“Someone New” von Laura Kneidl

12. März 2019Katriona

Als Micah auf ihren neuen Nachbarn trifft, kann sie es nicht glauben: Es ist ausgerechnet Julian, der wenige Wochen zuvor ihretwegen seinen Job verloren hat. Micah fühlt sich schrecklich, vor allem, weil Julian kühl und abweisend zu ihr ist und ihr nicht mal die Gelegenheit gibt, sich zu entschuldigen. Doch gleichzeitig fasziniert Micah seine undurchdringliche Art, und sie will ihn unbedingt näher kennenlernen. Dabei findet sie heraus, dass Julian nicht nur sie, sondern alle Menschen auf Abstand hält. Denn er hat ein Geheimnis, das die Art, wie sie ihn sieht, für immer verändern könnte …


MEINE GEDANKEN

Laura Kneidls neuer Young-Adult-Roman „Someone New“ war das Hypebuch im noch jungen Jahr 2019. Von Hypes habe ich eigentlich Abstand genommen, doch nachdem das Buch für seine Inklusion von queeren Figuren, sowie von PoC-Figuren und anderen Minderheiten, in den Himmel gelobt wurde, musste ich mir doch selbst anschauen, woher der Wind weht, denn wenn etwas im deutschen Literaturmainstream fehlt, dann ist es Diversity.

Gedacht, getan, zur Buchhandlung geradelt, wo das Buch prominent auslag, zu Lesen begonnen, eine 4.000 Wörter lange Rezension geschrieben, in der ich erklärt habe, warum mir „Someone New“ und vor allem der Hype um diesen Roman, Sorgen macht. Da aber kaum jemand Lust hat, 20 Minuten damit zu verbringen, eine deprimierende Rezension zu lesen, habe ich mir gedacht, ich schreibe das Ganze nochmal neu. Selber Inhalt, aber hoffentlich klarer und verständlicher formuliert.

MICAH: IGNORANZ, PRIVILEGIEN & SELBSTSUCHT

„Someone New“ ist an sich kein schlechtes Buch. Der Schreibstil hat mir gut gefallen und man merkt, dass Laura Kneidl es gut gemeint hat. Sie wollte repräsentieren und auf die Probleme und die Diskriminierung von Gruppen wie queeren Menschen oder PoC – People of Colour – aufmerksam machen. Darüber hinaus gibt es eine dicke Figur, die zudem sehr jung Mutter geworden ist, und deshalb ebenfalls unter Vorurteilen leidet. Der Cast ist wunderbar inklusiv gestaltet und das hat mir auch gut gefallen.

Die Umsetzung hingegen leider überhaupt nicht. Kneidl hat sich entschieden, die Geschichte aus der Perspektive von Micah zu erzählen: Micah ist weiß, hetero, cis und reich, sie ist also eine nicht Betroffene, die zudem so privilegiert ist, wie sie es sein könnte. An sich fand ich die Entscheidung gut, denn Laura Kneidl maßt sich nicht an, Diskriminierung aus der Perspektive einer betroffenen Figur zu erzählen. Leider hat es für mich trotzdem überhaupt nicht funktioniert, denn, das muss ich so hart ausdrücken, Micah ist eine furchtbare Person.

Micah ist selbstsüchtig und geht mit einem Anspruchsdenken durch die Welt, das mich wütend gemacht hat. Sie ist sauer, dass ihr Bruder Adrian, der schwul ist, ihr nicht davon erzählt hat. Als ihr Love Interest Julian sie abzuwimmeln versucht, mutiert Micah sogar zur Stalkerin: Sie steht am Türspion und sieht nach, wann Julian kommt und geht. Micah versteht kein „Nein“ und akzeptiert keine Grenzen. Als Julian ihr sein großes Geheimnis nicht verraten will, sagt sie, er würde sie belügen, genauso, wie sie es als Vertrauensbruch darstellt, dass Adrian sich nicht vor ihr geoutet hat.

