Queere Figuren in der deutschsprachigen Young Adult 2018

20. Januar 2019Katriona

Bei immer mehr Autor.innen steht Inklusion besonders im Bereich von Jugendbuch und Young Adult mittlerweile groß geschrieben auf der Liste der wichtigen Themen. Seit ein paar Jahren wird der in den USA durch Bewegungen wie We Need Diverse Books (2014) und #ownvoices von Autorin Corinne Duyvis (2015) angestoßene Diskurs um mehr Inklusion von Minderheiten in Jugendbüchern auch hier in Deutschland geführt.

Ich habe über dieses Thema jetzt schon einige Male geschrieben und bin Ende letzten Jahres auf die Idee gekommen, mir mal anzuschauen, wie der Diskurs denn in der Umsetzung aussieht, wobei mich besonders Romane mit LGBTQ-Figuren interessieren. Seit ca. 2014 erscheinen in den USA nämlich jedes Jahr tatsächlich mehr Jugendbücher mit queeren Figuren. Waren es 2010 rund 10 Bücher und auch 2014 nur knapp über 40 Bücher von Mainstream-Verlagen (Quelle: Malinda Lo), ist die Zahl 2018 in den dreistelligen Bereich gestiegen. Und das ist unglaublich.

STATISTIK ODER STICHPROBE? – MEINE KRITERIEN UND WAS ICH VORHABE

Hier sieht die Situation noch lange nicht so gut aus, das wusste ich vorher. Trotzdem wollte ich auswerten, wie viele Romane mit queeren Figuren denn tatsächlich 2018 in unseren deutschsprachigen Mainstream-Verlagen erschienen sind. Angeschaut habe ich mir hierfür: Heyne, Arena, Dressler, Magellan, cbj, Arctis, Kosmos, DTV, Fischer FJB, Carlsen, Thienemann, Loewe und Beltz + Gelberg, beziehungsweise deren Jugendbuchimprints.

Insgesamt habe ich mir 386 Jugendbücher angeschaut, die 2018 auf dem deutschsprachigen Markt erschienen sind. Außerdem habe ich mich entschieden, das Feld ein bisschen einzugrenzen. Unter anderem auf die Mainstream-Verlage, denn einerseits wäre es mir überhaupt nicht möglich gewesen, wirklich alle 2018 erschienenen Jugendbücher ausfindig zu machen, andererseits interessiert mich besonders, wie es mit denjenigen Jugendbüchern aussieht, die die größte Reichweite haben.

Deshalb habe ich mich entschieden, mir anzugucken, von welchen Verlagen tatsächlich Bücher in Buchhandlungen angeboten werden und ausliegen. Auch LGBTQ-Romane aus kleineren Verlagen oder von Self-Publishern sind wichtig und lesenswert, keine Frage, aber mir ist Reichweite wichtig, besonders bei Jugendbüchern.

Wie zugänglich sind YA-Romane mit LGBTQ-Figuren für jugendliche (und ältere) Leser.innen, für die diese Bücher wichtig sind? Welche Bücher sehen Leser.innen, wenn sie in den Buchladen gehen und nach LGBTQ-Romanen suchen? Und wie groß ist die Auswahl? Diese Fragen haben meine Auswahlkriterien beeinflusst und herausgekommen sind die oben genannten Verlage. Darüber hinaus war für mich wichtig, dass die LGBTQ-Figuren, die vorkommen, für die Geschichte wichtige Figuren sind. Also Hauptfiguren oder Nebenfiguren, die trotzdem in die Geschichte verwickelt sind und nicht nur eins, zwei Mal erwähnt werden.

Dieser Punkt war mir wichtig, weil es mir um Repräsentation geht. Eine queere Figur, die nur einmal erwähnt wird, ist keine Repräsentation, sie hat für LGBTQ-Leser.innen kaum einen Mehrwert. Deshalb habe ich zum Beispiel Vivianne aus “Elfenkrone” von Holly Black gezählt, da sie die Schwester der Protagonistin ist und eine für die Geschichte nicht unerhebliche Rolle spielt. Nicht gezählt habe ich jedoch zum Beispiel Severin aus demselben Buch, der nur zwei Mal erwähnt wird und kaum page time bekommt.

Dazu kommt ein weiteres Problem: Ich habe natürlich nicht alle 386 Jugendbücher gelesen, die ich für diese Stichprobe ausgewertet habe. Es kann also sein, dass ich ein Buch mit LGBTQ-Figuren übersehen habe, weil einfach nicht ersichtlich oder ergooglebar war, ob welche vorkommen. Allerdings habe ich sehr gründlich gesucht und zudem Hilfe von zum Beispiel Nom bekommen, die noch ein paar Bücher ergänzt hat. Außerdem bedanken möchte ich mich bei queer.BUCH, die die meisten Neuerscheinungen dokumentiert hat, was eine große Hilfe war.

LGBTQ-FIGUREN IN DER YOUNG ADULT 2018: MEHR ALS FRÜHER, ABER NICHT GENUG

 

Das Ergebnis ist ernüchternd und sehr viel geringer, als ich es erwartet hätte, obwohl ich wusste, dass es nicht hoch sein würde. Von den 386 Jugendromanen, die 2018 in den Mainstream-Verlagen erschienen sind, haben sage und schreibe nur 24 Bücher LGBTQ-Figuren, die halbwegs wichtig sind. Das macht, wie ihr dem Diagramm entnehmen könnt, bloß knapp 6%. Die Anzahl der LGBTQ-Hauptfiguren ist noch geringer.

Zum Vergleich: In den USA sind 2018 mehr Bücher über asexuelle Figuren, eine der am wenigsten repräsentierten Gruppe unter dem LGBTQ-Akronym, erschienen (Quelle: Jellyfable), als LGBTQ-Romane in Deutschland insgesamt. Natürlich ist das ein holpriger Vergleich, denn der US-Markt ist viel größer. Trotzdem stehen die Zahlen in keinem Verhältnis zueinander und, dass in unter 6% der Jugendromane, die 2018 auf Deutsch erschienen sind, queere Figuren mitspielen dürfen, ist ein Problem. Wir sollten weiter sein, als das.

Überrascht war ich dann doch, dass zumindest der Großteil dieser Bücher tatsächlich LGBTQ-Hauptfiguren hatte, also LGBTQ-Figuren mit eigener Erzählperspektive. In rund 5% der 2018 erschienenen Jugendbücher wird entweder der ganze Roman aus der Sicht einer LGBTQ-Figur erzählt, oder die Figur tritt neben anderen Figuren als Perspektivfigur auf. Auffällig ist hier jedoch, dass viele dieser Bücher bis auf das Love Interest der Hauptfigur keine weiteren queeren Figuren aufweisen.

