Body Positive Fiction: Repräsentation & Body Image

19. Februar 2019Katriona

Als ich das Cover für Becky Albertallis „Leah on the Off-Beat”, das dieses Jahr als „Ein Happy End ist erst der Anfang“ auch bei uns erscheinen wird, gesehen habe, kam das für mich einer kleinen Revolution gleich. Leah Burke darf auf dem Cover dick sein. Sie darf dick sein und muss sich nicht hinter abstrakter Cover Art verstecken, wie es Albertallis letzte dicke Heldin, Molly aus „The Upside of Unrequited“ noch musste. Sie darf sichtbar sein. Dass Leah auch zwischen den Buchdeckeln des Romans einfach dick sein darf, mit allem was dazugehört, und trotzdem eine Heldin, auch das hat mich so glücklich gemacht, dass ich am liebsten geweint hätte.

Denn als ich sechzehn war gab es so etwas nicht. Es gab einfach keine positiv besetzten, dicken Held.innen in Jugendromanen. Dick sein, das war immer etwas negatives.

Dicke Figuren waren entweder die Mauerblümchen ohne Selbstbewusstsein, die niemand mochte, oder, noch schlimmer, sie waren Loser, die nichts auf die Reihe bekamen, oder sogar Bösewichte, deren Dicksein den dünnen Held.innen immer neue Munition lieferte, um sie zu demütigen. Und das wurde auch noch gefeiert. Gab es dicke Held.innen, dann wurden sie erst wirklich zu Held.innen, sobald sie abgenommen hatten, vorher waren sie unglückliche Loser. Das hat mein Selbstbild kaputt gemacht und das vieler anderer dicker Jugendliche ebenso.

FATSHAMING IST NICHT NUR BODY SHAMING
[CW: Body Shaming, Fatmisia, Essstörungen]

Und wir müssen langsam mal darüber reden. Fatshaming, und nichts anderes ist es, wenn dicke Figuren in Romanen immer in bestimmte, durch und durch negativ behaftete Schubladen gedrängt werden, ist in unserer Gesellschaft so sehr normalisiert, dass es vielen dünnen Menschen überhaupt nicht auffällt, während dicke Leser.innen es aufsaugen wie ein Schwamm, weil es von allen Seiten kommt, und internalisieren: Das bedeutet, sie fangen selbst an, es zu glauben, sehen sich selbst als weniger wertvoll an, in den schlimmsten Fällen sogar als weniger Mensch. Und unsere Gesellschaft, in der nur „dünn“ und „sportlich“ als Norm und Ideal gelten, stimmt zu.

Deshalb wurde das Body Positivity Movement ins Leben gerufen: Eine Bewegung von dicken Menschen für dicke Menschen, die darum kämpft, negative Vorurteile abzubauen. Dazu gehört auch, dass dicke Menschen oft von vorn herein als ungesund, unsportlich und oft sogar eklig abgestempelt werden.

Doch nicht nur das. Dieses systematische Fatshaming hat auch starke gesundheitliche Folgen: Dicke Menschen werden von Ärzten seltener ernst genommen, Krankheiten werden nicht erkannt, die Leute werden mit „Nehmen Sie doch einfach ab“ nach Hause geschickt. Generell werden dicke Menschen auch im Beruf weniger ernstgenommen, sie werden patronisiert und für naiv und unfähig gehalten, egal wie gute Leistungen sie erbringen.

Als dicker Mensch modische Kleidung zu kaufen ist ein Albtraum, denn die meisten Geschäfte (H&M, C&A Clockhouse und New Yorker zum Beispiel) führen modische Kleidung nur bis Größe 46, manchmal sogar nur 44. (Und bei bestimmten Pappenheimern ist die 44 dann auch noch geschnitten wie woanders eine 40.)

