Fünf Lieblingsbücher, die ich seit Jahren liebe

14. November 2018Katriona

Lieblingsbücher kommen und gehen bei mir. Ich bin von Büchern oft am Anfang total begeistert, doch dann flaut das langsam ab. Ich mag die Bücher zwar natürlich immer noch, aber eben nicht als Lieblingsbücher. Dass meine Begeisterung wirklich über Jahre anhält, ist selten, kommt aber natürlich auch vor. Und genau solche Bücher möchte ich euch heute vorstellen. Bei den meisten von ihnen ist das letzte Lesen zu lang her, als das ich eine ausführliche Rezension schreiben könnte, aber leider habe ich zu wenig Zeit, um meine Favoriten alle nochmal zu lesen, wenn es so viele neue Bücher gibt, die auch gelesen werden wollen. Auf dem Blog empfehlen möchte ich meine Lieblinge aber natürlich trotzdem und deshalb gibt es heute fünf Kurzrezensionen zu Lieblingsbüchern – auch als Ausgleich zu den fünf abgebrochenen Büchern von letzter Woche.


1. “The Name of the Star” von Maureen Johnson

The Name of the Star | Shades of London #1 | Speak, 2011 | 9780142422052 | 372 Seiten | Englisch | Deutsche Ausgabe: Die Schatten von London, cbt, 2014

Worum geht’s? Der Tag von Rorys Ankunft im altehrwürdigen Internat Wexford ist gleichzeitig der Tag, an dem eine Mordserie beginnt, die ganz London in Atem hält. Jack the Ripper ist zurück, oder vielmehr jemand, der exakt die Taten des Serienmörders kopiert. Unter den Augen der an den Bildschirmen mitzitternden Londoner Bevölkerung tötet der Ripper trotz Überwachungskameras und observierenden Hubschraubern weiter – und lässt die Polizei alt aussehen, so ganz ohne Zeugen. Was keiner weiß: Eine einzige Zeugin gibt es – Rory. Die junge Amerikanerin ist die Einzige, die den Mörder gesehen hat. Womöglich auch die Einzige, die ihn sehen kann? Und plötzlich ist der Ripper hinter Rory her …

Ich liebe es, weil: Ich mag keine Bücher über Jack the Ripper. Weil es zu viele davon gibt und weil mir die Romantisierung dieses Serienmörders auf den Geist geht. “The Name of the Star” aber ist meine große Ausnahme. Weil es innovativ ist, weil ich Maureen Johnson und ihre Bücher liebe und, weil die “Shades of London”-Reihe eine der besten Urban-Fantasy-Reihen für Jugendliche ist, die ich kenne. Bei mir kommt hier einiges zusammen: Ich liebe die düsteren Seiten von London und seine Geistergeschichten und ich liebe Romane über Menschen, die Geister sehen können, und ich liebe YA-Thriller. Maureen Johnson vermischt das alles zu einem spannenden Roman, der vor allem durch seine Protagonistin Rory glänzt. Rory erzählt wunderbar trocken und zynisch und der Humor, der sich nie mit der unheimlichen Atmosphäre beißt, macht “The Name of the Star” so besonders. Dazu kommt, dass Maureen Johnsons Liebe für die Stadt von jeder Seite tropft.

Was mir aber besonders gefällt, ist der Verlauf der Reihe. Während ich von Band II zuerst ein wenig enttäuscht war, fand ich es dann umso besser, wie Maureen Johnson das, was in Band I und Band II bereits angedeutet wird, in Band III weiterführt. Deshalb ist es natürlich umso ärgerlicher, dass wir seit 2014 auf den vierten Band warten müssen, während Maureen Johnson jetzt anscheinend vorrangig an ihrer “Truly Devious”-Reihe arbeitet. Ich habe keine Ahnung, ob und wann die “Shades of London”-Reihe jemals beendet wird, aber ich zähle die ersten drei Bände trotzdem zu meinen Lieblingsreihen und besonders Band Eins zu meinen Lieblingsbüchern überhaupt. Die Figuren, das Setting und auch der komplex aufgebaute Fall rund um Jack the Ripper und die Geister von London macht “Shades of London” für mich zu einer der besten Urban-Fantasy-Reihen über Geisterjäger, die 2011, als ich Band Eins gelesen habe, frischen Wind in die YA-Welt gebracht hat, aber auch heute noch dank des diversen Casts und der spannenden Geschichte aktuell ist.