Dazu kommt, dass eine “Ganz oder gar nicht”-Mentalität zu bestehen scheint, denn nicht einmal 2% aller 2018 erschienenen Jugendbücher haben queere Nebenfiguren. Es werden also entweder direkt LGBTQ-Held.innen veröffentlicht, was toll ist, oder aber großteils Bücher komplett ohne LGBTQ-Figuren – Das ist nicht so toll. Wichtige, queere Nebenfiguren in Romanen mit nicht-queeren Hauptpersonen, als Freunde, Familienmitglieder oder anderweitig in die Geschichte verwickelte Figuren, sind extrem wichtig und ich hätte erwartet, mehr von ihnen zu sehen.

Natürlich schwanken diese Zahlen, je mehr Bücher man auswertet. Ich habe zum Beispiel zuerst den Thienemann-Verlag vergessen und bin auf 7% LGBTQ-Romane gekommen. Nachdem ich die Bücher nachgetragen hatte, waren es nur noch knapp 6%. Rowohlt habe ich gar nicht berücksichtigt, da Rowohlt kaum Jugendromane herausgebracht hat und auch dieses Jahr keines mit LGBTQ-Figuren.

Natürlich verzerrt das meine Ergebnisse, da ich ja noch weniger als 6% LGBTQ-Romane herausbekommen hätte, hätte ich alle 2018 bei Rowohlt erschienenen Jugendbücher auch noch ausgewertet. Falls ich ein Buch mit LGBTQ-Figuren vergessen habe, schwanken sie natürlich auch nochmal in die andere Richtung. Deshalb nehmt diese Werte bitte nur als ungefähre Richtwerte. Ich würde aber sagen, dass die tatsächlichen Zahlen irgendwo zwischen 5% und 7% liegen, mehr wird es keinesfalls sein. Eher weniger, denn je mehr halbwegs größere Verlage, die 2018 keine LGBTQ-Bücher gemacht haben, man hinzurechnet, umso kleiner wird natürlich auch der Prozentsatz an LGBTQ-Büchern. Kurz gesagt: Schöner wird’s nicht.

WO SIND DIE GANZEN US-BESTSELLER?

Ich habe mehr LGBTQ-Figuren in den deutschsprachigen Young-Adult-Büchern von 2018 erwartet. Ein Großteil der LGBTQ-Romane, die wir haben, sind Übersetzungen vom englischsprachigen Markt. Nur drei der Romane stammen tatsächlich von deutschsprachigen Autor.innen, während ein Buch im Original dänisch ist (“Wenn Worte meine Waffe wären” von Kristina Aamand).

Das ist gar nicht so verwunderlich, denn das gilt schließlich ganz allgemein für den deutschen Buchmarkt: Ein Großteil der Bücher sind Übersetzungen aus den USA oder auch Großbritannien. Auffällig ist daran aber, dass trotz der vielen eingekauften Übersetzungen die US-amerikanischen queeren Bestseller von 2016 und 2017 weiterhin fehlen. Endlich hat es Adam Silveras mit “Am Ende sterben wir sowieso” zu uns geschafft. Der Großteil seiner Romane ist aber weiterhin auffällig abwesend, obwohl er in den USA im Moment einer der beliebtesten Jugendbuchautor.innen ist.

Nina LaCours queere Jugendromane, zum Beispiel “Everything Leads To You” und “We Are Okay” von 2015 und 2017 sind bisher auch nicht bei uns angekommen. Eine Neuauflage ihres Romans “Ich werde immer da sein, wo du auch bist”, in dem es eine lesbische Nebenfigur gibt, gab es aber. Vielleicht kommen diese Bücher ja im Verlauf der nächsten 1-2 Jahre doch noch zu uns.

Es ist aber auffällig, wie schnell gehypte Bücher ohne queere Figuren auch auf dem deutschen Buchmarkt auftauchen, während wir Bestseller mit queeren Figuren oft nur in kleineren Verlagen (zum Beispiel Arctis, der Adam Silvera übernommen hat) oder im Taschenbuch bekommen, während die drölfste heteronormative Romantasy eine schöne Hardcoverausgabe bekommt. (Ja, es gibt Ausnahmen. Kayla Ancrums “Wicker King” erschien zum Beispiel in einer wunderschönen gebundenen Ausgabe dieses Jahr bei DTV.)

Vielleicht ist das Zufall. Ich kenne mich mit dem Buchmarkt und den Lizenzen nicht gut genug aus, um hier wirklich etwas ablesen zu können. Es fällt aber einfach auf, wie wenige der vielen US-amerikanischen Romane mit queeren Figuren bei uns ankommen und es fällt auch auf, wie wenig deutschsprachige Autor.innen queere Figuren schreiben, oder besser gesagt veröffentlichen (können).

Ja, im Vergleich zu den eingekauften Übersetzungen gibt es sowieso weniger Romane von deutschsprachigen Autor.innen. Aber eben doch deutlich mehr als drei. Trotzdem sind Elisabeth Steinkellners “Dieser wilde Ozean, den wir Leben nennen”, Antje Wagners “Hyde” und “Nur du und ich und über uns die Sterne” von Nina Schiffer die einzigen 2018 in Mainstream-Verlagen erschienenen Jugendromane mit queeren Figuren, die ich finden konnte. Schreiben deutschsprachige Autor.innen etwa einfach keine queeren Figuren? So leicht ist es nicht, dazu später mehr.

WER WIRD REPRÄSENTIERT?

Natürlich habe ich mir auch angesehen, wer repräsentiert wird. Das war ein bisschen schwerer, denn bei Büchern, die ich noch nicht gelesen habe, war es natürlich nicht einfach herauszufinden, welchem Buchstaben des Akronyms die Figuren genau zuzuordnen sind. Ich habe jedoch mein bestes gegeben.

Eine richtige Überraschung war diese Auswertung dann auch nicht: Die meisten LGBTQ-Figuren in unseren 24 Büchern sind schwul, dicht gefolgt von lesbischen und bisexuellen Figuren. Trans, nonbinäre und asexuelle Figuren wurden am wenigstens repräsentiert, nämlich immer genau einmal.

Trans ist zum Beispiel Kendall, eine Nebenfigur in Juno Dawsons “Clean”, während Alex im dritten Magnus-Chase-Buch von Rick Riordan genderqueer ist. Mit “Nur in der Dunkelheit leuchten die Sterne” präsentiert uns Marieke Nijkamp die einzige asexuelle Figur, die jedoch tatsächlich die Heldin des Romans ist. Eine Figur habe ich generell als queer eingeordnet: Amber, die Heldin aus Derek Landys drittem Demon-Road-Band, ist in ein Mädchen verliebt, ihre Sexualität wird jedoch nicht genau bestimmt.

