Rezensionen

“City of Ghosts” von Victoria Schwab | Englisch

Cassidy Blake’s parents are The Inspectres, a (somewhat inept) ghost-hunting team. But Cass herself can REALLY see ghosts. In fact, her best friend, Jacob, just happens to be one. When The Inspectres head to ultra-haunted Edinburgh, Scotland, for their new TV show, Cass—and Jacob—come along. In Scotland, Cass is surrounded by ghosts, not all of them friendly. Then she meets Lara, a girl who can also see the dead. But Lara tells Cassidy that as an In-betweener, their job is to send ghosts permanently beyond the Veil. Cass isn’t sure about her new mission, but she does know the sinister Red Raven haunting the city doesn’t belong in her world. Cassidy’s powers will draw her into an epic fight that stretches through the worlds of the living and the dead, in order to save herself.


MEINE GEDANKEN

Meine ersten Gehversuche im Urban-Fantasy-Genre waren Geisterromane für Jugendliche. Das war so 2006 und ich hatte damals für ein paar Jahre eine richtige Geisterphase. Es konnte gar nicht unheimlich genug sein und ich habe sie alle verschlungen: Von Meg Cabots “Mediator”-Büchern und Kelley Armstrongs “Darkest Powers” bis hin zu Büchern wie “Der Kuss des Todes” von Brigitte Melzer (damals Kate Logan) habe ich in dieser Zeit alles gelesen. Dann wurde es in der Urban Fantasy erstmal ruhiger um die Seelen der Toten – klassische Spukgeschichten lese ich aber, wie ihr wisst, weiterhin gern. Trotzdem war “City of Ghosts” für mich ein bisschen wie nach Hause kommen, denn Victoria Schwabs neuer Kinder- und Jugendroman liest sich exakt wie die Geister-Urban-Fantasy, die ich vor über zehn Jahren so gern gemocht habe und hatte deshalb bei mir von vorn herein schonmal den Nostalgiefaktor als Pluspunkt weg.

NICHT ORIGINELL UND DOCH CHARMANT UND UNHEIMLICH

Dad says that the world is always changing, every second of every day, and so is everything in it, which means that the you you are right now is different from the you you were when you started reading this sentence. […] But when you take a photograph, things stay still. The way that they were, is the way that they are, is the way that they will always be.

“City of Ghosts” folgt der zwölfjährigen Cassidy Blake, deren Eltern berühmte Geisterforscher sind, von New York State nach Edinburgh in Schottland, wo ihre Eltern eine Fernsehserie drehen sollen. Doch im Gegensatz zu ihren Eltern kann Cass wirklich Geister sehen, seit sie beinahe gestorben ist. Und Edinburgh, so stellt es sich bald heraus, ist tatsächlich eine der am meisten heimgesuchtesten Städte der Welt. Und Cassidys Fähigkeit kommt mit einer großen Verantwortung: Es ist ihre Aufgabe, den Toten ins Jenseits hinüberzuhelfen. Nein, das ist wirklich nichts Neues, so ist es nicht. Es ist dem Plot von Meg Cabots “Mediator”-Büchern, die ab 2001 erschienen sind, sogar ziemlich ähnlich: Ein Mädchen, das Geister sehen kann, kommt an einen neuen Ort. Check. Sie muss den Geistern ins Jenseits helfen. Check. An ihrer Seite steht ein mysteriöser Geist, zu dem sie eine enge Bindung hat, über dessen Tod und Leben sie jedoch kaum etwas weiß. Und check.

Sicherlich sind “Mediator” und “City of Ghosts” auch nicht die einzigen Geisterromane, die diese Tropes erfüllen. Aber ehrlich gesagt finde ich das überhaupt nicht schlimm, denn ich möchte ja genau solche Geschichten lesen. Das Konzept mag also altbekannt sein, doch was Victoria Schwab daraus macht, ist voller Leben – trotz der Thematik – und wunderbar atmosphärisch-unheimlich. Die Figuren tragen den Roman, von Cassidy mit ihrer Leidenschaft für Fotografie selbst über ihre etwas merkwürdigen, aber liebenswerten Eltern bis hin zu Jacob, dem Geisterjungen, der einerseits ein normaler Teenager zu sein scheint, der Comics liebt, aber andererseits so einiges vor Cass geheimhält. Victoria Schwab gelingt es, mich von den ersten Seiten an für diese Figuren zu begeistern und in die Geschichte hineinzuziehen. Sie webt eine sehr eigene, unheimliche Atmosphäre, die gleichzeitig gemütlich wirkt, was die knapp 270 Seiten, die sich sehr schnell weglesen lassen, perfekt für kuschelige Leseabende macht.

Und dann ist da der Schreibstil. Victoria Schwab schreibt sehr klar und bildlich, sodass nicht nur Cassidys Heimat im US-Bundesstaat New York am Anfang bunt und authentisch wirkt, sondern vor allem auch das im Vergleich düstere, alte und gespenstische Edinburgh. Hin und wieder ist der Stil regelrecht poetisch und es ist eine wahre Freude ihn zu lesen, es macht einfach Spaß. Das Konzept von “City of Ghosts” mag also klassisch sein, doch die Figuren, der Schreibstil, die perfekte Atmosphäre und natürlich auch die kleinen Details, wie Cassidys Geisterforschereltern, machen den Roman zu etwas Besonderem. Ich habe mich in diesem Edinburgh sofort zu Hause gefühlt und obwohl Cassidy immer wieder in gruselige und gefährliche Situationen stolpert, schimmert immer wieder durch, wie sehr die Autorin die Stadt liebt, sodass ich richtiges Fernweh bekommen habe.