Und das geht nicht. Niemand hat ein Anrecht darauf, dass LGBTQ-Menschen sich vor ihnen outen. Besonders im Fall mit Adrian fand ich das schlimm zu lesen, denn es scheint Micah mehr aufzuregen, dass Adrian ihr nicht „vertraut“ hat, als dass ihre Eltern ihren Sohn rausgeworfen haben, weil er schwul ist. Anstatt sich zu positionieren, verteidigt Micah ihre Eltern noch und sagt, sie wären trotzdem eigentlich gute Menschen. Dabei erfährt man leider nie, was Adrian, der Betroffene in dieser Situation, von allem denkt, denn er ist für den Großteil des Romans abwesend.

Es geht eigentlich nur um Micah: Micah will, dass alles wieder wie vorher wird. Sie will, dass Adrian zurückkommt und, dass ihre Eltern ihn wieder aufnehmen. Es geht nicht darum, ob Adrian das möchte, ob er seinen Eltern verzeihen kann, ob er überhaupt noch Kontakt will. Micah wird sogar sauer und beschuldigt Adrian, die Familie kaputt gemacht zu haben, weil er nicht zurück will – nicht ihre homofeindlichen Eltern, die doch eigentlich gute Menschen sind.

Das tut weh, weil viele queere Jugendliche sich in Adrians Situation finden. Es wäre gut gewesen, wäre die Autorin behutsam darauf eingegangen, warum diese Situation so schlimm ist, warum Adrian ein Recht darauf hat, nicht zu den Eltern zurückzuwollen, warum Micah eben kein Anrecht auf ein Outing hat oder darauf, dass Adrian ihr zu Liebe zurückkommt. Das passiert aber leider nicht. Micah lernt nichts dazu und bleibt bis zum Ende ich-bezogen. Die Probleme und auch die Diskriminierung der marginalisierten Figuren werden immer nur auf Micah bezogen, die Konsequenzen für die Figuren selbst werden kaum beleuchtet.

KEIN BUCH FÜR TATSÄCHLICH BETROFFENE

So reduziert Laura Kneidl ihren inklusiven Cast leider auf seine Diskriminierung. Die marginalisierten Figuren dürfen nicht einfach existieren, Freunde, Familie, Nachbarn und Menschen sein. Immer, wenn sie auftreten geht es um ihr Leid – aber nicht einmal um die Auswirkungen auf sie selbst, sondern auf die nicht betroffenen weißen, cis, hetero Figuren. Micah bezieht alles auf sich, aber nicht nur Micah tut das. In einem Gespräch mit einem weißen Mädchen darüber, wie es ist, einen schwarzen Mann zu daten, geht es auch nur darum, wie der Rassismus, den er erlebt, sie beeinflusst.

Das ist hart zu lesen, wenn man betroffen ist. Nicht nur wird man dauerhaft an all die Diskriminierung und das Leid erinnert, die andere Betroffene erleben müssen, man wird auch noch an den Rand gestellt, denn es geht ja nicht darum, wirklich zu zeigen, welche Auswirkungen Diskriminierung auf Betroffene hat. Es geht darum, welche Auswirkungen sie auf Micah hat, die sich immer in den Mittelpunkt rückt. Hätte Micah über den Roman weg gelernt, dass das nicht okay ist, dass sie die Diskriminierung anderer Leute nicht auf sich beziehen darf und lernen muss, ein bisschen Empathie zu zeigen, das hätte großartig sein können. So ist es aber leider nicht.

Laura Kneidl wollte wohl aufzeigen, wie schlimm Diskriminierung ist, doch alles, was sie erreicht hat, ist leider, dass der Roman für Betroffene kaum lesbar ist: Immer, wenn eine marginalisierte Figur auftritt, dreht sich alles nur um ihre Diskriminierung. Es werden, ganz nebenbei, Geschichten von sehr schlimmer queerfeindlicher Gewalt erzählt. Trans Figuren werden mit dem Deadname und den falschen Pronomen angesprochen, Eltern bezeichnen ihre queeren Kinder als Schande. Das kann triggern und selbst, wenn man das als Betroffene.r nicht selbst erlebt hat, es tut sehr weh.

