Teegedanken

Gay for you? : Wenn queere Repräsentation scheitert

Foto: Lex Sirikiat, Unsplash

In den letzten drei, vier Jahren hat es einen großen Ruck in der Buchwelt gegeben: Sie ist offener geworden, inklusiver, bunter. Wo man noch vor fünf Jahren Romane mit queeren ProtagonistInnen wirklich mühsam suchen musste, passiert es mir heute immer häufiger, dass ich aus Versehen Bücher erwische, in denen queere Figuren eine große Rolle spielen. Und das ist ein unglaublich gutes Gefühl, zu sehen, dass diese Figuren einfach da sind, da sein dürfen, dass ich nicht mehr ganz so verzweifelt suchen muss. Leider bedeutet das natürlich nicht, dass wir am Ziel wären, denn im Vergleich zu Romanen mit cis hetero Figuren gibt es immer noch viel zu wenig Material, besonders im Bereich der Erwachsenenliteratur.

Und dazu kommt, dass Repräsentation eben auch scheitern kann. Ich denke, das ist auch völlig normal: Dieser Umbruch ist holprig und vollzieht sich nicht komplett glatt. Er ist schließlich auch das Ergebnis großartiger Bewegungen, die laut eine längst fällige Veränderung eingefordert haben, und wir stecken noch mitten drin. Aber das bedeutet nicht, dass wir einfach abwarten und Tee trinken sollten, wenn wir Muster bemerken, die schädlich sind. Und eines dieser schädlichen Muster ist der Umgang mit Sexualitäten, die Attraktion zu mehr als einem Geschlecht einschließen, also (unter anderem) Bisexualität, Pansexualität und Polysexualität. Darüber möchte ich heute sprechen. Über Trends, die ich besorgniserregend finde, über alte Klischees und Tropes und vor allem darüber, was wir ändern können, um es in Zukunft besser zu machen.

BI, POLY, PAN – LABELS UND VORURTEILE

Bevor ich genauer darauf eingehe, wo ich die Problematiken sehe, würde ich gern vorweg erklären, worüber ich überhaupt spreche, damit wir alle auf einem Stand sind. Denn viele Menschen verstehen Bisexualität leider immer noch als Attraktion zu „beiden“ Geschlechtern, womit dann Männer und Frauen gemeint sind. Diese Definition ist aber nicht nur falsch, sie ist auch sehr binär gedacht und damit transphob. Bisexualität bedeutet, dass man sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlt und das kann auch heißen, dass eine bisexuelle Frau sich in Frauen und nichtbinäre Menschen verliebt, nicht aber in Männer. Trotzdem ist sie bisexuell. Polysexualität schließt ebenfalls mehrere Geschlechter ein, während Pansexualität eine Attraktion zu allen Geschlechtern bedeutet.

Quelle: Michelle A. Janßen, Büchnerwald | Twitter

Diese Konzepte können kompliziert sein, wenn man sich zum ersten Mal mit ihnen auseinandersetzt, weshalb ich mich sehr freue, dass Michelle A. Janßen mir erlaubt hat, ihre wunderbare Grafik zum Thema zu verwenden, die vielleicht nochmal klarer macht, wie genau die drei Labels sich voneinander unterscheiden. Es muss jedoch auch gesagt sein, dass es natürlich auch fließende Übergänge gibt und welches Label ich verwende immer auch eine persönliche Entscheidung ist, die darauf basiert, mit welcher der Bezeichnungen ich mich am wohlsten fühle. Wichtig ist, dass es diese Unterscheidungen gibt und, dass es zu polysexuellen Identitäten, also Sexualitäten, die Attraktion zu mehreren Geschlechtern beinhalten, noch viele Vorurteile und falsche Definitionen gibt.