Für schöne Kleidung in größeren Größen muss man als dicke Person viel blechen – gleichzeitig wird von dicken Menschen, besonders von Frauen, jedoch erwartet, dass sie zu jeder Zeit modisch, stylisch und perfekt aussehen, damit sie nicht als „eklige Dicke“ abgestempelt werden. Eine dünne Frau in Jogginghosen gilt als lässig, vielleicht sogar als sportlich. Eine dicke Frau in Jogginghosen gilt als faul und vielleicht sogar als unhygienisch, weil sie einmal nicht in Skinny Jeans, Blumenmusterbluse und Make-Up auf der Straße ist.

Natürlich ist jede Form von Body Shaming schlimm. Niemand hat es verdient für seinen Körper kritisiert oder sogar gehasst zu werden. Aber während das sogenannte „Skinny Shaming“ oft eine einmalige Sache ist, ist Fatshaming systematische Diskriminierung, die tiefer greift.

Denn wer dünn ist und sich in seinem Körper nicht wohl fühlt, muss nur den Fernseher einschalten, um in jedem Film, jeder Sitcom und in jeder Talk Show großteils dünne, sportliche Menschen zu sehen. In beinahe jedem Roman ist die Hauptfigur dünn und, wenn es nicht erwähnt wird, stellt man sie sich dünn vor, denn das ist die „Norm“ die uns beigebracht wurde. Das ist Repräsentation. Dicke Menschen erfahren sie nicht, sie sehen sich und ihre Körperformen nirgendwo positiv repräsentiert.

ZWISCHEN “SKINNY SHAMING” UND THIN PRIVILEGE

Das gilt selbst für Menschen wie mich. Ich trage bei einer Größe von 1,66m mittlerweile wieder Größe 44 (nachdem ich eine Zeit lang Größe 48 hatte, früher trug ich 38) und habe die typische Stundenglasfigur, mit der man als dicke Frau noch als halbwegs attraktiv wahrgenommen wird (oder als Fetisch, was kein Kompliment ist).

Trotzdem sehe ich meinen Körpertyp kaum repräsentiert und wurde auch schon von Ärzten auf mein „starkes Übergewicht“ angesprochen (damals mit Größe 46). Frauen im Fernsehen, die meinen Körpertyp haben, gibt es wenige und ich leide unter den Vorurteilen und meinem von ihnen beeinflussten schlechten Körperbild. Ich werde anders wahrgenommen, wenn ich dünner bin, das ist mir aufgefallen: Herzlicher. Ich werde ernster genommen, als wäre meine Gesellschaft wertvoller, wenn ich schlanker bin.

Menschen, die dicker sind oder Körperformen haben, die weniger akzeptiert sind, geht es da noch schlimmer. Und spricht man all das an, bekommt man oft zu hören „Quatsch, es gibt keine Fatmisia. Dick sein ist halt ungesund!“ Und das ist, zumindest für mich, die schlimmste Form von Aggression gegen dicke Menschen überhaupt.

„Das ist ungesund!“ als Rechtfertigung für den Hass und die Entmenschlichung, die wir erfahren. „Das ist ungesund!“ als Rechtfertigung dafür uns in Medien bloßzustellen oder einfach unsichtbar zu machen, uns den Respekt, den dünne Menschen allein für ihr Dünnsein erhalten, abzusprechen. Das ist Fatmisia und es ist Thin Privilege. Denn selbst, wenn dicke Menschen zwingend ungesund und unsportlich wären, was sich absolut nicht verallgemeinern lässt, wieso negiert das ihr Recht auf Respekt und Würde, die jeder Mensch verdient hat? Wieso dürfen sie sich deshalb nicht repräsentiert sehen?