Vielleicht nehmen nicht Betroffene ja tatsächlich eine gute Botschaft daraus mit. Aber ich befürchte, dass sich nur am Leid anderer „hochgezogen“ wird, dass man sich sagen kann, wie schlimm das doch ist, und wie gut es ist, dass man selbst ja ganz anders ist. Mikroaggressionen, also die Auswirkungen von zum Beispiel Queerfeindlichkeit im Alltag, bei der sich die Personen vielleicht selbst gar nicht bewusst sind, dass sie gerade queerfeindlich handeln, kommen gar nicht auf den Tisch. Die Leute sind entweder durch und durch queerfeindlich oder gehen sofort perfekt mit Queerness um. Aber so ist es in der Realität selten.

Was komplett fehlt, ist ein positiver Blick auf das Leben von Marginalisierten. Kneidl betont die schlimmen Seiten, doch sie weist überhaupt nicht darauf hin, dass es auch viele positive Seiten gibt. Dazu hätten die betroffenen Figuren selbst zu Wort kommen müssen, doch sie stehen am Rand, während alles durch Micah gefiltert wird. Und das ist keine Repräsentation. Es ist auch keine Inklusion, denn die marginalisierten Figuren werden nicht normalisiert: Sie sind nicht einfach Freunde, Familie, Bekannte, sie sind immer „anders“ und ihr „Anderssein“ wird immer wieder aufs Neue betont und herausgestellt. So geht das leider nicht.

JULIAN: KEINE EIGENE MOTIVATION & KEINERLEI PRIVATSPHÄRE
[Spoiler, CW: Transfeindlichkeit]

Um den Punkt zu besprechen, der mich am meisten gestört hat, muss ich leider heftig spoilern: Julians Geheimnis, das erst ganz am Ende rauskommt, ist hier nämlich ausschlaggebend. Ihr seid gewarnt, nur weiterlesen, wenn ihr mit dem Spoiler umgehen könnt. Denn Julian stellt sich auf den letzten Seiten als trans Mann heraus. Und auch hier filtert Kneidl erneut nur durch Micahs Perspektive und der Roman rutscht endgültig ins Problematische ab.

Wir erfahren nämlich leider nicht, wie es für Julian ist, als trans Mann zu leben. Wir sehen ihn im Gespräch mit seiner Mutter, die ihn anschreit, seinen abgelegten Namen und die falschen Pronomen benutzt. Wir sehen ihn, wie er Micah seine Genitalien genau erklärt, weil sie wissen möchte, ob sie (heteronormativen) Sex mit ihm haben kann. Und das finde ich schon sehr entwürdigend. Es geht hier gar nicht darum zu zeigen, wie Julian als trans Mann lebt, was sein trans sein für ihn bedeutet und wie er mit Transfeindlichkeit umgeht. Es geht wieder nur um Micah und darum, was sie will. Es folgt eine lange Sexszene – Micah hat, was sie wollte, das Buch ist vorbei. Was Julian will, was er fühlt, was es bedeutet trans zu sein, wird unter den Teppich gekehrt.

Als nicht Betroffene beinahe schon invasiv auf die Anatomie und die Genitalien einer trans Person einzugehen, finde ich nicht in Ordnung. Das dann noch im Kontext dessen zu tun, dass die Protagonistin eigentlich nur Sex haben will – sie will nicht wissen, wie es für Julian ist, trans zu sein, sie will wissen, ob sie mit ihm schlafen kann – ist irgendwie… beleidigend? Ich bin selbst nicht betroffen, aber ich habe es gehasst, wie Julian buchstäblich jedes intime Detail seiner Transition vor Micah und den Leser.innen entblößen muss, ohne, dass jemals auf seine eigenen Gefühle dazu eingegangen wird.