Zum Beispiel sind sich viele Leute nicht sicher, ob sie sich bi nennen dürfen, obwohl sie sich „nur“ selten in ein anderes Geschlecht verlieben. Aber weder Bisexualität noch eine der anderen Sexualitäten muss sich unbedingt in starre Muster drängen lassen. Deshalb ist Bisexualität auch nicht „halb hetero und halb homo“, wie leider oft behauptet wird – Bisexualität ist Bisexualität. Und auch, wenn sich eine Frau in neun von zehn Fällen in Männer verlieben würde und nur einmal in eine Frau oder zum Beispiel eine nonbinäre Person, hätte sie jedes Recht sich bi zu nennen. Durch diese Fehldefinitionen entstehen leider viele schädliche Vorurteile und um die soll es heute gehen, vor allem um ein Trope, das nicht erst gestern entstanden ist und das viele von euch vielleicht auch aus dem Fandombereich kennen. Es findet aber auch immer wieder seinen Weg in Romane und ich finde, wir sollten es unbedingt kritischer betrachten: Das „Gay for you“-Trope.

GAY FOR YOU – WEIL DU ES BIST

Was bedeutet das denn generell? Großteils geht es um eine Figur, die sich als heterosexuell versteht, für eine Figur des gleichen Geschlechts aber die große „Ausnahme“ macht. Meistens sind das tatsächlich männliche Figuren, es kommt aber natürlich auch mit weiblichen Figuren vor. Warum ist das jetzt schädlich? Zum einen natürlich, weil es keine Repräsentation ist. Eine cis hetero Figur, die immer wieder betont, dass sie eben nicht queer ist, ist keine queere Repräsentation. Es ist vor allem extrem heteronormativ gedacht. Eine Freundin hat es so passend auf den Punkt gebracht, dass ich sie an dieser Stelle nur zitieren kann: Die Botschaft ist, dass man sich zwar mal verbiegen kann, aber am Ende immer zurück in die „richtige“ Sexualität schnippst – Heterosexualität. Dass das die “richtige” Sexualität ist, muss dabei nicht explizit gesagt werden. Es schwingt deutlich mit. Sonst gäbe es dieses Trope ja überhaupt nicht.

Nicht selten wird im gleichen Zuge queere Identität auch tabuisiert. Denn wer eigentlich hetero ist und alle Anforderungen erfüllt, „normal“1 zu sein, aber mal eine Ausnahme macht, wird von unserer heteronormativen Gesellschaft sehr viel eher akzeptiert, als jemand, der sich offen als bisexuell outed. Und am Ende ist es natürlich auch bi erasure, denn oft kommt den AutorInnen gar nicht in den Sinn, dass ihre Figur auch bisexuell sein könnte, pan oder polysexuell. In dieser sehr binären Welt kann man entweder heterosexuell sein oder homosexuell. Darüberhinaus gibt es nichts, außer die eine große Ausnahme, die aus Wahrer Liebe™ gemacht wird. Und das ist ein Schlag ins Gesicht aller queerer LeserInnen, die sich mit dieser Figur identifiziert haben. Und ja, das tut extrem weh, dieses „Ich bin doch nicht wie du, ich bin eigentlich normal und mache hier nur eine Ausnahme“, meistens gegen Ende des Romans, wenn man seine Hoffnungen schon in gute Repräsentation investiert hat.

Ich glaube nicht einmal, dass AutorInnen, die auf dieses Trope zurückgreifen, etwas Böses wollen. Ich glaube, sie denken einfach nicht weit genug oder haben sich einfach nicht genug mit dem Thema auseinandergesetzt. Oft wird das Trope nämlich genutzt, um zu zeigen, wie offen und besonders eine Figur (und somit auch Autor oder Autorin) ist, denn sie liebt einfach, wen sie lieben will, ohne sich von ihrer Sexualität etwas vorschreiben zu lassen. „Ich liebe den Menschen, nicht sein Geschlecht“, „Aber er/sie ist einfach etwas Besonderes für mich“ oder „Ich liebe [Name], egal wer er/sie ist“ sind da Sätze, die oft fallen und ich sehe, wieso das für AutorInnen attraktiv ist. Ist das nicht so extrem romantisch, wenn die Liebe dieser beiden Figuren sogar Sexualität überwindet? Und ja, sehr oft wird diese Anziehung dann auch auf rein romantisches Interesse reduziert, denn sexuelle Attraktion wäre wohl wieder zu queer. Und das ist durch und durch problematisch, denn es reduziert richtige Queerness auf ach so schmutzigen queeren Sex, während die Liebe dieser beiden Personen dafür viel zu rein und echt ist2.

