“I Was Born for This” von Alice Oseman | Englisch

12. Februar 2019Katriona

For Angel Rahimi life is about one thing: The Ark – a pop-rock trio of teenage boys who are taking the world by storm. Being part of The Ark’s fandom has given her everything she loves – her friend Juliet, her dreams, her place in the world. Jimmy Kaga-Ricci owes everything to The Ark. He’s their frontman – and playing in a band with his mates is all he ever dreamed of doing. But dreams don’t always turn out the way you think and when Jimmy and Angel are unexpectedly thrust together, they find out how strange and surprising facing up to reality can be.


MEINE GEDANKEN

Ich muss ehrlich sagen, hätte ich nicht vorher gewusst, dass Alice Oseman genial ist, ich hätte dieses Buch vielleicht nicht zweimal angeschaut, denn ich finde diese bunten Cover, die jetzt alle ihre Bücher haben, irgendwie ganz schrecklich. Zum Inhalt passen sie jedenfalls nicht… finde zumindest ich.

Ein neues Alice-Oseman-Buch bedeutet drei Dinge: Gute Repräsentation von LGBTQ und PoC Figuren. Geschichten, die extrem nah dran sind an der Lebensrealität junger Menschen im 21. Jahrhundert. Und eine gewisse… Tragikkomik? Denn ihre Bücher machen Spaß, aber sie haben immer einen ernsten Kern, der einen auch mal schlucken lässt. Und ich liebe für gewöhnlich jede Seite. So auch hier. Ich bin selbst etwas älter als die Figuren und die Zielgruppe, aber die im Roman angesprochenen Themen haben mich trotzdem abgeholt, #relatable.

FEEL GOOD GEHT AUCH INKLUSIV
(CW: Anxiety, Depression)

“I Was Born for This” handelt von so vielen Dingen gleichzeitig. Erwachsenwerden, klar, aber vor allem auch Fandom und seine Schattenseiten, mental health und die ungesunde Idolisierung von Popstars. Ich mag Musikbücher, das wisst ihr ja vielleicht schon, aber Alice Oseman gibt der Kategorie “Fandombuch” einen ganz neuen Anstrich, denn sie ist nicht nur sehr kritisch, anstatt Fandom nur zu feiern, sie geht sehr viel ernster an das Thema heran, als die meisten Jugendbücher.

“I Was Born for This” ist auch eine Liebeserklärung an die Fandomkultur der 2010er. Angel, eine der beiden Ich-Erzähler.innen, ist ein Fangirl, wie es im Buche steht: Sie lebt für The Ark, sie shippt zwei der Jungs miteinander und sie ist eine große Nummer im Fandom. Angel liebt das Internet und ihr Fandom, weil es sie mit Leuten zusammengebracht hat, die dieselben Dinge lieben, wie sie.

Angel ist aber außerdem auch in ganz anderer Weise #relatable, denn im Gegensatz zu ihren Idolen, den drei Jungs von The Ark, findet sie sich durchschnittlich und langweilig und, mein Gott, habe ich mein jüngeres Selbst darin wiedererkannt. Angel hat Angst, zu normal zu sein, durchschnittlich eben, und flüchtet sich in das glamouröse Leben von The Ark, um damit fertig zu werden.

Der zweite Ich-Erzähler ist Jimmy, der Frontmann von The Ark und über ihn wird die andere Seite geschildert, denn Jimmys Leben ist längst nicht so glamourös, wie Angel denkt und eigentlich will er nur in Ruhe gelassen werden, hat teilweise Angst vor der riesigen Aufmerksamkeit, die er durch die Fans erhält.

Was mir an “I Was Born for This” am Besten gefallen hat, ist wie divers der Roman ist: Angel ist Muslima und scheint aro/ace zu sein. Leider benennt sie es nicht genau, doch sie sagt mehrmals, dass sie sich eine romantische Beziehung nicht vorstellen kann. Jimmy ist ein trans Junge und hat zudem starke Anxiety und Panikattacken, die immer schlimmer werden, je mehr Aufmerksamkeit seine Band bekommt.