Ja, Body Shaming gehört auf den Müll. Immer. Ich weiß, dass es auch dünne Menschen mit Body Issues gibt, ich weiß, dass es Menschen gibt, die dünnen Menschen sagen, sie wären zu dünn und das ist nicht okay. Aber Thin Privilege haben sie trotzdem, denn dünne Körper werden als Norm angesehen und oft als einzige attraktive und wünschenswerte Körperform. Dünne Körper werden überall repräsentiert und unsere Gesellschaft ist auf sie ausgelegt:

Mode wird für dünne Körper designed und sieht deshalb an dickeren Menschen oft weniger gut aus, wenn es sie überhaupt in größeren Größen gibt. Selbst unsportliche dünne Menschen werden als gesünder und sportlicher angesehen, als sportliche dicke Menschen. Wir sind darauf konditioniert dünn als gesund, sportlich und lebenswert anzusehen, dick hingegen als hässlich und, ja, nicht lebenswert, nicht würdig dieselben Erlebnisse zu machen, wie dünne Menschen, was Dating angeht, aber auch einfach das Recht darauf Spaß zu haben, sich schön zu fühlen, tanzen zu gehen, essen zu gehen, ohne immer als Störfaktor gesehen zu werden.

Denkt mal drüber nach, warum Fatshaming in Musik, Romanen und Büchern selten auf den Tisch kommt sondern einfach normalisiert und akzeptiert wird, während eine Meghan Trainor nur einmal “skinny bitches” singen muss und jedes News Outlet lange Think Pieces darüber abliefert. Warum eine Melissa McCarthy oder Rebel Wilson immer nur die Rolle der lustigen, etwas peinlichen dicken Frau abbekommt, nie die Rolle des attraktiven Love Interests, der fähigen Geschäftsfrau, einer Person mit richtigen Problemen und einem authentischen Leben.

Dicke Frauen sind immer nur Karikaturen und selbst, wenn sie es nicht sind, werden sie so gesehen, siehe die Reaktion auf Melissa McCarthys “Spy”, eine Spionagekomödie, in der eine dicke Frau als fähige Agentin dargestellt wird, die jedoch überall als “Persiflage” auf das Genre, die sie nie sein sollte, rezipiert wurde. Wäre das passiert, wäre die Hauptrolle schlank gewesen? Ich glaube nicht.

Und deshalb ist Skinny Shaming nicht „genauso schlimm“ wie Fatshaming. Beides ist Body Shaming und Body Shaming ist nicht akzeptabel, niemals. Aber Fatshaming hat System, es beeinflusst unsere Gesundheit (viel mehr als unser Körpergewicht) und wie wir von unseren Mitmenschen gesehen werden: Als weniger wert oder sogar gar nicht mehr wirklich als Menschen mit menschlichen Gefühlen, wie der Text von Stephanie Yeboah beweist, indem sie aufzeigt, wie demütigend und sogar gefährlich Dating für dicke Frauen sein kann, den ich unten verlinkt habe.

Dass das Body-Pos.-Movement sich für alle Formen von Problemen mit Body Image geöffnet hat, finde ich gut. Trotzdem finde ich es besorgniserregend, dass die Menschen, für die es eigentlich geschaffen wurde, dicke Menschen, nach und nach herausgedrängt werden und in ihrer eigenen Bewegung als störend zu gelten beginnen.

FAT ACCEPTANCE IN DER LITERATUR: EIN WEITER WEG

Hätte man meinem sechzehnjährigen Ich erzählt, dass es zehn Jahre später dicke Frauen im Jugendbuch geben würde, die als fähig, attraktiv und coole Held.innen dargestellt sein würden, ich hätte wahrscheinlich geweint, denn genau das hätte ich als Teenager gebraucht.

Heute haben wir Nina aus Leigh Bardugos „Lied der Krähen“, die als dick, attraktiv und mächtig gezeigt wird. Wir haben Bücher wie die „Leah“ von Becky Albertalli, die dick sein darf und trotzdem die coole Drummerin einer Girlband. Wir haben Maggie Ann Martins „To Be Honest“ und Julie Murphys „Dumplin“, in denen dicke Mädchen sich dem Fatshaming ihrer eigenen Mütter und Freund.innen mit Witz und starkem Willen stellen, und wir haben Bücher wie Lily Andersons „Undead Girl Gang“ in dem ein dickes Mädchen, zudem WoC, die Heldin eines Urban-Fantasy-Thrillers ist.

