“Broken Things” von Lauren Oliver | Englisch

It’s been five years since Summer Marks was brutally murdered in the woods. Everyone thinks Mia and Brynn killed their best friend. That driven by their obsession with a novel called The Way into Lovelorn the three girls had imagined themselves into the magical world where their fantasies became twisted, even deadly. The only thing is: they didn’t do it. On the anniversary of Summer’s death, a seemingly insignificant discovery resurrects the mystery and pulls Mia and Brynn back together once again. But as the lines begin to blur between past and present and fiction and reality, the girls must confront what really happened in the woods all those years ago—no matter how monstrous.

MEINE GEDANKEN
(Cw: Homophobie, Tierquälerei) 

Ich weiß nicht. Vorweg muss ich gestehen, dass das hier mein erster Roman von Lauren Oliver war. Ja, wirklich. Ich habe ein paar andere Sachen von ihr noch auf dem SuB, aber „Broken Things“ hat mich direkt so sehr angesprochen, dass ich den Roman vorbestellt hatte. Ja, es ist eine weitere Geschichte im Stil von „Pretty Little Liars“: Ein beliebtes Mädchen stirbt, ihre Kleinstadt steht Kopf, zurück bleiben ihre Freundinnen, die aufklären müssen, was passiert ist. Aber ich mag sowas halt und „Broken Things“ hatte einen interessanten Twist für einen YA-Thriller: Denn Brynn und Mia trauern nicht nur um die ermordete Summer, sie werden auch beschuldigt, sie ermordet zu haben.

PRETTY LITTLE BROKEN THINGS?

Das war für mich auch fast schon der interessanteste Aspekt an „Broken Things“ und ich fand ihn sehr gut umgesetzt. Mia ist zwölf und Brynn dreizehn Jahre alt, als Summer grausam ermordet wird und aus den beiden Kindern machen die Medien die „Monster von Brickhouse Lane“. Lauren Oliver gelingt es, sehr authentisch zu schildern, wie die Medien das Bild von solchen Kriminalfällen formen und wie sogar zwei so junge Mädchen in den Augen der Öffentlichkeit zu Monstern werden. Brynn und Mia, aber auch Summers Freund Owen, werden von ganz Amerika nicht mehr als Menschen wahrgenommen, sondern eben als Monster, und wie sich das auf die Mädchen auswirkt, die keinen Ausweg aus der Kleinstadt Twin Lakes haben, ist eindringlich erzählt.

Sehr gut gefallen hat mir auch, dass Summer, blond, hübsch, selbstbewusst und von allen gemocht, extrem dunkle Seiten hat und, dass die Freundschaft zwischen den drei Mädchen extrem toxisch war und das auch behandelt wird. Lauren Oliver gelingt es, trotzdem zu zeigen, wieso Brynn und Mia so fasziniert von Summer waren, denn Summer ist ebenfalls natürlich kein Monster, sondern ein Mensch, der auch gute Seiten hat. Ich habe das gern gelesen, muss aber ehrlich sagen, dass ich mir ein bisschen mehr Substanz erwartet hätte. Es ist eben einfach wieder die bekannte Geschichte: Das blonde mean girl wird ermordet, ihre Freundinnen bleiben zurück und müssen sich mit ihrem Tod, aber auch mit allem, was sie ihnen angetan hat, auseinandersetzen.

Ja, „Pretty Little Liars“ lässt grüßen. Die Serie hat die YA-Thriller-Welt extrem stark beeinflusst, noch mehr als die gleichnamige Buchreihe (die ich wirklich niemandem empfehlen würde), und das merkt man eben auch an „Broken Things“. PLLs Alison ist irgendwie eine Art Archetypus geworden was das schöne, tragische tote Mädchen angeht und während ich diese Art Figur extrem interessant finde, wenn sie kritisch geschrieben ist, hält sie eben auch kaum noch Überraschungen bereit, wenn man mehrere Geschichten dieser Art gelesen hat. Ich hätte mir gewünscht, Summers Charakter wäre komplexer gewesen. Warum sie ihren Freundinnen mit Absicht wehtut, warum sie sie manipuliert und gegeneinander ausspielt, wird nur in Ansätzen klar und das fand ich sehr schade.

