit dem Rasentrimmer nur denke, muss ich schon kichern. Dank James’ Schreibstil haben die Geschichten irgendwie etwas sehr Warmes, was mich einfach glücklich gemacht hat.

12. BESTE VERFILMUNG EINES BUCHES, DIE DU DIESES JAHR GESEHEN HAST?

Ich war dieses Jahr erst einmal im Kino und leider war das keine Buchverfilmung. Ich freue mich aber sehr auf die Verfilmungen von “Love, Simon”, “The Miseducation of Cameron Post” und natürlich auch “The Hate U Give”. Falls auch Filme zählen, die ich zwar dieses Jahr gesehen habe, die aber schon älter sind, würde ich “The Limehouse Golem: Das Monster von London” nennen, der auf einem historischen Roman von Peter Ackroyd basiert. Der Film ist ein opulenter viktorianischer Gruselthriller, dessen Geschichte mich genauso überzeugt hat, wie die Kostüme, das Feminismusthema und die tollen Bilder von viktorianischem Theater. Als Buchverfilmung fand ich ihn auch gut, weil er die im Roman eingesetzten Stilmittel gut überträgt.

13. LIEBLINGSREZENSION, DIE DU DIESES JAHR GESCHRIEBEN HAST?

Ich hatte sehr viel Spaß die Rezension zu “American Girls” von Alison Umminger zu schreiben. Das Buch war sehr schwierig, doch es war schön, die Thematiken (Die Schattenseiten von Hollywood, Rape Culture & Feminismus) beim Schreiben der Rezension noch einmal zu durchdenken und ich finde die Rezension auch recht gelungen.

14. DIE SCHÖNSTEN BÜCHER, DIE DU DIESES JAHR GEKAUFT HAST?

Oh je. Ich gebe es zu: Ich bin Coverkäuferin, ich achte sehr auf die Buchcover, wenn ich nach neuem Lesestoff suche. Außerdem kaufe ich großteils englischsprachige eBooks, die meist zwischen 1€ und 5€ kosten, sodass ich mir oft mehr als ein Buch leisten kann, wenn ich auf Bücherfang gehe. Was ich damit sagen will: Ich habe dieses Jahr schon so einige Bücher gekauft und viele davon haben umwerfend schöne Cover, weshalb ich jetzt mal nur die Printbücher zähle, von denen ich sehr viel weniger gekauft habe. Da ich die Cover von Printbüchern ja auch tatsächlich öfter sehe und sie nicht verschwinden, wenn das Buch ausgelesen ist, wie das bei eBooks der Fall ist, ist das denke ich nur fair. Und das in meinen Augen schönste Cover, das ich dieses Jahr bisher als Print gekauft habe, ist das von “The Wicker King” von K. Ancrum. Es ist ungewöhnlich und düster und etwas wirr, aber genau das gefällt mir daran. Die goldenen Muster, die im Original schimmern, sind wunderbar.

Ziehe ich eBooks doch mit ein, würde ich noch das Cover der gebundenen Ausgabe von Beth Underdowns “The Witchfinder’s Sister” nennen. Hier würde ich mir, falls mir das Buch gefällt, glatt das Hardcover nochmal für’s Regal kaufen, weil es so schön aussieht und genau meinen Geschmack, was Buchcover angeht, trifft.

15. WELCHE BÜCHER MUSST DU BIS ZUM JAHRESENDE NOCH LESEN?

Naja, theoretisch natürlich alle, die jetzt noch auf meinem (riesigen) SuB liegen, aber das sind eindeutig mehr als 25 und da ich keinerlei Selbstbeherrschung habe, wächst er auch stetig weiter an. Von den hier erwähnten möchte ich aber natürlich “The Wicker King” von K. Ancrum und “The Witchfinder’s Sister” von Beth Underdown lesen, denn ich möchte ja wissen, ob sich hinter den tollen Covern genauso tolle Geschichten verbergen. Ansonsten bin ich extrem gespannt auf “The Foxhole Court” von Nora Sakavic, das im Moment stark gehyped wird, sowie “Die Schlange von Essex” von Sarah Perry, das ich lesen möchte, seit ich es in Norwegen überall habe ausliegen sehen (weshalb ich es jetzt irgendwie mit Bergen  im Winter verbinde, obwohl das Buch nichts mit Norwegen zu tun hat), sowie “Thin Air” von Michelle Paver, weil mir “Dark Matter” so gefallen hat.

Darüber hinaus bin ich sehr gespannt auf “Lancelot” von Giles Kristian, weil mir die Artussage und besonders die Figur des Lancelot so am Herzen liegen, “Ghost” von Helen Grant, weil es einerseits eine Geistergeschichte ist, die in Schottland spielt und Helen Grant schon lange zu meinen LieblingsautorInnen gehört, und “Kit” von Marina Fiorato, das mich neugierig macht, weil die Geschichte genial klingt, ich mit der Autorin aber bisher keine so guten Erfahrungen gemacht habe, weshalb ich sehr gespannt bin, wie mir das Buch gefallen wird.

One Comment

  • Nicci Trallafitti

    Hey Kat,
    ich überlege auch noch, ob ich bei dem Tag mitmache 🙂
    Bestimmt macht das Beantworten der Fragen richtig Spaß und meiner Meinung nach reflektiert man sein Lesen damit nochmal ganz anders.
    Schade, dass dir Children of Blood and Bone nicht so gut gefallen hat, deine Rezension hatte ich ja eben schon kommentiert.
    If We Were Villains schaue ich mir mal an, danke für den Tipp.

    Liebe Grüße,
    Nicci

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