Auch schon gehört habe ich die Aussage, dass „richtige“ Queerness zu politisch sei. Man wolle ja keine politische Agenda vermitteln, sondern einfach eine Liebesgeschichte schreiben. Dieses Argument tut mir persönlich weh, denn was denkt ihr euch eigentlich? Nicht nur vermittelt ihr ein heteronormatives Bild an eure LeserInnen – was übrigens auch nicht unpolitisch ist, das nebenbei – ihr macht queere Identitäten unsichtbar. Ihr sagt euren LeserInnen: „Du kannst hetero sein, auch, wenn du dich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlst.“ Und das vermittelt nicht nur ein sehr starres, schädliches Bild dessen, was „normal“ und somit „gut“ ist – Es bremst auch LeserInnen aus, die noch im Begriff sind, ihre eigene Queerness zu erkunden, die vielleicht Angst haben. Ihr könntet sagen: „Schau, diese Figur ist auch bisexuell und das ist völlig in Ordnung!“ Stattdessen sagt ihr: „Diese Figur ist hetero und das ist normal und nur deshalb ist es okay, dass sie mal eine Ausnahme macht.“ Seht ihr das Problem?

Am Ende ist dieses Trope leider reine Queerphobie, ob so gewollt oder nicht. Du möchtest einen Mann schreiben, der sich in einen anderen Mann verliebt, aber du möchtest, dass er heterosexuell ist? Denk bitte darüber nach, wieso das so ist und welche heteronormativen Gedanken und Muster daran hängen, wieso du das als romantischer und vielleicht auch „reiner“ empfindest, als queere Liebe. Und was du damit anrichtest. Denn queere LeserInnen haben nach wie vor kaum die Möglichkeit, sich und ihre Sexualität in Romanen wiederzufinden. Tun sie es doch, ist nicht nur die Freude groß, es bestätigt auch. Man wird gesehen, man fühlt sich weniger allein, man weiß, dass da AutorInnen sind, die einen unterstützen. Es sei denn, die Figur stellt sich auf den letzten Seiten eben hin und sagt: „Ich bin trotzdem heterosexuell. Ich bin normal.“ Die Schlussfolgerung daraus ist leider: Und du nicht. Du bist anders. Du verdienst es nicht, dass jemand wie du in dieser Geschichte vorkommt.

EIN TROPE IN AKTION – EIN PAAR BEISPIELE

Natürlich kann man dieses Trope ganz genial auf den Kopf stellen, indem die Ausnahme zur Regel wird. Eine Figur, die glaubt, sie sei heterosexuell und würde nur eine Ausnahme machen, die aber später zu sich selbst und zur eigenen Bi-, Pan-, Poly- oder eben sogar Homosexualität findet. Leider passiert das selten. Das ist ungefähr das, was ich mir von Kelley Yorks „Die Nacht ist dunkel ohne Sterne“ erhofft habe. Leider sagt Protagonist Hunter am Ende aber ganz deutlich, dass er eben nicht an anderen Jungen interessiert ist und, dass der eine, in den er sich verliebt hat, eben etwas Besonderes ist. Ich weiß nicht, ob man sich die Enttäuschung vorstellen kann, die man fühlt, wenn einem gute Repräsentation im letzten Moment unter der Nase weggeschnappt und stattdessen durch so ein schädliches Trope ausgetauscht wird.