So schreibt man keine trans Repräsentation. Unten findet ihr einen Text von Tristan verlinkt, der beschreibt, wie man es sehr viel besser machen könnte. Generell kann ich sagen: „Someone New“ hätte funktionieren können, hätte Laura Kneidl die Existenz von Marginalisierten als Freunde, Nachbarn, Familie normalisiert, anstatt immer wieder darauf hinzuweisen, wie „anders“ diese Menschen sind und wie sehr sie deshalb leiden. Hätte Micah ihre Ignoranz abgelegt und gelernt, Verständnis und Empathie zu zeigen. Hätten, und das ist der wichtigste Punkt, die marginalisierten Figuren mehr sein dürfen, als Leinwände, auf die Kneidl Bilder von Ausgrenzung und Hass malt, die nicht Betroffene schockieren sollen.

WAS AM ENDE FEHLT

Was am Ende fehlt ist die eigene Agency der betroffenen Figuren: Was wollen Adrian, Julian, Auri oder Aliza? Wer sind sie über ihre Diskriminierung hinaus? Keine Ahnung. Der Roman ist aus Micahs Ich-Perspektive erzählt, doch es wäre trotzdem möglich gewesen, sie einmal über den Tellerrand blicken und sehen zu lassen, dass ihr Bruder, ihr Freund, ihre Freund.innen mehr sind, als Leid, Diskriminierung und „Anderssein“. Das hätte dem Roman viel gegeben.

Leider ist er, so wie er jetzt ist, für viele Betroffene unlesbar. Denn es kann triggern, immer wieder mit der eigenen Diskriminierung konfrontiert zu werden, ohne, dass die positiven Seiten der eigenen Identität – ob es nun Queerness ist oder PoC sein – auch beleuchtet werden. Es ist darüber hinaus für Betroffene einfach unangenehm zu lesen, wie die nicht betroffene Micah alles auf sich bezieht, wie sie im Mittelpunkt stehen muss, obwohl es um die Probleme anderer Menschen geht. Als wäre es Micah, die am meisten unter Adrians Rausschmiss leidet, nicht Adrian selbst. Zum Beispiel.

„Someone New“ wollte viel. Es wollte aufzeigen, dass Diskriminierung existiert und was sie anrichtet und, dem Nachwort nach zu urteilen, wollte es repräsentieren und die Botschaft „Sei du selbst“ senden. Leider erreicht das Buch aber am Ende nur nicht Betroffene, denn es ist für viele Betroffene schwer und sogar schmerzhaft zu lesen. Es repräsentiert nicht, denn die marginalisierten Figuren sind wie Karikaturen, keine echten Menschen. Am Ende ist „Someone New“ ein Buch für nicht Betroffene, die wohl lernen sollen, wie schlimm Diskriminierung ist. Davon kann man halten, was man möchte.

Ich finde das nicht zielführend, denn es macht „Someone New“ zu einem weiteren Buch über Betroffene, das aber nicht für Betroffene gedacht ist. Und ich finde, wir sollten langsam damit beginnen, Betroffene einzubeziehen, wenn wir über sie schreiben und sprechen. Es kann nicht sein, dass es so wenig Repräsentation für zum Beispiel LGBTQ Leser.innen gibt, aber dutzende Bücher, in denen sie sich klischeehaft dargestellt sehen – oder eben als Exempel: Schau mal, wie schlecht es denen geht, sei netter zu denen!