Positiv überrascht war ich, was die Genres angeht, in denen sich die LGBTQ-Figuren bewegen. Die meisten Romane sind Contemporary-Romane, erzählen jedoch Liebesgeschichten oder Geschichten über Freundschaft und Familie. Ein richtiges Problembuch im alten Stil ist 2018 nicht mehr dabei und darüber bin ich sehr froh. Darüber hinaus hat mich gefreut, dass auch Thriller und Fantasy gut vertreten waren – wenn man von “gut” sprechen kann, wenn man insgesamt nur 24 Bücher zur Auswahl hat.

Aber: Vor ein paar Jahren waren die einzigen Bücher mit queeren Figuren tatsächlich solche, in denen die Figuren auf ihre Diskriminierung reduziert wurden. Diese Zeiten scheinen tatsächlich vorbei zu sein, denn während in einigen der LGBTQ-Jugendbücher von 2018 Queerfeindlichkeit und dergleichen durchaus angesprochen wird, steht sie keinesfalls im Mittelpunkt und wird auch, zumindest in den Büchern, die ich gelesen habe, sensibel behandelt.

Besonders gefreut habe ich mich, dass zum Beispiel die Bücher von Rick Riordan dabei sind, in denen queere Figuren ganz selbstverständlich dieselben Abenteuer erleben dürfen, wie nicht queere Figuren. Allerdings ist mir auch bewusst, dass die Bücher bei uns wohl vorrangig erscheinen, weil Rick Riordans “Percy Jackson”-Bücher, in denen es noch deutlich weniger queere Figuren gab, ein großer Erfolg waren.

Ähnliches gilt für Derek Landys “Demon Road”-Bücher, die eine queere Protagonistin haben, aber eben auch der “Skulduggery Pleasant”-Reihe folgen, in der das noch kein Thema war. Natürlich freue ich mich sehr über normalisierte Queerness in Fantasy-Abenteuer-Romanen für Jugendliche, aber ich frage mich zeitgleich, ob und wie die Bücher bei uns gelandet wären, hätte es keine so erfolgreichen Vorgänger gegeben.

Das gilt zum Beispiel auch für “Forever Again: Wie oft du auch gehst” von Lauren James, den zweiten Teil einer Reihe. Dieses Buch hat eine lesbische Protagonistin, sein Vorgängerband handelte jedoch von einer Heterobeziehung. Das heißt jedoch nicht, dass queere Figuren 2018 nur über diese Umwege in die veröffentlichten Jugendromane geraten wären.

Cbj hat zum Beispiel “Eine Krone aus Feuer und Sternen”, Audrey Coulthursts Own-Voices-Roman über eine lesbische Prinzessin, herausgebracht und auch groß beworben, auch “Wicker King” von Kayla Ancrum wurde, wie bereits erwähnt, dieses Jahr von DTV groß herausgebracht. Es geht also durchaus und wird auch angenommen, beide Bücher haben viele Leser.innen erreicht und auch begeistert. Es ist nur einfach zu wenig. Ich sag’s mal, wie es ist: Nur rund 6% Jugendromane, die queere Figuren aufweisen, sind ein Trauerspiel.

ZWEI UMFRAGEN: WER LIEST UND SCHREIBT LGBTQ-ROMANE?

Immer wieder hört man in diesem Zusammenhang das Argument “Das wird halt nicht nachgefragt”, oder auch “Die Mehrheit möchte solche Bücher nicht lesen”. Auch schon gesehen habe ich “Wenn deutschsprachige Autor.innen halt nicht über LGBTQ-Figuren schreiben, was soll man machen?” Deshalb habe ich auf Twitter mal zwei Umfragen gestartet, um herauszufinden, wie realistisch diese Einschätzungen sind.

Besonders meine Frage an Young-Adult-Leser.innen war sehr aufschlussreich. Insgesamt haben 415 Leser.innen abgestimmt. Natürlich weiß ich, dass es hier stark darauf ankommt, wer eine solche Umfrage zu sehen bekommt und in welchen Umfeldern sie mitgemacht wird, allerdings wurde die Umfrage fleißig geteilt und ich behaupte mal, dass sie mit 415 Leser.innen eine große Menge an Menschen aus verschiedenen Umfeldern erreicht hat. Das Ergebnis hat mich gefreut:

Sage und schreibe 88% haben angegeben, dass sie Young-Adult-Romane mit LGBTQ-Hauptfiguren lesen würden. 6% der abstimmenden Leser.innen würden Young-Adult-Romane mit LGBTQ-Figuren lesen, wenn es sich um Nebenfiguren handelt und nur 5% aller Abstimmenden haben gesagt, dass sie keine Young-Adult-Romane mit LGBTQ-Figuren lesen würden.

Die Argumente “Das wird aber nicht nachgefragt” und “Die Mehrheit möchte darüber nicht lesen” können wir also getrost zu den Akten legen. Selbst, wenn nicht aktiv nachgefragt werden würde – Was nicht stimmt, da sehr viele queere und auch nicht queere Leser.innen sehr wohl seit Jahren mehr Repräsentation fordern -, der Großteil der YA-Leser.innen würde ein Buch nicht weglegen, weil LGBTQ-Figuren vorkommen.

Um das Argument “Wenn deutschsprachige Autor.innen halt nicht darüber schreiben…” habe ich mich auch gekümmert. Diese Umfrage ist sicherlich ebenfalls nicht 100% aussagekräftig, aus denselben Gründen wie oben, aber ein Trend lässt sich auch hier gut erkennen, denn von 70 abstimmenden Young-Adult-Autorinnen gaben nur 12% an, keinerlei LGBTQ-Figuren in ihren Romanen unterzubringen, während rund 88% angaben, sehr wohl LGBTQ-Figuren zu schreiben.

Ja, es kommt drauf an, welche Young-Adult-Autor.innen die Umfrage mitgemacht haben, ob diese Autor.innen überhaupt (schon) veröffentlichen möchten, ob sie in Mainstream-Verlage wollen etc., aber: All diese Autor.innen schreiben und sie schreiben LGBTQ-inklusiv. Das deckt sich vorn und hinten nicht mit nur drei (3!) LGBTQ-Jugendromanen von deutschsprachigen Autor.innen im Jahr 2018. Und ganz generell wirft das alles Fragen auf.

WAS BEDEUTET DAS FÜR DEN DEUTSCHSPRACHIGEN BUCHMARKT?