Meine persönliche Reaktion ist, das ich versuche es zu ignorieren. Mir zu sagen, dass die Figur vielleicht einfach noch nicht bereit ist, sich ihre Queerness einzugestehen. Aber natürlich ist das am Ende nur Selbstschutz und keine Entschuldigung für das, was die Autorin da getan hat: Bi Erasure und das Weitertragen von heteronormativen Ideen davon, was „normal“ ist. Beinahe hätte sie gute Repräsentation geliefert. Aber ein heterosexueller Protagonist ist am Ende keine queere Repräsentation, ob er einen Jungen küsst, oder nicht. Und am Ende ist es natürlich auch so wunderbar sicher: Man muss als AutorIn nicht die eigene Comfort Zone verlassen, man muss seine eigenen heteronormativen und binären Weltbilder nicht überdenken, man muss keine Angst haben, dass jemand die eigenen Absichten hinterfragt, weil man eine queere Figur geschrieben hat, denn das hat man ja nicht.

Es ist nicht immer so eindeutig wie in diesem Beispiel. Aber selbst einer meiner allerliebsten Romane drängt für meinen Geschmack zu sehr in diese Richtung: „If We Were Villains“ von M.L. Rio. Nicht nur lässt die Autorin den mehrmals als schwul gekennzeichneten Alexander sagen, er würde für Meredith eine Ausnahme machen, sie treibt auch ihren Protagonisten in diese Richtung, indem sie seine Gefühle für eine andere männliche Figur als etwas Besonderes herausarbeitet. Ich möchte hier nicht zu hart sein, denn sie bleibt immer unklar: Die Figur könnte bisexuell sein, es gibt anders als in „Die Nacht ist dunkel ohne Sterne“ keinen Widerspruch. Ich zähle das deshalb durchaus als Repräsentation, denn M.L. Rio nimmt mir da nichts weg, sie nennt ihre Figur nicht heterosexuell und sie lässt einfach offen, wie er sich selbst versteht. Aber sie geht trotzdem auf Nummer sicher, denn ein cis hetero Leser könnte hier trotzdem das Trope herauslesen, wenn er denn wollte, weil die klaren Worte fehlen und während ich durchaus Repräsentation aus dieser Geschichte ziehen kann, zwingt sie andere LeserInnen auch nicht über den Tellerrand zu blicken und zu akzeptieren.

Selbst in own-voices-Romanen kommt das vor. Ich habe Kalya Ancrums „Wicker King“ gelesen und geliebt, die Rezension folgt am Erscheiungstag, dem 21. September. Aber obwohl die Autorin offen bisexuell ist, fällt das Wort im Roman kein einziges Mal, während ihr Protagonist seine eigene Queerness entdeckt. Dazu kommt, dass sein Interesse an Frauen sehr sexuell geschildert wird, während das bei seinem Interesse an Männern unter den Tisch fällt. „Wicker King“ ist ein queerer Roman und Kayla Ancrum macht das auch tatsächlich ganz deutlich, aber sie bietet den LeserInnen leider trotzdem die Möglichkeit, die Figuren als „heterosexuell, aber mit Ausnahme“ zu lesen, weil die klaren Worte fehlen und das ist so extrem schade. Ich kann auch verstehen, wenn queere LeserInnen dann enttäuscht sind, weil sie einfach mehr erwartet haben, obwohl ich den Roman queeren LeserInnen immer weiterempfehlen würde.

KLARE WORTE FÜR MEHR SICHTBARKEIT

Und deshalb ist mein Appell an euch: Nutzt klare Worte! Euer Protagonist fühlt sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen? Lasst ihn bi sein, pan, poly, aber eiert nicht um die Queerness eurer Figuren herum. Ihr tut damit niemandem einen Gefallen. Es ist nicht romantischer, echtere Liebe oder besonders weltoffen, wenn eure „heterosexuelle“ Figur gegen alle Widrigkeiten einen Menschen mit dem gleichen Geschlecht liebt. Es ist am Ende leider queerphob, denn ihr macht besonders polysexuelle Identitäten damit unsichtbar und ihr verbreitet das binäre Bild, dass es nur hetero und homo geben kann und keine anderen Sexualitäten. Außerdem macht es Queerness zu etwas Verruchtem, etwas „nicht Normalem“. Die Liebe der Figuren ist so besonders, rein und wunderbar, weil sie eigentlich heterosexuell sind. Wären sie tatsächlich queer, was wäre dann? Die Implikationen sind immer da.

