NaNoWriMo 2018: Zweifel, Ennui & warum ich trotzdem schreibe

Letztes Jahr habe ich den NaNo nicht geschafft und einen Post darüber geschrieben, weshalb ich trotzdem das Gefühl hatte, ein Stück weitergekommen zu sein. Obwohl die 50k am Ende nicht zusammengekommen sind, ich habe geschrieben, ich habe mich an Projekte getraut, die mir lange zu groß für mich erschienen, und gesehen, dass ich sie meistern kann, wenn ich genug Arbeit investiere. 2017 war sowieso ein gutes Schreibjahr für mich: Ich habe zwei Romane beendet, auf die ich noch immer stolz bin, und einfach viel dazu gelernt. Im Vergleich kommt mir 2018 jetzt zwei Monate vor Schluss bereits wie ein Flop vor. Keine einzige fertige Rohfassung, dafür aber gleich 4 Projekte, die alle mehr oder weniger kurz vorm Ziel stagnieren, weil ich mich seit Monaten nicht aufraffen kann, sie zu beenden, darunter auch der NaNo-Roman aus dem letzten Jahr.

NANO-ENNUI – SELBSTZWEIFEL & DIESE 1667 WÖRTER

Und jetzt ist wieder NaNo – Tausende AutorInnen aus aller Welt versuchen, in 30 Tagen 50.000 Wörter zu schreiben. Und ich? Ich weiß immer noch nicht, was ich machen soll. Die Frage danach, was ich eigentlich vom Schreiben will ist weder für mich, noch für andere AutorInnen, unbekannt. Ich habe diese Phasen alle paar Monate. Diesmal trifft sie leider mit dem NaNo zusammen. Ich mag alle meine Projekte, kann mich jedoch für keines so richtig begeistern. Ich frage mich, ob ich überhaupt in den für mich richtigen Genres unterwegs bin, ob ich nicht was anderes ausprobieren sollte. Ob meine Arbeitsweise die richtige ist, ob ich nicht schneller sein sollte, besser, konzentrierter – in kurz: Die Selbstzweifel sind los. Es ist keine Schreibblockade, denn ich schreibe ja: Hier mal 1000 Wörter, am nächsten Tag 1500 Wörter da – So gehen meine Projekte stetig voran, treten aber doch lange auf der Stelle, weil keines genug Zeit bekommt, um wirklich zu wachsen.

Und der NaNo? Ich weiß nicht. Ich habe 2008 meinen ersten NaNo geschrieben, also ist dieses Jahr ja eine Art persönliches NaNo-Jubiläum für mich. Auch, wenn ich die Jahre 2010 – 2012 nicht zähle. Das war der Höhepunkt meiner Writer Life Crisis, ich habe so gut wie gar nicht geschrieben, und obwohl ich es alle drei Jahre mit dem NaNo versucht habe, ist nichts dabei rumgekommen. Trotzdem habe ich das Gefühl, ich sollte zumindest ein bisschen aufgeregt sein, aber… nichts. Ehrlich gesagt fühlt sich der NaNo dieses Jahr sogar eher wie eine Pflicht an. Ich mache mit, weil ich weiß, dass ich es bereuen werde, wenn ich es nicht tue, auch wenn ich ehrlich gesagt gar keine Lust habe. Ich schreibe jeden Tag meine 1667 Wörter, obwohl es mir dieses Jahr schwerfällt.

Aber das ist halt die Sache mit dem Schreiben: Man hat nicht immer Lust drauf und trotzdem muss man es, wenn man es irgendwann professionell machen möchte, eben tun. Das ist eigentlich der Grund, warum ich diesen NaNo trotz Zweifeln, Unsicherheit und Ennui dabei bin. Es wird wohl immer Phasen geben, in denen ich keine Lust habe, aber, wenn ich es jetzt nicht mache, bereue ich es später nur. Und wenn die 1667 Wörter dann geschrieben sind… es fühlt sich gut an. Ich bin stolz auf mich, dass ich sie geschrieben habe, weil ich mich trotz keine-Lust-Einstellung aufgerafft habe. Und vor allem weiß ich, dass ich noch vor ein paar Jahren nicht geschrieben hätte. Ich habe mich also durchaus als Autorin entwickelt und das zu sehen und wirklich zu beobachten, während es passiert, ist ein unglaublich cooles Gefühl.