Das ist ein guter Anfang, doch es ist leider bei weitem nicht genug. Denn auf jedes dieser Bücher kommen dutzende Romane, in denen dicke Menschen doch wieder als unfähige Loser und eklige Unsympathen gezeigt werden. Das begegnet einem als dicker Mensch auf Schritt und Tritt.

Ich wollte letztens ein lustiges Buch für nebenbei lesen, weil ich entspannen wollte. Meine Wahl fiel auf „Lucy in the Sky“ von Page Toon (2007), doch gleich im Prolog beschwert die Heldin sich, dass sie im Flugzeug neben einem dicken Mann, der eklig schwitzt, sitzen muss. „Es muss wohl an dir liegen“ von Mhairi McFarlane (2017) fing gut an, bis die dicke Heldin begann in ihrem Selbstmitleid zu ertrinken, weil niemand außer ihrem sie betrügenden Ex sie je würde lieben können, sie ist ja schließlich dick.

Kann sein, dass das im Verlauf des Romans noch thematisiert und positiv aufgelöst wird. Ich musste das Buch erstmal weglegen, denn das hat mich getroffen. Aber besonders was Page Toon macht, passiert immer wieder. Ganz nebenbei wird „dick“ verwendet um irgendwelche Nebenfiguren sofort negativ wirken zu lassen, selbst, wenn sie nur für eine Seite auftauchen.

Im Gedächtnis geblieben ist mir „Silber“ von Kerstin Gier (2013), in dem die dünne Heldin von einem dicken Mädchen gemobbt wird. Die Rache ist dann, dass ihr Freund das Mädchen fett nennt, das wird dann gefeiert. Auch das Klatschblog in „Silber“ hat sich auf ein dickes Mädchen eingeschossen, mobbt sie, bis sie abnimmt und lässt selbst dann nicht locker – Und die Figuren verurteilen das nicht einmal richtig. Man soll lachen. Ich habe nicht gelacht.

NORMALISIERTE AGGRESSION & UNGESUNDE IDEALE

Ebenso häufig sind Figuren, die dicke Loser sind und nichts können, bis sie abnehmen. Auf die Spitze getrieben hat das letztes Jahr Netflix‘ Serie „Insatiable“, in dem die dicke Heldin nebenbei abnimmt und plötzlich von allen als attraktiv und begehrenswert betrachtet wird. Subtiler funktioniert das bei „Pretty Little Liars“. Die schüchterne, naive Hannah entwickelt eine Essstörung, weil sie für ihr Gewicht gemobbt wird und das wird auch kritisch dargestellt.

Trotzdem hat nur die dünne Hannah Selbstbewusstsein und wird als attraktiv dargestellt, der dicken Hannah war das nicht vergönnt. Diese Art von Mikroaggression, die sicherlich oft passiv einfließt, weil sie aus internalisierter Fatmisia entsteht, tut weh. Besonders, weil wir sie nicht nur einmal alle paar Wochen erleben, sondern ständig, immer wieder, wie am Fließband.

Ein weiteres Problem ist die Art, wie Dicksein und das gesellschaftliche Ideal „dünn und sportlich“ in Romanen und Filmen dargestellt werden. Als Becky Albertallis Leah in der Verfilmung ihres Romans „Love, Simon“ von der schlanken Katherine Langford gespielt wurde, wurde das kaum kommentiert, da Katherine Langford nicht ganz so Hollywood-schlank ist, wie die anderen Mädchenfiguren im Film. Sie ist trotzdem nicht dick, doch die Botschaft ist klar: Hollywood versteht sie als dick genug, um eine Leah zu spielen.