Zum Beispiel die Frage danach, ob der deutsche Buchmarkt weiterhin Romane von und über cis, hetero Menschen bevorzugt. Diese Stichprobe, dieser ganze Post hier, hat keinerlei wissenschaftlichen Anspruch und da ich auf dem Gebiet Laiin bin, ist er sicherlich nicht so professionell erstellt, wie er es sein könnte. Trotzdem: Die Antwort ist Ja. Ein deutliches Ja.

Auch als Laiin konnte ich beobachten, dass US-Bestseller mit queeren Hauptfiguren seit knapp 2015 ignoriert und nicht eingekauft werden, während nicht queere US-Romane, selbst eher obskure, durchaus auch auf Deutsch erscheinen, besonders, was High- und Urban-Fantasy angeht, vornehmlich eben hetero(normative) Romantasy. Wo sind zum Beispiel der Großteil der Romane von Adam Silvera, Alex London, Nina LaCour, Robin Talley, Alice Oseman oder Anne-Marie McLemore, deren Romane in englischsprachigen Mainstream-Verlagen erschienen und wirklich nicht obskur und unbekannt sind?

Ich weiß, dass Adam Silveras “History is All You Left Me” 2019 bei Arctis erscheinen wird und Becky Albertallis “Leah on the Off-Beat”, mit bisexueller Heldin, bei Carlsen. Aber wo ist der Rest, und wieso schwappt er nicht zu uns, die neunzigste eher mittelmäßig erfolgreiche hetero Romantasy aber schon? Und wieso gibt es kaum LGBTQ-Romane von deutschsprachigen Autor.innen, obwohl das Argument “Darüber schreibt hier halt niemand?” bewiesenermaßen Quatsch ist? Die Annahme liegt nahe, dass der deutschsprachige Buchmarkt eben tatsächlich doch noch Romane mit queeren Protagonist.innen abblockt.

Und dafür brauchen wir unbedingt mehr Bewusstsein, denn diese 6% von 2018… Das ist traurig und wirklich kein gutes Ergebnis für 2018, ein Jahr, in dem sich auf dem englischsprachigen Markt so viel getan hat. Ich hoffe daher, dass dieser Post besonders deutschsprachigen Young-Adult-Leser.innen ein bisschen weiterhelfen konnte. Fordert mehr queere Young Adult ein, Leute, lest sie und rezensiert sie und macht euch zum Teil dieser Bewegung, die auch den deutschsprachigen Buchmarkt endlich gerechter zu machen versucht.

Denn ein großes Problem ist, dass die queere Young Adult, die wir haben, kaum Reichweite hat. Ich habe zum Beispiel noch nie von “Forever Again: Wie oft du auch gehst” oder “Eine Handvoll Lila” von Ashley Herring Blake, obwohl ich aktiv nach queerer YA suche, gehört, bevor ich dieses Projekt begonnen habe. Das liegt einerseits an der Vermarktung, denn die deutsche Ausgabe von “Forever Again 2” erwähnt das weibliche Love Interest der Protagonistin überhaupt nicht, auch “Eine Handvoll Lila” bleibt vage, was das angeht.

Nur Nina Schiffers “Du und ich und über uns die Sterne” macht direkt im Marketing deutlich, dass es sich um einen queeren Jugendroman handelt –  Allerdings handelt es sich auch um Romance, wo es schwer gewesen wäre, das nicht zu tun. Elisabeth Steinkellners “Dieser wilde Ozean, den wir Leben nennen” benennt das männliche Love Interest des ebenfalls männlichen Protagonisten lapidar als “eine Zugbekanntschaft” und unterschlägt auch hier gekonnt, dass es sich um eine LGBTQ-Romanze handelt.

Natürlich sollen und dürfen LGBTQ-Romane nicht gekennzeichnet werden. Das werden Romane mit cis, hetero Figuren schließlich auch nicht und es hat zu sehr den Beigeschmack einer “Warnung” an Leser.innen, die “das halt nicht lesen wollen”. Trotzdem ist das Herumschleichen um LGBTQ Content in Klappentexten und auf Covern traurig, denn es macht die wenigen Romane, die wir haben, für Leser.innen, die sie brauchen, noch weniger zugänglich.

Hetero Romanzen scheuen sich nie, in ihren Klappentexten und auf ihren Covern deutlich zu machen, wer sich hier in wen verliebt. Handelt ein Roman jedoch von queeren Figuren, geht das große Rätselraten los oder es wird einfach sofort unterschlagen. Und so geht das nicht weiter, denn wenn die Leser.innen, die danach suchen, queere Romane nicht finden können, können sie sie auch nicht lesen und empfehlen und mehr Nachfrage kreieren. Und dann kommt wieder das Argument “Es gibt ja aber keine Nachfrage” zum Einsatz.

Es liegt aber natürlich nicht nur am Buchmarkt, es liegt auch an uns: Blogger.innen, Leser.innen und, ja, auch Autor.innen. Wir müssen queere Romane mehr rezipieren, egal, ob wir selbst queer sind oder nicht. Mir ist aufgefallen, dass viele Blogger.innen ebenfalls die queeren Aspekte von Romanen in ihren Rezensionen unterschlagen.

Besonders, als der Hype um Kayla Ancrums “Wicker King” im letzten Viertel von 2018 um sich griff, habe ich sehr viele Rezensionen von durchaus einflussreichen Blogger.innen gesehen, die mit keinem Wort erwähnt haben, dass Protagonist August eben nicht nur der “beste Freund” von Jack ist. Leute, macht das nicht. Schafft stattdessen Reichweite, helft Leser.innen, die queere Romane brauchen und wollen, sie zu finden und positioniert euch auch selbst gegen einen Buchmarkt (und eine Bloggerszene), wo queere Repräsentation selten ist und untergeht, wenn sie doch mal passiert.

FAZIT: MEIN VERTRAUEN IN 2019 UND 2020

Die Auswertung der deutschsprachigen Young-Adult-Romane mit queeren Figuren von 2018 war interessant, teilweise überraschend, und hat dann aber auch wieder den Verdacht, den ich sowieso schon hatte, bestätigt: Es ist zu wenig und der deutschsprachige Buchmarkt scheint sich noch sehr zu sträuben, queeren Jugendromanen eine Chance zu geben. Es ist aber trotzdem schon deutlich besser geworden. Mit “Wicker King” (DTV) und “Eine Krone aus Feuer und Sternen” (cbj) wurden 2018 zwei Romane mit queeren Held.innen in Spitzenpositionen gerückt und auch gut angenommen. Davon bitte mehr!