2. “Twenties Girl” von Sophie Kinsella

Twenties Girl | Black Swan, 2010 | 978-0552774376 | 496 Seiten | Englisch | Deutsche Ausgabe: Charleston Girl, Goldmann, 2011

Worum geht’s? Lara Lington macht gerade, um es vorsichtig zu formulieren, eine schlechte Phase durch: Ihr Freund hat sie vor kurzem verlassen, und im Job läuft es auch alles andere als rund. Während Lara noch darüber sinniert, wie sie ihr Leben wieder auf die Reihe bringen kann, kommt der Impuls dazu von der denkbar unwahrscheinlichsten Seite: Auf der Beerdigung ihrer Großtante Sadie, die im gesegneten Alter von 105 in einem Altersheim gestorben ist, erscheint Lara ebendiese Sadie als Geist – jedoch nicht als greis und krank, sondern als 23-jähriges Mädchen…

Ich liebe es, weil: “Twenties Girl” ist der ungewöhnlichste Roman, den Sophie Kinsella jemals geschrieben hat, aber in meinen Augen auch mit Abstand der beste. Es gibt eine Liebesgeschichte, natürlich, aber im Vordergrund steht eine Frauenfreundschaft, ein relativ spätes Coming-of-Age (Lara ist 27), was mir gut gefallen hat, weil ich Laras Selbstfindungsprobleme authentisch fand, und die Frage danach, was von uns bleibt, wenn wir sterben und sich niemand an uns erinnert. So geschieht es Sadie, die mit 105 Jahren einsam in einem Pflegeheim stirbt. Jahrelang hat sich niemand für die Großtante interessiert, doch als Sadies Geist, wütend darüber vergessen worden zu sein, zurückkehrt, entdecken Lara und die LeserInnen gemeinsam, was für ein interessantes Leben Sadie geführt hat, auch, wenn es niemand mehr weiß.

Sadie wirkt am Anfang arrogant und verwöhnt, doch je mehr Lara über sie und ihr Leben herausfindet, umso besser konnte ich verstehen, warum sie so ist. Im Kern dieser Chick-Lit-Komödie steckt eben auch eine sehr traurige Geschichte und dieses Tragikkomische macht den Roman so gut. Es ist verdammt witzig zu lesen, wie Lara durch London stolpert, um Sadies Wünsche zu erfüllen, damit sie ins Jenseits weiterreisen kann, aber das Lachen bleibt einem auch mal im Hals stecken, wenn Lara sich fragt, warum sie die alte Sadie nie im Altenheim besucht hat, oder wenn sie bemerkt, dass Sadie nicht so sehr Unrecht damit hat, dass Lara selbst mit ihrem Leben nicht zufrieden ist und etwas ändern muss. Dazu kommt sehr viel Zwanziger-Jahre-Flair, denn das war die Zeit, in der Sadie am glücklichsten war, und Sophie Kinsellas berühmter Witz, was diesen Roman in meinen Augen einfach besonders macht. Er ist für mich ein Feel-Good-Buch mit ernstem Kern, das ich immer wieder gern lese.


3. “Des Teufels Maskerade” von Victoria Schlederer

Des Teufels Maskerade | Heyne, 2009 | 978-3-641-08285-7 | 544 Seiten | deutsch

Worum geht’s: Prag, in den letzten Jahren der K&K-Monarchie: Hier unterhält Dejan Sirco, Baron und Hauptmann außer Dienst, sein „Bureau für Okkulte Angelegenheiten“. Und das mit gutem Grund, bevölkern doch die unterschiedlichsten und unwahrscheinlichsten Wesen die Goldene Stadt. Unterstützung erhält Dejan von der lebensweisen Dirne Esther, dem ehemaligen Straßenjungen Mirko sowie Lysander Sutcliff, einem Earl, der durch eine Kette unglücklicher magischer Verwicklungen seit Jahrhunderten im Körper eines Otters sein Dasein fristen muss. Der neueste Fall des farbenfrohen Quartetts gestaltet sich diffizil: Es gilt, einen mörderischen Fluch zu ergründen, in dessen Bann ein altes Adelsgeschlecht seit Jahrhunderten steht. Im Zuge der Ermittlungen offenbart sich Dejan, dass weit mehr auf dem Spiel steht, als das Schicksal einer Familie: Denn hinter den Kulissen der bekannten Welt planen Geheimgesellschaften und phantastische Wesen schon lange den Aufstand, der auf die Bühne der Weltpolitik überzuschwappen droht…