Ich weiß, dass Laura Kneidl gute Absichten hatte. Doch am Ende fehlte ihr wohl trotzdem das Verständnis dafür, was es bedeutet, heute queer zu sein oder PoC oder Muslima oder auf andere Weise marginalisiert. Und das ist extrem schade, denn die Intentionen waren gute: Kneidl hat ihre große Plattform genutzt, um den deutschen Buchmarkt diverser zu machen. Das hat er auch dringend nötig. Aber es wäre sinnvoller gewesen, und vor allem inklusiver, diesen Roman einfach mit diversem Cast zu schreiben, ohne ständig auf heftige Diskriminierung einzugehen. Denn im Kern ist eine Liebesgeschichte mit trans Love Interest großartig und wichtig. Aber eben leider nicht, wenn es so passiert, wie hier.


Repräsentation: Mit Adrian gibt es eine schwule Figur, sowie einen trans Mann mit Julian. Auri ist schwarz und Aliza ist Muslima, beide sind Nebenfiguren. Die Repräsentation ist meiner Meinung nach jedoch in allen Fällen nicht besonders gut gelungen und ich würde auf jeden Fall eine CW für Homo- und Transmisia für den Roman setzen.


BIBLIOGRAPHIE

Someone New | Lyx, 2019 | 978-3-7363-0829-9 | 534 Seiten | deutsch


Rezensionen zu “Someone New”:

Victoria Linnea | Diversität um jeden Preis?

Janika auf Zeilenwanderer | Kritische Rezension

Yvonne auf Seitenglück | Kritische Rezension


Mehr zu Inklusion:

Verloren im Feuer |Trans* Männer (und trans* maskuline Personen) schreiben – Teil 1

Elif & Victoria Linnea | Liste deutschsprachiger Sensitivity Reader

Buechnerwald | Als AutorIn darf ich alles – Stimmt das?

Comments (15)

  • Babsi

    12. März 2019 at 12:12

    Hallöchen,
    Vielen Dank für diesen Beitrag!
    Ich habe das Buch nicht gelesen, aber ich finde es sehr gut, wie du es analysiert und aufgearbeitet hast. Das ist für Autor*innen und Leser*innen sehr hilfreich. Denn ich habe viele Rezis gesehen, bei denen gesagt wurde, irgendwas stört.
    Ich denke, dass es wichig ist, darüber zu reden, damit wir uns weiterentwickeln können. Gut gemeint ist eben nicht immer gleich gut umgesetzt.
    Daher finde ich es sehr gut, dass du respektvoll und präzise gesagt hast, was dich gestört hast.

    Ich hoffe sehr, dass bessere Repräsentation und Sensitivy Reading ihren Weg zum deutschen Buchmarkt finden!

    Liebe Grüße,
    Babsi

    1. Katriona

      12. März 2019 at 13:02

      Hallo Babsi! Vielen Dank. Es freut mich sehr zu lesen, dass der Text hilfreich ist, denn genau das sollte er sein. Ich hoffe auch, das wir in Zukunft einfach alle vorsichtiger und verständnisvoller werden.

      Alles Liebe,
      Kat

  • Friederike

    12. März 2019 at 12:19

    Liebe Katriona,

    Das ist die Rezension, die ich nicht schreiben konnte. Du hast meine Gefühle und Eindrücke zu “Someone New” perfekt auf den Punkt gebracht. Ich traue mich nicht eine Rezension zu diesem Buch zu verfassen, weil ich a) als Nicht-Betroffene schreibe und b) nicht halb so viel Ahnung von den Feinheiten der queeren Repräsentation habe (aber daran arbeite ich). Umso erleichterter bin ich, dass ich die gleichen Probleme erkannt habe, wenn ich sie auch nicht so gut verpacken könnte, wie du. Das war eine fantastische, respektvolle, aufklärende Rezension und ich hoffe, dass vielen diese hilft.

    Alles Liebe
    Friederike

    1. Katriona

      12. März 2019 at 13:00

      Hallo Friederike. Vielen Dank! Ich hatte ein bisschen “Angst” vor den Reaktionen auf diesen Text, deshalb bin ich froh, dass er anscheinend so rüberkommt, wie ich es gern wollte. Ich möchte ja nicht nur kritisieren, sondern vor allem helfen, es besser zu machen.