Darüber hinaus scheint die Zeit des tragischen Problemromans, der queere Figuren auf ihre Diskriminierung und ihr Leid reduziert, vorbei zu sein, denn 2018 erschien, zumindest so weit ich das rausfinden konnte, kein einziger solcher Roman in einem Mainstream-Verlag. Stattdessen bekamen wir Contemporary-Geschichten, die sich um andere Problematiken und Dinge drehten, Fantasy und Thriller. Weiter so!

Die zwei großen Probleme im Moment sind, so wie sich das jetzt hier abzeichnet, einmal die Menge an LGBTQ-Repräsentation in der deutschsprachigen Young Adult, und die Reichweite. Mit nur 6% LGBTQ-Figuren auf fast 400 Bücher verteilt, war es einfach immer noch viel zu wenig, besonders, wenn man bedenkt, dass deutschsprachige Autor.innen sehr wohl auch queere Young Adult schreiben und es auch genug Bestseller-Material vom englischsprachigen Markt gibt.

Das wenige, das wir bekommen haben war dann, mit wenigen Ausnahmen, auch sehr vage präsentiert, als wollte man verschleiern, dass es sich um ein queeres Jugendbuch handelt, was es Leser.innen, die diese Bücher brauchen und wollen, deutlich schwerer macht, sie zu finden.

Ich wünsche mir 2019 und 2020, dass der große Knall, in dem die Bewegungen We Need Diverse Books und #ownvoices auf dem englischsprachigen Markt 2017/2018 gemündet sind, auch bei uns erfolgen wird und wir endlich mehr Young Adult mit queeren Figuren auf dem deutschsprachigen Buchmarkt sehen werden – Und natürlich, dass damit auch die Chance für deutschsprachige Autor.innen, die queere Romane schreiben, besonders Own-Voices-Autor.innen, auf Veröffentlichung im Mainstream-Verlag steigen wird.

Das hier ist eine überfällige Entwicklung. Sie war auch schon 2015 überfällig, als sie auf dem englischsprachigen Buchmarkt begann. Denn queere Jugendliche (und ältere Leser.innen) haben es schon immer verdient, sich genau wie cis, hetero Leser.innen im Jugendbuch repräsentiert zu sehen. Dass ihnen immer nur noch ca. 6% der Jugendbuchbühne zugestanden wird, ist nicht in Ordnung. Hoffen wir, dass diese Zahl Ende 2019 schon größer geworden ist. Ich bin dann wieder zur Stelle und schon sehr gespannt auf den Vergleich!


Eine Liste aller LGBTQ-YA-Bücher, die ich für diese Statistik gefunden und ausgewertet habe, findet ihr hier.


PS: Falls ihr noch weitere YA-Romane mit wichtigen queeren Figuren kennt, die 2018 auf Deutsch im Mainstream-Verlag erschienen sind, sagt mir gern in den Kommentaren Bescheid. Ich werde die Statistik nicht neu machen, weil sich die 6-7% sowieso nicht groß bewegen werden, aber ich würde die Bücher gern kennen und lesen und ggf. weiterempfehlen. 

Comments (26)

  • Sarah

    21. Januar 2019 at 04:32

    Hallo, Kat!

    Dass der deutsche Buchmarkt dem englischsprachigen in Sachen Diversität stark hinterher hinkt ist mir auch schon aufgefallen, dass es so extrem ist, hätte ich aber ehrlich gesagt nicht gedacht. Ich lese seit Jahren schon eher auf englisch als auf deutsch – mitunter auch aus genau diesem Grund – deswegen war mir gar nicht wirklich klar, wie viele der großen englischsprachigen Titel es in diesem Bereich gar nicht bis hierher geschafft haben. Das ist einfach nur traurig – und es wundert mich ehrlich gesagt auch ein bisschen, dass den großen deutschen Verlage offenbar nicht klar ist, dass es hier prozentual gesehen wohl ebenso viele queere Leser_innen gibt wie in den USA und eine Entwicklung in diese Richtung hier mit Sicherheit genauso gut ankommen würde.

    Ich wollte mich außerdem für die vielen Buchtipps bedanken – ich bin stets auf der Suche nach neuen Listen mit LGBTQ-Buchtipps und habe auf deiner ein paar neue Titel entdeckt, die direkt auf der Wunschliste landen! Vielen Dank für das Durchwühlen der Programm! 😀

    Liebe Grüße,
    Sarah

    1. Katriona

      21. Januar 2019 at 14:02

      Hallo Sarah! Ja, dass es so wenig ist, hat mich auch geschockt. Ich habe letztes Jahr verhältnismäßig viele LGBTQ-Romane auch auf Deutsch gelesen, allerdings sind die eben zwischen 2012-2018 erschienen, sodass es sehr viel mehr wirkte, als pro Jahr wirklich erscheint.

      Ich denke ja, dass dem deutschen Buchmarkt schon bewusst ist, dass es eben sehr wohl auch hier Nachfrage gibt, dass man sich aber eben noch viel eher am Alten festhält, weil das ja “immer” funktioniert hat. Anders kann ich mir auch nicht erklären, dass wir tatsächlich immer noch so viel Romantasy kriegen, obwohl der Trend in den USA längst passé ist. Aber hat sich ja immer verkauft, wieso was Neues probieren?

      Ich denke aber auch, dass es besser werden wird. Ich habe mir jetzt nur LGBTQ-Romane angeschaut, aber im Großen und Ganzen gibt es auch auf dem deutschen Markt mittlerweile mehr Romane mit zum Beispiel PoC-Figuren oder ganz generell Romane über soziale Themen und Problematiken (nicht genug, aber doch immer mehr). Ich hoffe einfach, dass sich das im Verlauf der nächsten 2-3 Jahre auch endlich auf queere Figuren ausweiten wird.

      Ich sehe also schon eine positive Entwicklung, aber ich muss sagen, dass sie viel zu langsam passiert und es auch langsam für den deutschsprachigen Markt ein bisschen peinlich wird, wie viele US-Bestseller nicht bei uns ankommen, die zufällig (“zufällig”) queere Hauptfiguren haben. Das muss man als Autor.innen, Blogger.innen etc. einfach mal aktiv im Auge behalten, denke ich.