REPRÄSENTATIONSFRAGEN: LICHTBLICKE & TOTALAUSFALL

Sehr gut gefallen hat mir wiederum die Repräsentation queerer Mädchen in diesem Buch. Queere Mädchenfiguren findet man bisher leider hauptsächlich in Contemporary Romances und wessen Genre das nicht ist, der hat ein Problem. „Broken Things“ ist wirklich auf ganzer Linie ein Thriller, doch Brynns Sexualität, sie ist lesbisch, darf trotzdem eine Rolle spielen. Ich mochte, dass Brynn selbstbewusst und eigen wirkte und sich von der Homophobie, die ihr entgegengebracht wird, nicht einschüchtern ließ, aber ich mochte auch, dass Lauren Oliver zeigt, dass die Menschen um Brynn herum ihre Queerness nutzen, um sie in die Täterrolle in Summers Mordfall zu drängen. Das ist leider extrem authentisch und ich fand es gut gemacht, hätte mir aber vielleicht weniger ausgeschriebene Slurs gewünscht – es wäre auch ohne gegangen.

Die zweite queere Mädchenfigur in „Broken Things“ ist Abby und… oh Mann, Abby. Allein für Abby bekommt das Buch von mir einen riesigen Pluspunkt. Sie wird vorgestellt mit den Worten: „Abby is fat and very beautiful“ und ich habe vor Freude beinahe geweint. Mir war nicht bewusst, wie sehr positiv dargestellte, dicke Mädchenfiguren in der YA wirklich fehlen, bis ich Abby lesen durfte. Abby ist clever, erfolgreich, selbstbewusst und vor allem aktiv. Sie hat keine POV, die liegen bei Brynn und Mia, aber sie ist diejenige, die einige wichtige Entdeckungen auf der Suche nach Summers Mörder macht. Und ich weiß nicht, ob ihr euch vorstellen könnt, wie befreiend es ist, ein dickes Mädchen mal aktiv und kompetent und als schön beschrieben zu sehen, und eben nicht als Loser, der nichts auf die Reihe bekommt. Abby ist außerdem bisexuell und auch das fand ich ganz gut gemacht.

Nicht so schön finde ich, dass alle Figuren weiß sind. Und ja, das ist mir hier extrem aufgefallen, vielleicht gerade weil andere Repräsentation gelungen ist. Dieses Buch hat eine Menge Figuren und sie sind alle weiß und irgendwie ist das in meinen Augen in YA von 2018 einfach kein Ding mehr, das passieren sollte. Dass Repräsentation wichtig ist, scheint Lauren Oliver ja verstanden zu haben. Warum sie hier dann plötzlich keine einzige PoC-Figur geschrieben hat… Mysteriös. Darüber hinaus fand ich es schade, dass das Wort “crazy” sehr inflationär herumgeworfen wird. Mias Mutter ist “crazy”, weil sie zwanghaft hortet zum Beispiel. Am Ende ist der Umgang mit psychischen Störungen nicht schlecht, so ist es nicht, aber dieser abwertende Gebrauch von “crazy” ist mir sehr negativ aufgefallen, gerade, weil er für psychisch kranke Menschen verwendet wurde.

Und dann wäre da die Sache mit den Pflegekindern… Egal, was Lauren Oliver hier machen wollte, am Ende gibt es in diesem Buch zwei Figuren, die bei Pflegefamilien aufgewachsen sind und beide sind grausame, manipulierende Menschen, die anderen mit Absicht wehtun. Einmal wäre da natürlich Summer und es fällt die Aussage, dass Summer so ist, wie sie ist, weil sie nie gelernt hat, was Geborgenheit und Liebe sind. Uff. Harter Tobak, wenn ihr mich fragt, hotter Take. Das war für mich tatsächlich auch die “schlimmste” Aussage des Buches, weil sie genau in die Klischeekerbe schlägt, dass adoptierte Kinder und Pflegekinder psychische Probleme haben müssen, und beinahe schon zwanghaft irgendwann was Schlimmes tun müssen. Ja, es gibt am Ende relativierende Aussagen, ja, alle fragen sich, wer Summer noch geworden wäre, wäre sie nicht ermordet worden, aber es ist halt trotzdem da. Zweimal. Unschön.