Also: Hört auf mit den vagen Ausflüchten, informiert euch anständig und schreibt queere Figuren. Eure queeren LeserInnen werden es euch danken, aber am Ende positioniert ihr euch damit auch selbst. Und zwar auf der richtigen Seite gegen Queerphobie, anstatt, wenn wohl auch ungewollt, noch dazu beizutragen, dass queere Identitäten unsichtbar und heteronormative und binäre Muster unangefochten und der Status Quo bleiben. Schreibt Repräsentation, keine Geschichten, die alte, schädliche Klischees weitergeben. Schafft klare Verhältnisse. Vielleicht glaubt ihr, ihr würdet eine gute Botschaft verbreiten, wenn ihr dieses Trope schreibt. Vielleicht habt ihr auch einfach Angst, queerphoben LeserInnen auf den Schlips zu treten. Oder vielleicht fehlt euch (noch) genug Kenntnis zum Thema, um vernünftige queere Figuren zu schreiben. Aber egal, was davon zutrifft, informiert euch, sprecht mit queeren Menschen und schreibt dann richtige Repräsentation. Denn nur so kommen wir weiter.


1. Nicht immer aber doch extrem oft, thematisieren diese Geschichten auch – auf meistens eher schädliche Weise – das Thema Normalität. Normal bedeutet in diesem Fall natürlich hetero und cis und die Figur, die sich in eine Figur mit dem gleichen Geschlecht verliebt hat, wälzt sich förmlich in typischer “queer angst”: “Ich liebe eine Frau, ich bin nicht normal, was mache ich denn jetzt?” Wenn das dann mit: “Ich kann doch hetero und somit normal sein, trotz meiner Beziehung zu einer Frau!” aufgelöst wird, anstatt mit einer Dekonstruktion dessen was als normal anerkannt ist und der Botschaft, dass queer sein nicht weniger okay ist, dann haben wir ein riesengroßes Problem. 

2. Und hier nimmt dieses Trope auch fast die gesamte Bandbreite an Queerphobie mit, denn es ist nicht nur das Unsichtbarmachen von polysexuellen Identitäten, diese Reduzierung von Queerness auf Sex, sowie die Tabuisierung von queerem Sex ist ebenso schädlich. Dazu kommt natürlich, dass Asexualität ebenfalls unsichtbar ist und gemacht wird, denn natürlich sind die Figuren nicht asexuell, sie lieben sich halt einfach auf einer “höheren Ebene”. Und das alles ist durch und durch problematisch, ob gewollt oder nicht.


MEHR ZUM THEMA:

Jenny Trout | Pro-“Gay For You” Arguments In The Romance Genre (And Why They’re All Still Bi/Pan Erasure)

9 Comments

  • Mikka Gottstein

    Hallo!

    Ein sehr interessanter Beitrag, und ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen. Sehr schlimm finde ich auch “queer baiting”, das ist für mich eine noch fatalere Spielart des “gay for you”-Tropes. Ich denke da gerade an die Serie “Sherlock”, denn da ist es so offensichtlich, dass John Watson heterosexuell sein soll, aber für Sherlock tiefere Gefühle hat. Das Schlimme ist, das ich die Serie dennoch liebe und mir in Gedanken einfach zurechtbiege, dass John bisexuell ist, es sich aber nicht eingestehen kann.

    Ich habe mich mit 19 Hals über Kopf in ein Mädchen verliebt, und das war meine einzige Beziehung mit einer Frau. Dennoch betrachte ich mich auch über 20 Jahre später (und verheiratet mit einem Mann) noch als bisexuell. Oft wird gesagt: oh, du hast da halt mal was ausprobiert, dann aber festgestellt, dass du in Wirklichkeit hetero bist… Aber das war nicht “nur ausprobiert”, da waren sehr tiefe Gefühle im Spiel.

    LG,
    Mikka

    • Katriona

      Hallo Mikka!