      LG,
      Kat

  • Hannah von queerBUCH

    21. Januar 2019 at 18:10

    Liebe Kat,

    ein sehr interessanter Beitrag! Auch wenn ich monatliche die LGBTQ Neuerscheinungen recherchiere und ich eigentlich das Gefühl hatte, es wird langsam immer mehr, bin ich doch sehr überrascht, wie wenig das im Vergleich zu allen erschienenen Young Adult Romanen ausmacht.
    Es freut mich, dass ich dich bei deiner Recherche mit meinen Neuerscheinungsbeiträgen unterstützen konnte!
    Ich selbst bin 2019/2020 gegenüber auch optimistisch eingestellt – es zeichnen sich so langsam doch immer mehr Veröffentlichungen mit LGBTQ-Charakteren ab.
    Eine Ergänzung habe ich noch: Nina LaCours “Ich werde immer da sein, wo du auch bist” hat eine lesbische Nebenfigur, die eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Ich weiß gerade ihren Namen nicht, aber sie freundet sich mit der um ihre verstorbene beste Freundin trauernde Protagonistin an. Es gibt einen Wortwechsel zwischen der Protagonistin und ihrer Mutter, als es darum geht, dass ihre Zimmertür bei Jungsbesuch offen bleiben muss. Sie fragt ihre Mutter, ob die Tür denn auch offen sein muss, wenn *die lesbische Nebenfigur* zu Besuch ist, weil sie ja lesbisch sei. Daraufhin überlegt ihre Mutter kurz und fragt, ob *die Protagonistin* denn auch lesbisch sei, welche daraufhin wieder antwortet “Hmm, ich glaube nicht.” – “Dann kann die Tür wohl zubleiben.” Und das war’s. Diese nüchterne Unterhaltung über die Sexualität ihrer Tochter ist mir doch sehr stark in Erinnerung geblieben. Und als weitere Info: Vermutlich dürfen wir uns in 2019 auch über eine deiner eingeforderten Übersetzungen von Nina LaCour ins Deutsche freuen (Angabe ohne Gewähr).

    Ich freue mich immer über deine sehr ausführlichen und wichtigen Beiträge zur LGBTQ-Literatur bzw. deren Repräsentation.

    Liebe Grüße,
    Hannah

    1. Katriona

      22. Januar 2019 at 15:49

      Hi Hannah! Vielen Dank, dann ändere ich das im Text. Ich habe das Buch von Nina LaCour hier, habe es aber noch nicht gelesen und wusste nur, dass die Protagonistin nicht queer ist. Umso besser, wenn es doch queere Figuren in dem Buch gibt. 💚

      Auf Twitter hat Shiku damit angefangen schonmal alle LGBTQ-YA-Bücher, die 2019 kommen werden in einem Thread zu sammeln und ich glaube, es sind so ungefähr 10, die da schon zusammengekommen sind. Ich hoffe, es werden noch viel mehr.

      Alles Liebe,
      Kat

  • Fremde Funken 01/2018 | Gedankenfunken

    30. Januar 2019 at 10:03

    […] ziemlich unschöne Fakten präsentiert Katriona in ihrer Auswertung zu queeren Figuren in der deutschsprachigen Young Adult 2018. Während sich in den USA da mittlerweile wirklich eine Menge getan hat, reagiert der deutsche […]

  • Kittyzer

    30. Januar 2019 at 16:06

    Ein sehr interessanter Beitrag – da bin ich ja froh, dass ich über Gedankenfunken darauf aufmerksam geworden bin.

    Ich gebe zu, ich suche nicht aktiv nach LGBTQ-Lektüre – mir geht es grundsätzlich mehr um die Geschichte und die Qualität derer. Wenn eine solche allerdings queere Charaktere beinhaltet, vielleicht sogar ganz prominent, ist das für mich definitiv ein Pluspunkt – sofern es gut umgesetzt ist und nicht nur wirkt, als hätte man auf einen Zug aufspringen wollen (die es in manchen dieser 08/15-Romane durchaus wirkt). Dass die Bandbreite dieser Romane in den USA/dem allgemein englischsprachigen Raum aber viel weiter ist, ist mir auch bereits aufgefallen. Wie lange es allein gedauert hat, bis auch “Leah on the Offbeat” übersetzt wurde, trotz des Erfolgs von Simon vs the Homosapiens Agenda!

    Bei den Klappentexten habe ich das Gefühl, dass sich tatsächlich davor gefürchtet wird, gleichgeschlechtliche oder “andere” Neigungen aktiv zu bewerben, eben um potenzielle Leserschaft nicht zu vergraulen. Das ist schade, weil den Lesern nicht zugetraut wird, sich mal an etwas neues heranzuwagen ODER es sogar wirklich lesen zu wollen. Ich denke auch, dass die Verlage hier deutlich mehr tun können. Insbesondere Lübbe sehe ich kritisch, da wird wirklich quasi jeder Müll übersetzt, aber das übernommene Imprint LYX ist von auch gleichgeschlechtlichen Thrillern/Fantasyromanen quasi komplett auf die Hetero-Erotik-Schiene umgeschwenkt. Sehr schade.

    Ich danke dir jedenfalls für diesen sehr informationen Post. Wahrscheinlich habe ich in Zukunft auch ein genaueres Auge darauf, in welchen Romanen die queere Repräsentation ernst genommen wird.

    1. Katriona

      4. Februar 2019 at 18:09

      Hi! Ehrlich gesagt habe ich fast damit gerechnet, dass wir die “Leah” nie bekommen werden, denn Becky Albertallis erster Roman “The Upside of Unrequited” wurde bisher auch nicht übersetzt. Da war ich positiv überrascht. 😀

      Das mit Lübbe finde ich interessant, das ist mir gar nicht aufgefallen. Werde ich aber mal drauf achten.

      lG,

      Kat

  • Fremde Funken 01/2019 | Gedankenfunken

    31. Januar 2019 at 13:31

    […] ziemlich unschöne Fakten präsentiert Katriona in ihrer Auswertung zu queeren Figuren in der deutschsprachigen Young Adult 2018. Während sich in den USA da mittlerweile wirklich eine Menge getan hat, reagiert der deutsche […]

  • Katharina

    1. Februar 2019 at 11:48

    Liebe Kat,
    Zum einen: Wow, ich will nicht wissen wie viel Arbeit in diesen Beitrag geflossen ist, Respekt dafür.
    Zum anderen: Irgendwie war ich total überrascht, dass die Prozentzahl für Jugendromane mit wichtigen LGBTQ Charakteren derart gering ausgefallen ist. Vielleicht kommt mir das aber auch nur so vor, weil ich recht viele englische Bücher lese und deutsche Jugendbücher nicht so auf dem Schirm habe, aber trotzdem. Irgendwie erschreckend. Und ebenfalls überraschend war für mich, dass es mehr queere Haupt- als Nebencharaktere gibt, noch etwas, das ich andersherum eingeschätzt hätte, oft habe ich nämlich das Gefühl es werden diverse Charktere als Nebencharaktere eingebunden, damit man quasi eine gewisse Quote erfüllt und sich nichts vorwerfen lassen kann. Was gemein klingt, aber es gibt Bücher da kommt es mir so vor, als würde der Autor einfach eine Liste abhaken.
    Ich fand diesen Beitrag auf jeden Fall super interessant, über ein paar Dinge habe ich mir irgendwie auch nie Gedanken gemacht, zum Beispiel, dass in Klappentexten/Covern eher versteckt wird, dass es queere Charaktere in dem Buch gibt.