Alice Oseman schreibt diese Repräsentation in meinen Augen (als nicht immer selbst Betroffene) sehr gut. Angel ist gläubige Muslima und Oseman lässt sie das einfach sein, ohne sie über Diskriminierung zu definieren. Genauso ist es mit Jimmy. Es wird nicht ignoriert, was es für ihn bedeutet trans zu sein, doch das passiert nicht über Transfeindlichkeit. Genau so wünsche ich mir inklusive Bücher von nicht selbst Betroffenen: Gut recherchiert und ohne meist auch noch romantisierte Diskriminierung. Es geht!

Generell ist Alice Oseman sehr nah dran an richtiger Jugendkultur. Vielleicht, weil sie selbst erst vierundzwanzig ist, vielleicht, weil sie einfach versteht, wie Jugendliche ticken. Ich weiß nicht, wie gut der Roman altern wird, denn Popkultur, Fandom und Internettrends verändern sich schnell. Angels Art zu sprechen zum Beispiel ist sehr 2018 (und sehr charmant), Tumblr, Twitter und die dort ansässigen Fandoms stehen im Mittelpunkt.

Aber als ein “So war 2018” funktioniert der Roman extrem gut und ich bin froh, dass es ihn gibt und hoffe, dass sich besonders queere und PoC Jugendliche in Angel und Jimmy wiederfinden können, besonders, da “I Was Born for This” trotz sehr ernster Momente eben doch ein Feel-Good-Roman ist, in dem marginalisierte Jugendliche Held.innen sind, Rockstars, und eben einfach ganz normale Teenager.

FANDOM, MUSIK & KLEINE PROBLEME
(CW: Alkoholismus, Suizid)

Ehrlich gesagt fühlt sich Alice Osemans Auseinandersetzung mit Fandomkultur auch ein bisschen an wie ein Call Out, aber auf gute Weise. Denn sie kreidet die Idolisierung von jungen Popstars an und besonders das sich selbst verlieren im Leben anderer Menschen, die man eigentlich gar nicht kennt. Sie verteufelt Fandom nicht, aber sie stellt es so dar, wie es eben ist: Gute Seiten, schlechte Seiten, alles dazwischen.

Ich mochte, dass ich durch Angel verstehen konnte, warum sie so obsessiv Jimmy und Rowan von The Ark shippt und ich mochte sehr, dass öfter betont wurde, dass es für viele Fangirls um sehr viel mehr geht als das gute Aussehen ihrer Idole. Ich fand aber auch sehr verständlich geschildert, dass das extreme Shipping Jimmy und Rowan belastet und ihre Freundschaft auf die Probe stellt. (Und ja, die Parallelen zu einem gewissen Youtuber-Duo sind mir aufgefallen und ich fand sie mehr als gut eingesetzt.)

Ach, ich mochte so viel. Ich mochte eigentlich alles. Ich mochte den realistischen Blick auf die Musikwelt von 2018 und auf Fankultur, ich mochte die Darstellung von Jimmys Anxiety, die ich so authentisch fand, dass es manchmal schwer zu lesen war, ich mochte auch, dass es keine Liebesgeschichte gibt und der Fokus dafür auf Freundschaften liegt: Die von Jimmy, Rowan und Lister von The Ark, aber auch die von Angel und ihrer besten Freundin Juliet, die ebenfalls beinahe an den Geschehnissen in diesem Roman zerbricht.

“I Was Born for This” lebt von seinen lebendigen, vielschichtigen Figuren, über die ich gern nochmal 400 Seiten gelesen hätte, und von Alice Osemans cleverem, differenziertem Blick auf Fandom- und Internetkultur heutzutage. Es ist einerseits ein typischer Fangirl-Feelgood-Roman, andererseits greift der Roman aber auch deutlich tiefer.