      Danke für das Lob und für deinen Kommentar. Ja, Queerbaiting ist auch so eine Sache und ich sehe da auch einen Zusammenhang. In beiden Fällen wird Queerness benutzt, ohne, dass queeren LeserInnen oder Fans echte Repräsentation zugestanden wird. Das ist traurig und tut einfach weh. “Sherlock” ist da ein super Beispiel, aber ich finde es gar nicht schlimm, dass du die Serie dennoch magst. Solang man sich über problematische Inhalte im Klaren ist und nicht alles hinnimmt, ist das doch völlig okay. 🧡

      Alles Liebe,

      Kat

  • Alex

    Wow, was ein toller Beitrag! Ich hatte bis jetzt immer das Glück, tolle Representation zu lesen – oder ich erinnere mich gar nicht an die Fälle mit “Ausnahme” (mir spukt da Libba Brays “Der Geheime Zirkel” im Kopf rum). Allerdings zeigen mir die Bücher von V.E. Schwab, dass es auch anders geht. Und sogar Stieg Larsson scheint mit Lisbeth ja einen schubladenfreien Menschen geschaffen zu haben… 🙂

    • Katriona

      Hi Alex! Ja, ich hatte auch schon oft Glück, besonders auch was Nebenfiguren angeht, die eben nicht nur Tropes waren, sondern authentische queere Menschen. Leider hatte ich auch mindestens genauso oft schon Pech, wobei sich das wirklich bessert. Ich denke halt, dass sich solche Tropes nur vertreiben lassen, wenn man den Leuten bewusst macht, wieso sie so schädlich sind, deshalb freut es mich, dass der Post bisher eher positiv aufgenommen wurde. V.E. Schwab mag ich auch sehr gern, die muss ich auch bei Gelegenheit nochmal lesen und rezensieren.

  • Elena

    Ich finde deine Beiträge immer wieder toll. Mich stört es auch, wenn die Anziehung zu einer bestimmten Person zur besonderen Ausnahme verklärt wird. Natürlich kann die Figur von der Anziehung erst einmal überrascht sein und etwas Zeit zur eigenen Einordnung brauchen. Aber es sollte eben nicht verklärt werden.

    • Katriona

      Ja, genau! Ich finde Geschichten über Figuren, die Zeit brauchen sich über ihre Queerness bewusst zu werden und sie zu akzeptieren, sogar relativ wichtig. Aber das ist ja auch einfach etwas ganz anderes, als es sich einfach zu machen und zu sagen: “Nein, die Figur ist gar nicht queer”. Und sicherlich ist es besonders für nicht queere AutorInnen auch schwerer, aber dafür gibt es Recherche und Sensitivity-LeserInnen.

  • Christin

    Wow, was für ein Text!
    Mir sind dabei 2-3 Dinge durch den Kopf gegangen:
    Ich bin selbst viel in der Sparte “Crime” unterwegs. Dort begegne ich der hetero/homo/pan-Sexualität so gut wie gar nicht. Wenn dann sind es meist Opfer, die homosexuell sind. Täter, die etwas gegen diese “Neigung” haben, aber Ermittler? Hauptfiguren? Spontan fällt mir niemand ein.
    Ich werd da wohl jetzt bewusster darauf achten 😉

    So, jetzt hab ich die anderen Punkte vergessen XD
    Aber noch eine Bemerkung: Ich arbeite mit zwei schwulen Männern zusammen. Ich habe schon erlebt, dass Gäste sich komisch verhalten haben, wenn sie es bemerkt haben. In unserer Gesellschaft ist die Akzeptanz also noch lange nicht angekommen!
    Wobei Frauen meist offener reagieren, als der männliche Part. Haben sie Angst angebaggert zu werden? Wo wir bei Klischees wären …
    Eine Endlosschleife – Ich danke dir für deinen Beitrag und die Inspiration durch deine Rubrik “Teegedanken” :3

    • Katriona

      Hallo Christin! Ich lese selbst wenig Krimis und Thriller, aber dass queere Menschen oft nur Opfer sein dürfen, ist mir auch schon aufgefallen und ich finde es sehr schade. Falls du einen Krimi findest, in dem es mal einen queeren Ermittler oder eine queere Ermittlerin gibt, sag mir ruhig Bescheid!

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