    Liebe Grüße,
    Katharina

    1. Katriona

      4. Februar 2019 at 17:16

      Hi Katharina! Erst einmal vielen Dank! Ja, überrascht war ich auch. Ich lese auch meistens auf Englisch und habe über das Jahr hinweg gar nicht gemerkt, wie wenig deutschsprachiges dabei war.

      Was die Nebenfiguren angeht: Darüber habe ich nochmal nachgedacht und ich denke, es liegt daran, dass viele der Bücher zwar keine Problembücher sind, die queere Romanze aber trotzdem auch im Vordergrund steht. Da scheint so eine “Ganz oder gar nicht”-Mentalität zu herrschen, dass das Buch entweder *über* die Queerness handelt, oder man eben gleich wieder cis, hetero Protagonist.innen bevorzugt. Gilt nicht für die Fantasytitel, diese sind aber auch wie gesagt Teile von Reihen, die ohne queere Figuren begonnen haben.

      Das finde ich sehr schade, denn gut geschriebene queere Nebenfiguren sind so wichtig, um Queerness auch für cis, hetero Leser.innen zu normalisieren. Dass gerade die fehlen fällt sehr negativ auf, finde ich.

      lG,

      Kat

  • Nicole

    1. Februar 2019 at 19:56

    Wow. Klasse Beitrag. Hut ab, dass du dir da so viel Mühe gemacht hast, das hat sicherlich unglaublich viel Zeit in Anspruch genommen. Ich persönlich hänge ja bei den Young Adult Werken etwas hinterher, weil ich gerade Young Adult Fantasy erst vor einiger Zeit wieder für mich entdeckt und somit viele der aktuell geyhpten oder populären Werke noch gar nicht gelesen habe. Aber finde es auch unglaublich schade, dass die Diversität immer noch fehlt. Wir sind im Jahr 2019 und da sollte das nichts mehr außergewöhnliches sein, sondern alles Normalität. Schade, dass wir da immer noch so hinterhinken. Gerade wenn ich dann andere Genres in den Blick nehme wie Thriller und Krimis für Erwachsene, kommt man auch zu erschreckenden Eregebnissen, denn da fällt mir auf Anhieb gar kein Buch ein, wo eine queere Figur mitspielt bzw. überhaupt mal der Hauptermittler/in ist. Auch hier würde ich mir endlich mehr Diversität finden, denn das könnte man hier so leicht umsetzen.

    Ich hoffe mit dir mit, dass sich da in den kommenden Jahren noch mehr tut. Mich stört das als Leserin übrigens nicht und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das für die breite Masse gilt. Ich denke, da sind wir bei der Zielgruppe mittlerweile doch etwas weiter.

    Lg Nicole
    #litnetzwerk

    1. Katriona

      4. Februar 2019 at 17:20

      Hi Nicole! Danke. <3 Ja, was Bücher für Erwachsene angeht, ist es leider noch mauer. Das ist auch der Grund, warum ich mir erstmal YA angeschaut habe. Es wird sicherlich 2018 auch andere Bücher mit queeren Figuren gegeben haben, aber mir fällt jetzt auch kein einziges ein, schon gar nicht in meinem Genre: Historische Fiktion. Da ist eine queere Figur fast schon wie ein Sechser im Lotto und eine queere Hauptperson noch seltener.

      Ja, ich denke auch, dass die Zielgruppe weiter ist, als Verlage denken. Das hat mir ja auch meine Umfrage dazu nochmal deutlich gezeigt. Es fragen vielleicht wenige Leser.innen, die nicht selber queer sind, aktiv nach, aber die meisten lehnen es halt auch nicht aktiv ab, worüber ich mich auch sehr freue.

      lG,

      Kat

  • Josia Jourdan

    1. Februar 2019 at 21:26

    Liebe Kat,

    Finde es toll, dass du diese Auswertung gemacht hast. Denn ja es ist schon erschreckend, dass es so wenig Romane gibt, die Quere Charaktere beinhalten.
    Was ich aber ehrlich sagen muss ist, dass ich es viel besser finde, wenn das nicht besonders beworben wird oder speziell zu vermarkten. Zumindest nicht anders als andere Romane. Denn sollen diese Bücher nicht einfach ganz “normal” an die Leser*innen kommen? Und es nervt mich wenn Romane “nur” aus diesem Grund gefeiert werden. Denn dann springen die Verlage & Autoren auf den Zug auf und machen aus etwas was normal sein sollte, etwas spezielles und verkaufen es als Hype… Aber das ist meine Meinung. Ich hoffe du verstehst es nicht falsch.

    Liebe Grüsse,

    Josia

    #Litnetzwerk

    P.S. Auch wenn nicht 2018, sondern 2017. “Hundert Lügen” beinhaltet eine lesbische Protagonistin ohne das besonders zu betonen. Es ist einfach so. So sollte es meiner Meinung nach immer sein.

    1. Katriona

      4. Februar 2019 at 17:24

      Hi Josia! Danke! Ja, ich finde es auch gut und wichtig, dass es eben nicht speziell beworben und so nur wieder als etwas “anderes” gezeigt wird. Was ich aber eben schade finde ist, dass Verlage das Gegenteil machen: Wo bei hetero Romanzen immer glasklar im Klappentext steht, dass sich Julia in Fred verliebt, wird bei queeren Romanzen doch ziemlich darum herum geeiert und es oft gar nicht erwähnt. Das finde ich doof, weil es so natürlich schwer ist, die queeren Romane überhaupt zu finden, wenn man sie lesen möchte.

      Das ist auch der Grund, warum ich hier auf dem Blog überhaupt die “LGBTQ”-Kategorie habe. Nicht als Genre, was es natürlich nicht ist, sondern, damit Leser.innen, die Bücher mit queeren Figuren suchen, schnell welche finden können.