DÜSTERE MÄRCHENWELT & SEHR REALER MORD

Ein weiterer ganz klarer Pluspunkt ist die Atmosphäre des Romans, die ihn wirklich von anderen YA-Thrillern abgrenzt. Summer, Brynn und Mia haben ein obskures Kinderbuch, das sie im Wald nachspielen und zu dem sie eine Fortsetzung schreiben, „The Way Into Lovelorn“. Irgendwann glauben die drei Mädchen, das Fantasieland Lovelorn tatsächlich gefunden zu haben. „Broken Things“ ist kein Fantasyroman, doch durch die Verwebung Lovelorns mit der Realität der Mädchen entsteht eine wunderbar düstere Märchenatmosphäre. Auch fünf Jahre nach Summers Tod setzt Brynn ihren unbekannten Mörder zum Beispiel noch mit dem Antagonisten des Buches, dem Schatten, gleich. „Broken Things“ liest sich oft wie magischer Realismus und das macht das Buch sehr besonders.

Lauren Olivers Schreibstil unterstützt diese Atmosphäre noch. Die Beschreibungen des Waldes, in dem ein großer Teil der Handlung spielt, aber auch von der Kleinstadt in Neuengland und sogar von Gebäuden sind märchenhaft. Leider sackt diese Atmosphäre zum Ende hin ab. Ich fand die Auflösung leider sehr mittelmäßig, obwohl ich sie nicht erraten hätte. Sie passte nicht zum magischen Anfang des Romans und kann einfach mit den intensivsten, dunkelsten Szenen von „Broken Things“ nicht mithalten. Es gibt Szenen, in denen Tiere gequält werden, Summers Tod wird sehr graphisch beschrieben, aber alles durch diese düstere Märchenlinse – das Ende fühlt sich im Vergleich irgendwie zu nüchtern an, zu schnell abgehandelt.

Dazu kommt, dass viele Konflikte einfach nicht aufgelöst werden. Brynn und Mia tragen beide seit Summers Ermordung Dinge mit sich herum, die an ihnen fressen, aber man wartet leider meist vergeblich auf eine Konfrontation. Zum Beispiel hat es Mia kaputt gemacht zu sehen, wie Summer und Owen, in den sie verliebt war, sich vor ihren Augen küssen. Sie bekommt die Chance, Owen endlich zu konfrontieren, doch nach drei gewechselten Worten verläuft das komplett im Sande und sie vergibt ihm. Seine Erklärung dafür, warum er das gemacht hat, ergibt kaum Sinn und es ist dann halt vom Tisch. Und so laufen ungefähr alle Konflikte ab, was ich sehr frustrierend zu lesen fand.

Alles in allem war „Broken Things“ ein sehr durchwachsenes Leseerlebnis für mich. Ich würde den Roman Fans der typischen „Pretty Little Liars“-Story durchaus empfehlen, denn er ist ein düster-magischer YA-Thriller mit tollen, komplexen Figuren. Auch LeserInnen auf der Suche nach queeren Mädchenfiguren abseits von Contemporary Romance kann ich das Buch vorsichtig ans Herz legen, denn Brynn und Abbys Queerness wird meistens sehr gut behandelt. Ich fand das Ende zwar leider enttäuschend und es gab noch einige andere Dinge, die mich gestört haben und die zum Teil auch einfach problematisch waren, aber es eignet sich als etwas anderer YA-Thriller für zwischendurch doch gut, wenn man nicht zu viel erwartet und vor allem bereit ist, sich mit den problematischen Aspekten auseinanderzusetzen.


BIBLIOGRAPHIE

Broken Things | HarperCollins, 2018 | 9780062224132 | 416 Seiten | Englisch

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