Auch in Romanen begegnet einem das immer wieder: Eine Figur hat mit ihrem Gewicht zu kämpfen, betont immer wieder, dass sie dick wäre, dass sie sich nicht traut, im Badeanzug vor anderen zu erscheinen – und dann kommt raus, die Figur trägt Größe 38 oder kann sich eine Hose von ihrer dünnen besten Freundin leihen, die bei ihr dann eben etwas enger sitzt…

Geschichten über Body Image werden in unseren Medien immer über dünne Menschen erzählt, nur selten über positiv dargestellte dicke Menschen. Auf die Spitze treibt es der Film „Der Teufel trägt Prada“ (2006) in dem Anne Hathaway mit ihrer Größe 36 in der Modewelt als dick wahrgenommen wird. Das kann man als Kritik an der Modewelt verstehen, logisch. Aber eben auch nur bis Annes Figur Andy ganz unironisch feiert, sich auf eine akzeptierte 34 runtergehungert zu haben.

Und man fragt sich, warum man nicht mal eine kritische Geschichte über die Modewelt erzählen kann, in der es wirklich um eine dicke Frau geht? Denn wir leben in einer Gesellschaft, in der Designer sich auch im echten Leben weigern, Kleider für dickere Schauspielerinnen zu schneidern, da sie keine dicken Menschen in ihrer Mode sehen wollen. (Und da gilt dann schon eine Bebe Rexha als zu dick, um ein Designerkleid zu tragen…)

Deshalb begrüße ich den Trend von mehr dicken Held.innen in Jugendbüchern, die nicht abnehmen müssen und positiv wahrgenommene Figuren sind, sehr. Wir brauchen davon aber einfach mehr, als wir bisher bekommen haben. Vor allem brauchen wir ein besseres Verständnis davon, was es bedeutet dick zu sein, dass Fatshaming und Skinny Shaming nicht dieselben Auswirkungen haben, dass Fatmisia systematische Unterdrückung ist, dass die Vorurteile “hässlich, faul, ungepflegt, unsportlich, ungesund” nicht auf jede dicke Person zutreffen und, dass auch Menschen, auf die sie zutreffen, denselben Respekt verdient haben, wie dünne Menschen, denn sie sind immer noch Menschen.

In kurz: Wir müssen, als Gesellschaft, anfangen, zu akzeptieren, dass dicke Menschen existieren und ihr Leben leben, genau wie dünne Menschen. Und eine positivere Darstellung dicker Menschen als Menschen, nicht als Lachnummern, Loser oder eklige Bösewichte, würde uns schon sehr weit bringen.


Beitragsbild: Rawpixel, via Pexels

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Comments (12)

  • Anna

    19. Februar 2019 at 17:04

    THIS.
    So ein guter Artikel. Ich möchte gern alle Passagen zitieren -.-
    *sucht sich eine aus und geht den Artikel teilen*

    1. Katriona

      21. Februar 2019 at 11:32

      Hallo Anna! Vielen Dank. <3

  • Nadine

    21. Februar 2019 at 19:08

    Oh ja bei Teufel trägt Prada konnten meine beste Freundin und ich nur den Kopf schütteln, als wir nochmal den Film uns angesehen haben. Ebenso lächerlich ist es in Tatsächlich Liebe.
    Habe auch lange überlegt, ob mir positive Beispiele einfallen, aber bis auf Leah on the Offbeat, welches du schon angesprochen hattest, wollte keines kommen. Ich kann mich erinnern, dass Trude in den Kinderbuchreihe “Die wilden Hühner” erst immer abnehmen wollte, um so auszusehen wie Melanie, dann aber Selbstbewusstsein entwickelt hat & sich so schön findet wie sie ist. Leider ist dieser Aspekt in den Filmen nicht übernommen wurden. Da muss sich wirklich etwas tun!
    Liebe Grüße
    Nadine