Ich liebe es, weil: Dieses Buch ist mir so unglaublich wichtig, weil es so viel dazu beigetragen hat, was und wie ich selbst heute schreibe. “Des Teufels Maskerade” ist historische Urban Fantasy mit ungewöhnlichem Setting: Prag zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Historische Phantastik gibt es viel, aber ich habe selten ein Buch gelesen, dass die Atmosphäre einer Epoche so gekonnt einfängt, wie dieses. Und dazu kommen die skurrilen phantastischen Wesen, wie Lysander, der im Körper eines Otters feststeckt und neben Ich-Erzähler Dejan meine Lieblingsfigur ist. Dass Dejan bisexuell ist, ist ein weiterer Punkt, der mir sehr gefallen hat, denn dieses Buch ist von 2009, als queere Hauptfiguren, besonders in historischen Romanen, noch so gut wie nicht existent waren – was sie eigentlich ja heute immer noch sind. Ich liebe Dejan, weil er so bunt und einfach ein bisschen anders ist, als die meisten Ermittler in historischen Romanen, weil er mir für die Epoche sehr authentisch vorkommt und mir einfach ans Herz gewachsen ist.

Darüber hinaus liebe ich Victoria Schlederers blumigen Schreibstil, der sicherlich nicht jedermanns Sache ist, aber sehr gut zu dieser Geschichte passt, und ganz generell dieses historische Prag, in dem sich echte Geschichte mit allerlei skurrilen und zum Teil unheimlichen Gestalten vermischt. Sicherlich ist die Repräsentation nicht perfekt und sicherlich gibt es hier einiges, was ich aus heutiger Perspektive nicht so gelungen finden würde, aber “Des Teufels Maskerade”, Baron Dejan Sirco mit seiner Liebe für schnelle Autos, der Otter Lysander, Esther und der leichtlebige Felix Trubic haben einfach etwas Besonderes für mich, was einerseits am Roman selbst liegt, andererseits an der Zeit, in der ich ihn gelesen habe (2010, als meine Liebe für die Epoche noch recht frisch war) und vor allem daran, dass es eins dieser Bücher ist, das ich mit keinem anderen vergleichen kann. Ich habe in den letzten acht Jahren keinen Roman gefunden, der diesem hier ähnelte, keine historische Phantastik, die für mich an diese hier herankam und deshalb ist “Des Teufels Maskerade” ein Lieblingsbuch für immer.


4. “Swordspoint” von Ellen Kushner

Swordspoint | Riverside #1 | Spectra, 2003 | 9780553585490 | 329 Seiten | Englisch | Originalausgabe: 1987

Worum geht’s? Auf den Straßen von Riverside kommt es darauf an, wie gut man mit dem Schwert umgehen kann. Sogar Adelige regeln ihre Auseinandersetzungen mit der Klinge. In dieser gefährlichen, elitären Welt ist Richard St. Vier unbestritten der beste Schwertkämpfer. Bis ein Tod durch das Schwert einen Skandal auslöst, der die Grenzen zwischen Held und Bösewicht drastisch verschiebt…

Ich liebe es, weil: “Swordspoint” war einer der ersten High-Fantasy-Romane, die ich je gelesen habe und ist für mich bis heute auch einer der besten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Roman auch stark beeinflusst hat, wie ich meine Fantasy mag: Ohne HeldInnen, aber dafür mit vielen Intrigen. In Riverside gibt es keine HeldInnen und keine der Figuren in “Swordspoint” ist wirklich sympathisch, aber genau das gefällt mir so gut an dem Roman. “Swordspoint” liest sich ein bisschen wie ein Gesellschaftssdrama aus dem 18. Jahrhundert und das ist auch gewollt. Es geht viel um die dekadente Gesellschaft von Riverside und wie leicht es ist, von der guten auf die schlechte Seite zu geraten. Hätte Jane Austen Fantasy geschrieben und einen Hang zu blutigen Szenen gehabt, dieses Buch wäre vielleicht dabei herausgekommen, denn ungefähr so liest sich “Swordspoint”.

Was den Roman aber für mich so besonders macht, ist, dass er sich nicht liest, als wäre er dreißig Jahre alt. Dieses Buch ist älter als ich, aber in der Gesellschaft von Riverside ist Queerness akzeptiert und normalisiert. Die Beziehung zwischen Richard und Alec ist kompliziert und in einigen Dingen auch etwas schwierig, aber sie ist komplex und ich habe sie gern gelesen. Dann ist da noch die Figur der Diane of Tremontaine – clever, intrigant und gerade deshalb bewundernswert – die ich sehr liebe und von der ich gern mehr gesehen hätte. Alles in allem ist “Swordspoint” einfach genau die Art von Fantasy, die ich sehr gern mag: Spannend, voller politischer Intrigen und ohne klare Grenzen zwischen dem, was ein/e HeldIn ist oder ein/e BösewichtIn. Mittlerweile gibt es ein paar Fortsetzungen zu “Swordspoint” und die “Tremontaine”-Reihe, in der Diane im Mittelpunkt steht. Besonders letztere möchte ich natürlich unbedingt noch lesen. Dass der Fantasyklassiker “Swordspoint” keine deutsche Ausgabe bekommen hat, finde ich sehr schade, denn “Swordspoint” ist spannende, etwas andere Fantasy, die bereits vor dreißig Jahren auf Genreklischees verzichtet hat.