VERÄNDERUNG IST GUT, AUCH, WENN SIE LANGSAM IST

Die Selbstzweifel verschwinden dadurch jedoch nicht. Sinnvoll wäre es gewesen, diesen Nano ein großes Resteschreiben zu machen und die 50k auf meine angefangenen Projekte zu verteilen, um sie zu Ende zu bringen. Stattdessen habe ich relativ spontan ein neues Projekt angefangen. Eines, mit dem ich mich sicher fühle, klassischer Spukhaushorror, das habe ich schonmal gemacht. Sicherlich war das die einfache Entscheidung. Mich den Projekten stellen, vor denen ich mich schon so lange drücke, das wäre wohl die richtige Entscheidung gewesen, mit Ausblick auf die Zukunft und das Schreibjahr 2019, das ich wohl dafür verwenden werde(n muss), endlich das Wort Ende unter all diese Projekte zu tippen. Aber, auch das ist etwas, was ich wichtig finde: Manchmal ist es gar nicht so wichtig, die “richtige” Entscheidung beim Schreiben zu treffen, sondern die, die einen weiterbringt.

Ja, ein paar beendete Projekte im November, das wäre mega gewesen. Und auch das hätte mich weitergebracht. Aber solang die Selbstzweifel so persistent bei mir an die Tür klopfen, solang ich nicht weiß, wo ich hin will und mich mit dem Schreiben unsicher fühle, solang steht für mich erstmal im Vordergrund, dass ich überhaupt schreibe. Denn am Ende ist jedes geschriebene Wort Übung. Es ist nicht umsonst, was ich hier gerade mache, auch, wenn dieses Projekt nicht geplant war und dank Nanostress vielleicht auch nicht so gut wird, wie es sein könnte. (Dafür gibt es ja aber sowieso noch die Revising- und Editingdurchläufe.) Und wenn ich Ende November noch ein begonnenes Projekt mit 50k (oder 40k, oder 30k) auf dem Stapel habe, dann habe ich trotzdem etwas geschaffen. Und das ist mir im Moment am wichtigsten: Beständig etwas schaffen, mich weiterentwickeln, nicht zulassen, dass die Selbstzweifel mich zwingen, auf der Stelle zu treten.

Und am Ende ist es genau das, was mir dann doch ein bisschen Mut macht, denn ich weiß, dass all die Projekte, die da auf meinem Stapel liegen – die werden irgendwann fertig werden. Ich weiß, dass ich sie fertig machen werde, weil ich mir seit Anfang 2017 bewiesen habe, dass ich die Dinge zu Ende bringe, auch, wenn es über ein Jahr dauert. Und für mich, die ich jahrelang Romane abgebrochen und verworfen habe, ist das so viel wert. Mit Anfang 20 dachte ich noch, ich würde das nie können. Dass alles, was ich könnte wäre, Romane anzufangen, bis ich die Lust verliere und zum nächsten Projekt springe. Mittlerweile habe ich begriffen, dass nicht mein fehlendes Talent oder Können mich eingeschränkt hat, sondern ich selbst. Denn Schreiben hat mit Talent eigentlich sehr wenig zu tun und sehr viel mit dem Willen und der Bereitschaft, dazuzulernen und vor allem am Ball zu bleiben. Ich habe eine tolle Schreibgruppe, die mir geholfen hat, das theoretische Wissen, dass das so ist, auch in die Praxis umzusetzen.

Es ist Nano, ich habe keine Lust und ich ziehe es trotzdem durch. Weil ich schreiben will, nicht nur für mich, sondern irgendwann auch professionell. Und das ist ein Traum, der ein Traum bleiben wird, wenn man nicht schreibt und sich verbessert. Ich habe für diese Erkenntnis sehr lang gebraucht und es hat noch länger gedauert, mir anzutrainieren, auch wirklich so zu arbeiten, aber es zahlt sich aus. Ich schreibe. Trotz Unistress, trotz Masterarbeit. (Und ja, natürlich geht das vor, aber das Schöne ist ja, dass ich weit genug gekommen bin, um Uni und Schreiben unter einen Hut zu bringen, ohne, dass ich das Gefühl habe, eins von beiden schleifen zu lassen.) Und wenn du jetzt denkst: “Ich habe aber wirklich, wirklich keine Zeit für den Nano!”, dann ist das so. Aber vielleicht hast du ja Zeit für 30k. Oder für 20k. Und wenn das so ist, dann versuch es damit, denn alles ist besser als nichts.