      Das mit dem Hype sehe ich auch extrem problematisch, weil es dann als Trend gesehen wird und wieder verschwinden könnte, wenn es nicht mehr “in” ist, anstatt normalisiert zu werden. Da bin ich voll bei dir.

      lG,

      Kat

  • Chrissi

    1. Februar 2019 at 21:43

    Guten Abend,

    vielen liebe Dank für diesen enorm wichtigen Beitrag. Ich habe mir einige Titel notiert, die ich nicht kannte und halte in den Vorschauen auch immer nach solchen Büchern ausschau. Ich befürchte leider, dass es noch ein oder zwei Jahre länger dauern wird, bis die deutschen Verlage gemerkt haben, dass auch wir uns dafür interessieren, denn es geht doch wirklich sehr schleppend voran.
    Danke für die große Mühe, die du dir gemacht hast.

    Viele liebe Grüße
    Chrissi

    1. Katriona

      4. Februar 2019 at 17:26

      Hi Chrissi! Danke erstmal. <3 Ja, selbst für mich waren einige von diesen Büchern komplett unbekannt, obwohl ich aktiv danach suche. Ich hoffe, dass wir bald so weit sind, dass man auch mal ein Buch aufschlagen kann und queere Figuren darin vorfindet, ohne, dass man vorher wusste, dass es welche geben wird. Das ist mir letztens passiert und es fühlt es sich echt toll an, einfach mal nebenbei repräsentiert zu werden, anstatt danach suchen zu müssen.

      lG,

      Kat

  • Silvia

    2. Februar 2019 at 08:07

    Hallo Kat,
    Da hast du aber sehr fleißig ausgewertet!
    Ich werde den Beitrag mal zum Anlass nehmen über das Thema mit meinen Töchtern zu diskutieren. Sie sind 17 und 16, würden also gut in die Zielgruppe der Bücher passen.
    Viele Grüße
    Silvia
    #litnetzwerk

    1. Katriona

      4. Februar 2019 at 17:27

      Hi Silvia! Das finde ich echt toll von dir. Ich hoffe, dass ein paar der Bücher vielleicht was für deine Töchter sind!

      Alles Liebe,

      Kat

  • Tiefseezeilen

    2. Februar 2019 at 19:40

    Hey Katriona,

    ich bin sehr beeindruckt von deinem Artikel und wie viel Arbeit, Mühe und Leidenschaft du darin reingesteckt hast. Mir ist letztens erst aufgefallen, dass die Thematik Queere bei unseren Büchern rar ist und wenn ich zu der englischen Abteilung gehe sieht es so anders aus. Das fällt richtig stark auf. Es ist schon so, als müssten wir überhaupt froh sein ein paar Titel zu haben.

    Hoffentlich ändert es sich in den nächsten Jahren und nicht, dass wir nur offener werden, sondern dass es auch mehr in die Normalität abschweift. Bei vielen Serien ist das schon der Fall.

    Viele liebe Grüße
    Ani
    #litnetzwerk

    1. Katriona

      4. Februar 2019 at 17:28

      Hi Ani! Das hoffe ich auch. Ich wünsche mir einfach, dass es für alle Leser.innen ganz normal wird, auch mal über queere Figuren zu lesen. Leider ist es noch nicht so weit, weshalb ich hoffe, dass wir etwas Bewusstsein dafür stiften können, damit der Prozess ein bisschen schneller geht.

      Liebe Grüße,

      Kat

  • Nadine

    2. Februar 2019 at 20:08

    Danke für diese interessante Auswertung, dass muss wirklich viel Arbeit gewesen sein! Es ist schade, wie wenig queere Figuren es auf dem deutschen Buchmarkt gibt, man muss sehr danach Suchen, damit man welche findet. Ich kann mich kaum an Büchern mit queeren Figuren erinnern, besonders im Bereich Fantasy/ Krimis nicht. Ich hoffe da ändert sich bald etwas.
    Liebe Grüße, Nadine
    #litnetzwerk

    1. Katriona

      4. Februar 2019 at 17:30

      Hallo Nadine! Ja, besonders außerhalb des Contemporary/Romance-Genres sieht es noch sehr mau aus, leider auch im englischsprachigen Bereich, obwohl es da trotzdem mehr gibt. Ich hoffe auch, dass sich da bald was tut.

      lG,

      Kat

  • Marion

    3. Februar 2019 at 15:16

    Liebe Kat,

    ein sehr spannender und vor allem informativer Beitrag! Mir ist auch schon aufgefallen, dass es einfach super wenige Bücher mit Homosexuellen Figuren im deutschsprachigen Raum gibt, die mehr als nur der Sidekick oder so etwas sind. Ich werde mir deine Liste mal genauer ansehen.

    Da ich selbst viel englisch lese, hatte ich schon lange einen guten Draht zu den dort erschienen Büchern, trotzdem entdecke ich imemr wieder neue, die mir völlig durch die Finger gerutscht sind. Das ist natürlich etwas sehr schönes, aber die Repräsentation könnte natürlich noch besser sein.
    Danke für diesen aufschlussreichen Beitrag.

    Liebe Grüße,
    Marion
    #litnetzwerk

    1. Katriona

      4. Februar 2019 at 17:31

      Hi Marion! Ich lese auch größtenteils auf Englisch, weshalb mir auch gar nicht bewusst war, wie wenige von diesen Büchern wirklich zu uns übersetzt werden. Aber ja, obwohl es auf Englisch echt besser aussieht, ist auch da noch eine Menge zu tun. Ich habe nur das Gefühl, dass der Prozess auf dem englischsprachigen Markt sehr viel schneller geht, als bei uns.

      lG,

      Kat

  • Aileen

    3. Februar 2019 at 21:48

    Liebe Kat,

    wow, was für ein Post! Das ist ja Stoff für eine Doktorarbeit (okay, da müsste das Sample wahrscheinlich größer sein, aber Spaß beiseite).

    Ich lese ziemlich viele LGBTQ-Bücher aus dem amerikanischen Raum und finde es gerade echt schockierend, wie wenige es davon nach Deutschland schaffen. Auf dem deutschen Buchmarkt kenne ich mich daher auch nicht so gut aus, aber deine Statistik hilft mir auf jeden Fall schon mal sehr. Ich liebe Statistiken (auch, wenn die hier mich ein bisschen traurig macht)!

    Ich hoffe auch sehr, dass es da in Zukunft besser wird und bin gespannt, was es dazu von dir noch zu lesen gibt. Vielen Dank auf jeden Fall für diesen tollen Post!

    Alles Liebe
    Aileen

    1. Katriona

      4. Februar 2019 at 17:32

      Hi Aileen! Ja, ich habe langsam das Gefühl, ich musste für den Post mindestens so viel recherchieren, wie für ein Paper für’s Studium 😀 Ansonsten kann ich dir nur zustimmen. Ich lese auch viele amerikanische und britische Bücher und da läuft es einfach viel besser, als hier.

      lG,

      Kat

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