“Noteworthy” von Riley Redgate | Englisch

It’s the start of Jordan Sun’s junior year at the Kensington-Blaine Boarding School for the Performing Arts. Unfortunately, she’s an Alto 2, which—in the musical theatre world—is sort of like being a vulture in the wild: She has a spot in the ecosystem, but nobody’s falling over themselves to express their appreciation. So it’s no surprise when she gets shut out of the fall musical for the third year straight. But then the school gets a mass email: A spot has opened up in the Sharpshooters, Kensington’s elite a cappella octet. Worshiped . . . revered . . . all male. Desperate to prove herself, Jordan auditions in her most convincing drag, and it turns out that Jordan Sun, Tenor 1, is exactly what the Sharps are looking for.

MEINE GEDANKEN

Ich wollte “Noteworthy” unbedingt lesen, weil es einfach anders klingt. Lustig, weniger ernst als viel YA, einfach eine leichte Geschichte über Musik mit LGBTQ-Figuren. Und als Alt habe ich mich in Jordans Misslage auch direkt einfühlen können: Alts haben es schwer, denn sie stehen eigentlich immer im Hintergrund – wenn sie überhaupt mitsingen dürfen. (“Und die Alts summen jetzt ein paar Harmonien dazu” war der Satz, den ich in meiner Zeit im Chor am meisten gehasst habe.) Was ich von “Noteworthy” erwartet habe, war eine Mischung aus “Pitch Perfect” (ohne die übertrieben vulgären Witze) und “Ouran High School Host Club” (ohne die Heteronormativität), aber Riley Redgates Roman ist so viel mehr als das.

FEMINISMUS, QUEERNESS UND A CAPPELLA? KLINGT GUT!

What had I ever gotten out of being a girl, anyway? What did I even like about it? Femininity had always felt inaccessible to me […] Because I wasn’t patient. I wasn’t graceful. I was prematurely tall, I wasn’t skinny, I wasn’t pretty, and I didn’t care about any of it as much as I was supposed to.

Ich liebe Jordan Sun, die Ich-Erzählerin. Ich liebe sie nicht nur, ich habe mich in ihr auch einfach so oft gespiegelt gesehen, als ich siebzehn war und darüber hinaus. Im Kern ist “Noteworthy” ein feministischer Roman, der den Nagel auf den Kopf trifft, was so einige Wahrheiten über Kindheit und Jugend von Mädchen angeht, ohne zu dick aufzutragen. Darüber hinaus ist er ein Coming-of-Age-Roman über eine junge Frau, die nicht weiß, wie sie ins Leben passt, wer sie wirklich sein will und inwieweit die Geschlechterrollen und Erwartungen unserer Gesellschaft sie in dieser Entwicklung ausbremsen.

Vielleicht bin das nur ich, sicherlich gilt das nicht für alle Mädchen und Frauen, aber besonders in Jordans Fragen danach, was ihr Frausein ihr jemals gegeben hat, was daran sie mag, wie es sie beeinflusst, habe ich mich einfach so extrem wiedererkannt. Jordan entspricht nicht den typischen Idealen, die unsere Gesellschaft an junge Mädchen und Frauen stellt und sie fühlt sich eingeengt. Nicht wirklich wahrgenommen, nicht gewertschätzt und manchmal auch vor sich selbst einfach nicht genug – weil sie eine Frau ist. Jordan möchte einfach nur existieren, doch die Gesellschaft, die versucht, sie in bestimmte Rollenbilder zu pressen, macht ihr das schwer und I felt that, Leute, und sicherlich bin ich nicht die einzige.

Jordan denkt im Verlauf des Romans nicht nur über ihr eigenes Gender nach, es gelingt Riley Redgate ebenfalls aufzuzeigen, dass das, was Jordan macht, ein großes Privileg ist: Sie “verkleidet” sich nur als Junge, sie ist cis, es hat für sie keine persönlichen Konsequenzen. Und mehr als einmal liegt es schwer im Magen, wenn sie darauf hinweist, dass das, was für sie ein Spiel ist – einen Binder tragen zum Beispiel – für viele trans Männer einfach eine Lebensrealität und oft auch mit Angst vor negativen Reaktionen verbunden ist. Riley Redgate verzichtet auf die alten, meist eben auch queer- und transphoben Zoten, mit denen Verwechslungskomödien gern um sich werfen, und stellt stattdessen die Probleme und Realitäten queerer Menschen ein Stück weit in den Vordergrund.

TOLLE ANSÄTZE & EIN PAAR DISSONANZEN

Jordan selbst ist zum Beispiel bi, aber noch sehr unsicher, glaubt manchmal, sie könnte alles nur faken, obwohl sie sich zu Mädchen hingezogen fühlt. Das ist etwas, das viele bisexuelle Menschen sicherlich nachvollziehen können und genau diese Momente sind es, in denen man sich so deutlich selbst erkennt, die “Noteworthy” so großartig machen. “Noteworthy” ist kein Issue Book. Es ist ein extrem witziger Roman rund um a cappella und ein Mädchen, das sich endlich beweisen möchte, vor sich selbst und vor ihrem Umfeld, aber Riley Redgate legt den Finger nicht selten pointiert auf gesellschaftliche Problematiken, die sich für Jordan als bisexuelle Frau eben ergeben – aber nicht nur das.