FLOP ODER KEIN FLOP?

Ich schreibe diesen November also meinen Spukhaushorror und ich hoffe, dass ich mich noch in das Projekt verliebe, trotz keine Lust, trotz Stress, trotz meiner Zweifel. Es sieht aber gut aus, denn mit jedem Wort, fällt es mir leichter, selbst jetzt schon, nach nur ein paar Tagen. Und es sind ja noch 26 und ein halber Tag übrig. Und wenn jetzt einer fragt: “Warum macht sie das bitte, wenn sie keinen Bock hat, man muss doch auch mal Pause machen dürfen?” Klar. Meine Methode funktioniert für mich. Sie muss nicht für alle anderen AutorInnen funktionieren. Und warum ich es mache? Weil ich weiß, wie gut ich mich fühlen werde, wenn ich am 30. November sehe, was ich geschafft habe. Aber natürlich sind Pausen erlaubt, wenn man sie braucht. Das muss jeder für sich selbst wissen. Ich persönlich weiß aber für mich, dass ich Pausen gern als Ausrede nutze. Ich brauche sie gar nicht wirklich, aber ich schiebe es vor, um mich schwierigen Dingen nicht stellen zu müssen.

Am Ende hat jede/r seine eigene Methode, was das Schreiben angeht. Ich hoffe aber, dass ein paar von euch vielleicht etwas mitnehmen konnten. Ansonsten war es aber auch für mich nicht verkehrt, einfach mal meinen Stand als Autorin festzuhalten, besonders im Vergleich zum Nano-Post aus dem letzten Jahr. Denn während ich am Anfang des Posts noch das Gefühl hatte, 2018 war ein Schreibflop, sehe ich das jetzt schon anders. Denn ich habe ja trotzdem viel geschrieben, auch, wenn die Projekte noch nicht fertig sind. Ich habe mich verbessert. Und ich bin gespannt, wie es bei mir Anfang Dezember aussehen wird, wenn der NaNo rum ist, wie viel ich geschafft haben werde und wie es mit meinen Selbstzweifeln und Fragen danach, was ich hier eigentlich mache, dann aussieht. Ich denke, ich werde die “Autorenleben”-Kategorie alle paar Monate als persönliches Schreibtagebuch benutzen und ich hoffe, das interessiert wenigstens ein paar von euch, obwohl es nicht um Bücher geht.

Aber wie sieht es bei euch aus? Wagt ihr euch an den NaNo? Was schreibt ihr? Habt ihr Spaß? Lasst es mich in den Kommentaren gern wissen.

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2 comments

  1. Das hier “Aber solang die Selbstzweifel so persistent bei mir an die Tür klopfen, solang ich nicht weiß, wo ich hin will und mich mit dem Schreiben unsicher fühle, solang steht für mich erstmal im Vordergrund, dass ich überhaupt schreibe” trifft es bei mir auch sehr gut. Ich schreibe dieses Jahr den NaNo, wobei ich anders als du seit Jahren überhaupt kaum geschrieben habe. Und auch jetzt im NaNo bin ich wieder unsicher und voller Selbstzweifel und habe an den meisten Tagen nicht sehr viel Lust zum Schreiben. Aber die Devise lautet “Hauptsache wieder schreiben”.
    Ich hoffe, du verliebst dich im Laufe des Novembers noch so richtig in den Projekt und bin gespannt, was für ein Fazit du nach dem NaNo ziehen wirst!

    1. Hi! Ich habe auch jahrelang kaum geschrieben, das fing bei mir erst 2015 wieder richtig an und seitdem habe ich richtig zugucken können, wie ich mich weiterentwickelt habe, als hätte ich die verlorenen Jahre aufholen müssen. 😬 Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Glück mit dem Nano und ich finde deine Einstellung schonmal echt gut. Hauptsache erstmal schreiben! lG, Kat.

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