    1. Katriona

      10. März 2019 at 11:27

      Hi Nadine! “Tatsächlich Liebe” habe ich nie gesehen, habe aber mal einen Artikel darüber gelesen, was da problematisch ist. Die Wilden Hühner wollte ich auch erst erwähnen, konnte mich aber nicht erinnern, wie es da gemacht ist. Klingt aber gut und ich bin erleichtert, dass die Reihe so damit umgeht, ich habe sie als Kind geliebt.

      lG, Kat

  • Chrissi

    6. März 2019 at 16:00

    Hallo Katriona,

    dieser Beitrag spricht mir an vielen Stellen aus der Seele.
    Ich hab in der Schulzeit mit meinem Übergewicht auch sehr oft Probleme gehabt und es hat Jahre gedauert bis ich damit viel offener umgehen konnte, weil man bis zu einem gewissen Grad auch nichts dafür kann und trotzdem überall aneckt. Es hat super lange gedauert bis ich gelernt habe zu sagen: Ja doch, ich möchte auch ein Stück Kuchen und nicht nur zusehen, wie ihr alle esst. Wie lange manchmal auch eine einzige Aussage nachhängt, das verstehen Leute, die das mal eben so raushauen, oft gar nicht.

    Danke für deinen tollen Beitrag.
    Falls ich dir eine Body Positivity Empfehlung geben darf: Simona Ahrnstedt- After Work. Das Buch hat auch hier und da Mängel. Ist aber wirklich ein sehr gutes Buch zu dem Thema!

    Viele liebe Grüße
    Chrissi

    1. Katriona

      10. März 2019 at 11:30

      Hi Chrissi! In deinen Erfahrungen finde ich mich auch wieder. Als Teenie habe ich mich nie getraut auf Klassenfahrten und so vor anderen (viel) zu essen, aus Angst, was sie denken könnten und leider war das ja auch nicht unbegründet. Ich war als Teenie mit Größe 38/40 nicht einmal so viel dicker, als meine Mitschüler.innen und wurde trotzdem gefatshamed. Ich möchte gar nicht wissen, wie es Jugendlichen in Zeiten von Instagram etc. da geht, aber ich habe das Gefühl, es ist noch schlimmer geworden.

      Danke für die Empfehlung!

      lG, Kat

  • Nicole

    8. März 2019 at 14:09

    Was du mit McCarty und Rebel Wilson schreibt, da triffst du es auf den Punkt. Ich finde das auch ganz schrecklich, dass die beiden oft nur als dümmliche, dicke Figur zu sehen waren. Das ist für mich nicht lustig und ich kann solche Filme auch nicht mehr ernst nehmen. Ich bin froh, dass zumindest McCartyh mit ihren neueren Filmen von diesen Stereotypen abweicht, aber das geht ja nun auch bei ihr mit einer heftigen Gewichtsreduzierung einher. Beide Schauspielerinnen sind aber definitiv zu viel mehr fähig.

    Ich musste bei Büchern übrigens auch nachdenken, ob mir eines einfällt, in dem eine dicke Figur die Hauptfigur ist und ich muss festhalten, dass mir da überhaupt keines einfällt. Ich kenne zwar die bekannten Beispiele von dir, aber habe die noch nicht gelesen, weil das Buchtechnisch nicht mein Genre ist. Ich bin da eher im Krimi-, fantay- und historischen Bereich unterwegs. Erschreckend ist auch wie wichtig die Optik von Frauen in Krimis ist, wo das ja eigentlich sowieso keine Rolle spielt. Aber da gibt es viele Autoren die unablässig betonen müssen wie hübsch eine weibliche Figur doch ist, sodass es mich schon nervt. Das tut nichts zur Handlung bei und sagt auch nichts über die beruflichen Fähigkeiten aus.