GEISTER, GRUSEL, HARRY POTTER?

In the end, I guess Mom was right. I have one foot in winter and one in spring. One foot with the living, and one with the dead.

Wenn mich etwas gestört hat, dann waren es wohl die Anspielungen auf Popkultur, die mir einfach zu häufig vorkamen. Marvel und besonders auch Harry Potter tauchen alle paar Seiten auf, und irgendwann ging mir das leider ein bisschen auf die Nerven. Cassidy vergleicht Situationen, in denen sie sich befindet, oft mit Szenen aus Harry Potter und mir – als jemand, der nicht der größte Fan der Reihe ist – wurde das einfach sehr schnell zu viel. Die Lobgesänge auf J.K. Rowling fand ich sogar ein bisschen unangenehm zu lesen und für die Geschichte auch einfach sehr unnötig, genauso, dass Leute ständig Fanartikel tragen und jeder, den Cassidy trifft, auch auf Harry Potter steht. Diese Anspielungen stören nicht unbedingt die dichte Atmosphäre, aber sie bekommt immer ein bisschen einen Knacks, wenn Cassidy mal wieder eine Szene aus Harry Potter nacherzählt. Ich lese hier schließlich “City of Ghosts” und keine Zusammenfassung der Harry-Potter-Reihe, oder? Vielleicht finden sich richtige Potterfans in Cassidy da ja eher wieder, aber mir war es einfach zu viel.

Mein anderer Punkt ist, dass ich mir wirklich nicht sicher bin, was die Zielgruppe dieses Romans betrifft. Cassidy ist zwölf und der Roman wird als Middle Grade beworben, soll also LeserInnen zwischen zehn und zwölf Jahren ansprechen. Aber “City of Ghosts” ist extrem düster. Ja, dass das hier ein Geisterroman ist, weiß man natürlich von Anfang an, aber “City of Ghosts” beschäftigt sich auch viel mit den Themen Tod, Sterben und Trauer und es gibt einige doch recht bildlich geschilderte grausame Tode. Ganz zu Beginn ist die Rede von einem Jungen, der bei einem Feuer in der Schule verbrannt ist und Cassidys Begegnungen mit verschiedenen Geistern sind oft sehr düster und unheimlich, besonders der Red Raven hat etwas richtig Dämonisches, das selbst mir mit 26 Jahren einen Schauer über den Rücken gejagt hat. Darüber hinaus wirkt Cass auch nicht wie eine Zwölfjährige. Man kann sich problemlos vorstellen, dass sie 16 oder 17 wäre und als Jugendroman mit älterer Protagonistin hätte sich “City of Ghosts” wohl einfach ein bisschen runder angefühlt.

Dazu kommen die Klischees dazu, was “typisch britisch” ist, die ich weniger charmant und auch eher etwas nervig fand. Vereint werden sie in Lara, die in Cassidys Alter sein soll, aber spricht wie die Queen, ständig Tee trinkt, immer wie aus dem Ei gepellt aussieht und hochnäsig und abweisend ist. Als hätte man alle Klischees zu Briten in einen Topf geworfen, was ich schade finde, denn Lara ist die einzige nicht-weiße Figur im Buch und etwas mehr Persönlichkeit hätte ihr gut gestanden. Generell bleibt auch noch zu sagen, dass die Handlung sehr spät einsetzt. Cassidy lernt Lara erst in der zweiten Hälfte wirklich kennen und auch der Plot rund um den Raven in Red beginnt sehr spät, erst um die 70%-Marke. Alles davor ist Einführung in Cassidys und Jacobs Geisterwelt. Gern gelesen habe ich es trotzdem, da Victoria Schwab hier die Sehenswürdigkeiten und Geistergeschichten von Edinburgh einfließen lässt, aber ich hätte mir mehr Handlung gewünscht, wo das Buch schon so kurz ist.

Obwohl mich diese Punkte ein wenig gestört haben, wiegen die positiven Punkte das jedoch auf. Ich habe “City of Ghosts” dank dem tollen Schreibstil, den Setting und der Geistergeschichte, die mich positiv an meine Lieblingsbücher als Vierzehnjährige erinnert hat, sehr gern gelesen und freue mich schon auf Cassidys zweites Abenteuer, das wir wohl 2019 lesen werden dürfen. Besonders neugierig bin ich natürlich, weil es noch einiges über Jacob und Lara herauszufinden gibt und ich hoffe, dass wir sie beide in Band 2 wiedersehen werden, obwohl der nächste Band in einer anderen Stadt spielen wird. Ich würde den Roman allen LeserInnen empfehlen, die Geister-Urban-Fantasy mit Tiefgang mögen, aber ich würde den Roman vielleicht eher ab 12 empfehlen. Es kommt natürlich stark auf das Kind an, ob es die Themen und gruseligen Szenen von “City of Ghosts” verkraften kann oder nicht, aber ein allgemeines “ab 10” möchte ich deshalb trotzdem nicht aussprechen.


BIBLIOGRAPHIE

City of Ghosts | Cassidy Blake #1 | Scholastic, 2018 | 9781338111033 | 272 Seiten | englisch

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