Genauso ungezwungen und gerade deshalb so treffend spricht sie auch einige andere Themen an, die für Jordan einfach zum Leben dazu gehören: Rassismus zum Beispiel, oder die Armut ihrer Familie, die auf Sozialhilfe angewiesen ist und die körperliche Beeinträchtigung ihres Vaters, den seine Krankenversicherung im Stich lässt. “Noteworthy” ist natürlich nicht perfekt. Ich hätte mir gewünscht, dass die trans Figuren, die erwähnt werden, größere Rollen spielen würden, eben weil Jordan ja auffällt, dass das was sie macht, nicht immer astrein ist, weil sie cis ist. Ich bin froh, endlich mal eine Verwechslungskomödie dieser Art zu lesen, die eben überhaupt auf trans Menschen eingeht und den heteronormativen Blick abstreift, aber dann auch mal einer trans Figur den Raum zu geben, eine Hauptfigur zu sein, hätte den Roman noch um einiges runder gemacht.

Am Ende ist “Noteworthy” am allermeisten ein Blick auf klassische Geschlechterrollen und Menschen, die nicht hineinpassen. Jordan fühlt sich freier, wenn sie für einen cis Jungen gehalten wird, wird anders wahrgenommen und erfährt die Validierung, die sie als Mädchen nicht bekommt. Es geht viel darum, wie unsere Gesellschaft Mädchen und Frauen nicht ernst nimmt, doch Riley Redgate geht auch auf das Problem der toxischen Männlichkeit ein, das auch Jordan in ihrer Rolle als Julian einholt, und sie beginnt, die Jungen in ihrer Umgebung anders zu betrachten, zu verstehen, woher toxisches männliches Verhalten kommt. Redgate legt hier Mechaniken frei, die tief in unserer Gesellschaft verwurzelt sind, und hilft hoffentlich besonders jungen LeserInnen zu verstehen, woher sie kommen und warum sie so schädlich sind.

CHARMANTER WITZ & ERNSTERE TÖNE

Darüber hinaus ist “Noteworthy” einfach ein wunderbar erzählter, dichter Contemporary-Roman, dessen Witz zumindest bei mir gezündet hat. Riley Redgate setzt nur selten auf Slapstick, sondern vor allem auf witzige Dialoge, die nicht nur zum Lachen bringen, sondern die Figuren auch von Anfang an gut umreisen und bei einer a-cappella-Gruppe, deren sieben Mitglieder schonmal von vorn herein gemein haben, dass sie alle reiche Jungs sind, ist das eine Herausforderung. Aber Riley Redgate stellt alle Jungs gut vor, sodass sie einem sofort im Kopf bleiben, und einige schließt man sofort ins Herz, zum Beispiel Nihal, den ich sehr gemocht habe (und für den ich mir ehrlich gesagt auch ein klareres Ende gewünscht hätte, er verschwindet leider irgendwann einfach aus dem Fokus, aber das am Rande).

Übrigens hat die Autorin, die auch selbst Singer-Songwriterin ist, alle Lieder (bis auf das irische Volkslied “Danny Boy” natürlich), die im Roman vorkommen, selbst geschrieben, anstatt einfach bekannte Songs aus den Charts herzunehmen. Das gibt “Noteworthy” etwas Zeitloses, weil es kaum Popkulturanspielungen (meine Nemesis in YA) gibt. Und, das war dann für mich das Tüpfelchen auf dem i, sie hat sie auch aufgenommen und auf Bandcamp hochgeladen, was ich extrem cool finde. Ich bin einfach durch und durch ein bisschen verliebt in dieses Buch und ich denke, dass es LeserInnen, die Geschichten über Performing Arts, Theater, Musik und dergleichen mögen, mit seiner sympathischen Ich-Erzählerin, dem subtilen Witz und den interessanten Figuren ebenso begeistern könnte.

Dazu kommt natürlich der gelungene Umgang mit Themen wie Feminismus, Queerness, Rassismus und Armut, der einem soziale Problematiken näherbringt, ohne, dass “Noteworthy” ein Issue Book wird. Knapp würde ich sagen, wer den Kultfilm “She’s the Man” mag und sich eine ähnliche Geschichte wünscht, die aber den heteronormativen Blick auch mal ablegt und ernstere Töne anschlägt, der ist hier richtig. “Noteworthy” macht nicht alles richtig, ich hätte mir zum Beispiel unbedingt trans Figuren in größeren Rollen gewünscht, aber es macht viel richtig, es ist charmant und es ist vor allem eine Coming-of-Age-Geschichte, die mitnimmt, besonders, wenn man ähnlich wie Jordan selbst erlebt hat, wie eingrenzend Geschlechterrollen besonders für junge Mädchen sind.

Alles in allem ist “Noteworthy” ein unterhaltsamer YA-Roman, der einem auch mal ein “Aw” abringt, weil er charmant, niedlich und lustig ist, dem es aber gleichzeitig gelingt eine fluffige Geschichte mit ernsten Themen zu verbinden. Obwohl mir nicht alles zu 100% gefallen hat, hat “Noteworthy” mich bewegt und trotz der schwierigen Themen ist es ein feel-good-Roman, den ich bestimmt bald noch einmal lesen werde. Deshalb ist er ein neues Lieblingsbuch für mich und ich hoffe, dass er besonders jungen LeserInnen die angesprochenen Thematiken verständlicher machen kann und, dass sich Jugendliche, die sich in Jordan wiederfinden, ein Stück weit verstanden fühlen. “Noteworthy” ist das Buch, das ich mit siebzehn hätte gebrauchen können. Umso froher bin ich, dass es den Roman jetzt gibt.


BIBLIOGRAPHIE

Noteworthy | Harry N. Abrams, 2018 | 9781419729720 | 336 Seiten | Englisch

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