    Als positives Beispiel muss ich “This Is Us” nennen, weiß nicht ob du die Serie kennst? Aber da gibt es mit Kate und ihrem Partner zwei korpulentere Figuren. Klar nimmt das Gewicht hier auch eine wichtige Rolle in den Storylines ein, aber dadurch wird auch aufgezeigt, dass die Klischees nicht stimmen und deutlich gemacht, welche Diskriminierungen vor allem Kate erlebt und welche Auswirkungen das auf sie hat. Die Storyline folgt ja der Lebensgeschichte der Schwester des Autors.

    Das Schauspieler mit normaler Figur in Hollywood als Fett gelten, finde ich ja bedenklich. Bei mir hat das in meiner Jugend dazu geführt, dass ich mich auch nicht wohl in meinem Körper gefühlt habe bzw. es auch heute ab und an nicht tue. Ich habe halt etwas mehr Hüfte und manchmal will ich die Rundungen dann einfach nur verstecken. Zwar habe ich mich mittlerweile akzeptiert, mag mich wie ich bin, aber es gibt halt Tage, da ist das nicht so. Gerade Instagram trägt dazu heute ja auch sehr verstärkt bei, denn schaut man sich die Influencer mit den meisten Follower an, sind die meisten doch sehr dünn.

    Abschließend teile ich den Wunsch mit dir, dass wir endlich anfangen alle Menschen menschlich zu behandeln. Das wir uns alle mit Respekt und Freundlichkeit begegnen und nicht von Vorurteilen leiten lassen.

    1. Katriona

      10. März 2019 at 11:33

      Hi Nicole! Ja, das mit den Genres ist bei Repräsentation immer so eine Sache. Besonders in Histos fände ich positive Darstellung dicker Menschen mal wichtig, weil man da mit alten Schönheitsidealen arbeiten könnte und zeigen könnte, dass Schönheit konstruiert ist und man nicht immer dasselbe schön gefunden hat. Stattdessen sind in Histos natürlich auch alle Held.innen schön und schlank. :seufz:

      lG, Kat

  • Vom Talkshow-Host zum Autor: Wie lesenswert ist Graham Nortons Debütroman Ein irischer Dorfpolizist? – Sabrinas Welt

    21. März 2019 at 09:05

    […] an manchen Stellen einen bitteren Beigeschmack. Vielleicht, weil Kats Blogbeitrag zum Thema Body Image in der Literatur noch ganz frisch in meinem Gedächtnis war, ist mir extrem unangenehm aufgefallen, wie das […]

  • Neuzugänge Januar, Februar und März 2019 – ALLES AUẞER LYRIK

    4. April 2019 at 06:42

    […] zu bekommen waren“. Wobei ich zugeben muss, dass mir die Bücher erst nach dem Lesen dieses Beitrags über „Body Positive Fiction“ wieder so richtig in den Blick geraten sind und mir deshalb überhaupt die Preisreduzierung […]

  • Sandra (Booknapping)

    4. Mai 2019 at 18:24

    Toller Beitrag! Wirklich ein richtig toller Beitrag! Danke dafür, ich muss ihn gleich auch nochmal über twitter pushen. Ich bin immer ganz hin und weg, wenn ein dicker Menschen auch mal in einem Buch auftauchen darf und dann einfach nur Mensch ist. Nicht “der Dicke” oder sogar noch schlimmer, jemand, der Vorurteilen und Beleidigungen ausgesetzt ist. Leider gibt es diese Figuren, wie du schon schriebst, nur sehr sehr selten.

    Dein Blog gefällt mir übrigens sehr und kommt gleich in meinen Feedreader 🙂

    Liebe Grüße
    Sandra

    1. Katriona

      11. Mai 2019 at 12:22

      Hallo Sandra! Vielen Dank. Ich kenne das, man kann es erst gar nicht richtig glauben, wenn man eine dicke Figur liest, die einfach mal menschlich und normal behandelt wird. :/ Echt schade. lG, Kat

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