5. “Confessions of a Teenage Drama Queen” von Dyan Sheldon

Confessions of a Teenage Drama Queen | Walker Books, 1999 | 9871406339833 | 300 Seiten | Englisch

Worum geht’s? Mary Elizabeth Cep, oder Lola, wie sie es bevorzugt, will im Rampenlicht stehen. Doch als sie von New York City nach New Jersey ziehen muss, stellt sie fest, dass die Rolle der Diva an ihrer neuen Schule bereits vergeben ist – und Carla Santini will sie behalten. Carla hat immer bekommen, was sie wollte – bis Lola sich die Hauptrolle im neuen Stück der Theater-AG sichert. Und Carla schwört Rache. Welche Diva wird vorn stehen, wenn der Vorhang sich hebt?

Ich liebe es, weil: Ich habe Bücher über das Show Business immer geliebt und dieses hier dürfte mein erstes gewesen sein. Der Roman ist jetzt fast zwanzig Jahre alt, was ich gar nicht so richtig glauben kann, denn zum ersten Mal gelesen habe ich ihn 2004, nachdem ich die Verfilmung mit Lindsay Lohan im Kino gesehen habe. Das Interessante an “Teenage Drama Queen” ist, dass der Roman einerseits extrem 90er ist, aber auf eine Weise, die nostalgisch macht und nicht zu datiert wirkt. Der Roman ist nicht unbedingt komplex oder vielschichtig, aber er ist doch mehr, als “nur” YA-Chick-Lit. Lola ist eine typische Gewohnheitslügnerin: Zuerst lügt sie, um sich selbst interessanter zu machen, dann folgen die Notlügen, über die sie gar nicht wirklich nachdenkt und irgendwann findet sie sich in einem Netz aus Lügen wieder, die sie selbst gar nicht mehr auseinander halten kann.

Lola mag exzentrisch sein, doch was ich interessant fand war, dass Ella, Lolas neue beste Freundin, die sie für zu brav und langweilig hält, immer wieder beweist, dass sie die interessantere, komplexere Person ist – obwohl man als LeserIn nur Lolas Ich-Perspektive kennenlernt, wird ziemlich schnell klar, dass man Lola nicht immer Recht geben muss oder soll. Carla mag auf den ersten Blick die typische Alpha Bitch sein, aber am Ende ist sie eben doch viel eher eine gut ausgearbeitete Bösewichtin und dann kommt die Erkenntnis, dass Lola und Carla sich eigentlich nur zu ähnlich sind. Und genau das fand ich interessant, weil es “Teenage Drama Queen” eben doch etwas Tiefe gibt, die vielen ähnlichen Jugendbüchern der letzten zwanzig Jahre fehlt, weil Lola dramatisch und ich-bezogen ist, ich das als Leserin aber nicht so hinnehmen soll, und weil Lolas exzentrische Allüren irgendwie auch ein bisschen relatable sind. Ich war nie wie sie, aber ich konnte es 2004 als Teenager sehr gut nachvollziehen, warum Lola ist, wie sie ist. Lola ist der Inbegriff des Teenagers, der mehr sein möchte, als sie ist und all das macht “Confessions of a Teenage Drama Queen” bis heute zu einem der besten YAs, die ich je gelesen habe.


So, das wären fünf meiner absoluten Lieblingsbücher, die mir seit Jahren sehr wichtig sind. Kennt ihr eines dieser Bücher? Mochtet ihr es oder könnt ihr vielleicht gar nicht verstehen, was ich an dem Buch finde? Habt ihr ein Buch, das euch seit Jahren begleitet? Lasst es mich ruhig in den Kommentaren wissen. Ein paar aktuellere Lieblingsbücher findet ihr unter dem Tag “Lieblingsbücher“. Viel Spaß!

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Letzter Post

"City of Ghosts" von Victoria Schwab | Englisch

12. November 2018

Nächster Post

"Elfenkrone" von Holly Black

19. November 2018

Privacy Policy Settings