Wenn ich etwas kritisieren müsste, wäre es wohl das Ende, das sehr schnell abgehandelt wird und auch einige Antworten offen lässt, die ich gern gehabt hätte. Besonders Listers Alkoholismus und seine suizidalen Gedanken hätte ich gern etwas genauer beleuchtet gesehen. Generell steht Lister irgendwie viel zu sehr am Rand. Er ist bisexuell und hat auch innerhalb seines Fandoms mit Bifeindlichkeit zu kämpfen, er trinkt, um den Druck leichter zu machen und er spricht öfter davon, dass er nicht existieren möchte.

Ich fand Lister eine der spannendsten Figuren im ganzen Roman, doch leider werden seine Probleme eher im Hintergrund abgehandelt und am Ende nur angedeutet, wie es mit ihm weitergehen könnte. Das passte dazu, dass auch im The-Ark-Fandom der Fokus immer auf Jimmy und Rowan liegt, doch ich hätte mir da trotzdem mehr gewünscht.

YOUNG ADULT, TOP AKTUELL

Alles in allem ist “I Was Born for This” aber ein genialer Roman, der Fandom weder glorifiziert noch verteufelt, sondern so zeigt, wie es ist, mit guten und schlechten Seiten. Die diversen, sehr lebensnahen Figuren und Alice Osemans gutes Verständnis für Jugendkultur 2018 machen diesen Roman zu etwas Besonderem. Es gelingt der Autorin, einen typischen Musik-Feel-Good-Roman vorzulegen, der trotzdem etwas tiefer in die Materie eindringt und einen auch oft schlucken lässt, wenn ernste Themen auf den Tisch kommen.

Obwohl ich das Ende ein bisschen zu flott abgehandelt fand, ist “I Was Born for This” ganz eindeutig ein neuer Lieblingsroman, den ich besonders für seine vielen PoC und LGBTQ Figuren empfehlen möchte, aber auch für seinen interessanten Blick auf Fandom und die gute Darstellung von mental-health-Problemen und besonders Angels Coming-Of-Age-Prozess, den ich sehr authentisch fand.

Am Ende bleibt nur zu hoffen, dass dieser Roman eine deutsche Ausgabe bekommen wird, denn ich finde ihn auf so vielen Ebenen wichtig. Nicht nur, weil er Jugendliche genau da abholt, wo sie stehen, sondern vor allem, weil er Jugendliche Held.innen sein lässt, die es noch sehr selten sind – eine aro/ace Muslima und einen trans Jungen mit indischen Wurzeln – ohne ihre Existenz zu problematisieren, sondern sie einfach sie selbst sein zu lassen. Wir brauchen mehr Bücher wie “I Was Born for This” – natürlich vor allem auch von OwnVoices-Autor.innen, aber auch ganz generell und ganz besonders auf dem deutschen Buchmarkt.


Für Fans von: Musik- und Rockstargeschichten, Coming-of-Age-Romanen, gut gemachter Diversity und Feel-Good-Geschichten mit ernstem Kern


BIBLIOGRAPHIE

I Was Born for This | HarperCollins, 2018 | 9780008244101 | 400 Seiten | Englisch

Comments (2)

  • Shiku

    16. Februar 2019 at 09:02

    Ich hatte das Buch so halb auf dem Schirm (sprich: und Regal), weil ich den Webcomic der Autorin sehr mag – als dann das Redesign kam, hab ich mir prompt auch mal alle Bücher geholt.
    Aber mit dem Inhalt hatte ich mich nicht wirklich beschäftigt – das klingt echt richtig, richtig gut. Ein*e Freund*in schwärmt mir eh schon immer wegen der ersten beiden Bücher vor, da muss ich wohl mal ran.

    1. Katriona

      16. Februar 2019 at 13:21

      Lies es! 😀 Ich mag einfach so gern, dass es einerseits so ein typisches Musikbuch ist, aber dann doch viel tiefer greift als das und es ist wirklich sehr #relatable.

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