      Alles Liebe,

      Kat

  • Sanne

    12. März 2019 at 13:49

    Danke für diesen tollen und informativen Beitrag!
    Ich habe dieses Buch bisher nicht gelesen, aber am Hype kommt man nicht vorbei – und an “Spoiler” anschließend auch nicht. Als ich gelesen habe, dass Julian trans ist und diese Tatsache als Geheimnis fungiert, war ich skeptisch und vor allem verwirrt. Und dann habe ich mich geärgert, dass es auch als “Geheimnis” in Rezensionen behandelt und nicht deutlich markiert wurde, dass die Geschichte über eine trans Person handelt. Das hat mich ehrlich gesagt auch abgeschreckt, das Buch in die Hand zu nehmen. Ich komme irgendwie nicht damit klar, wenn marginalisierte Themen für “shock value” verwendet werden.

    Ich bin froh über diesen Blogpost und auch Stimmen von LGBTQ-Leser.innen zu lesen. Danke auch für die ganzen Ressourcen.

    Liebe Grüße
    Sanne

    1. Katriona

      12. März 2019 at 19:33

      Hi Sanne! Ich bin da ganz bei dir, besonders, was die shock value angeht. Ich weiß auch einfach nicht genau, was das Buch will. Einerseits schwingt überall die Botschaft “Sei du selbst” mit, andererseits ist die trans Identität einer Figur ein großes Geheimnis bis zum Ende und Abweichungen von der Norm enden immer in queerfeindlicher Gewalt. ¯_(ツ)_/¯

      lG, Kat

  • Februargeschichten

    13. März 2019 at 11:28

    […] nicht, zumal ich meine Eindrücke nicht halb so gut zusammenfassen könnte, wie beispielsweise Katriona von Stürmische Seiten oder Janika von Zeilenwanderer. Ich bin einfach nur enttäuscht und denke, dass man viel mehr mit […]

  • Fortuna Major – {Review} Someone New – Laura Kneidl | Fortuna Major

    13. März 2019 at 14:53

    […] am meisten überzeugt, weil sachlich professionell und nicht beleidigend geschrieben, hat mich der Text (NICHT Rezension!!!) von Stürmische Seiten. Danke […]

  • Evy

    13. März 2019 at 20:20

    Ehrlich gesagt: Ich mag den Artikel inhaltlich und du hast gut erklärt, was die Autorin besser machen kann. Ich stimme dem zu, auch wenn ich das Buch nicht gelesen habe.

    Was ich aber auch sehe: Erwartungshaltungen. Gegenüber Autoren, gegenüber anderen Menschen, gegenüber Literatur. Im Text kommen soviele Schubladen vor – auf beiden Seiten. Und das gibt mir beim Lesen ein negatives Gefühl. Krass war der Begriff des Sensitivy Readers. Du setzt damit die Hemmschwelle höher, weil man den Begriff nur versteht, wenn man mit dem Themenfeld vertraut ist. Dann ist man aber schon tolerant – hoffentlich. “jemand, der das erlebt hat” wäre ne gute Wahl gewesen und nahbarer.

    Das, was du beschreibst, ist nix Neues. Intoleranz gegenüber Anderen in Büchern. Klischees. Aber am Ende ist es: Literatur. Auch wenn ich selbst versuche, in meinen Texten Offenheit zu zeigen (in anderen Themenfeldern), muss Literatur nicht belehren. Literatur muss auch nicht repräsentieren. Außerdem können sich auch “Betroffene” mit FIguren identifizieren, egal, welche SIcht sie auf das Problem haben – weil es vielseitige Figuren sind. Beispiel: In einem Roman geht es um eine normalgewichtige/dicke Reporterin, die das Glück sucht. Auch wenn es mich aufregt, dass schlanke Menschen ohne Modellmaße unterrepräsentiert sind, kann ich mit der Figur fühlen, weil ich mal bei der Schülerzeitung war. Und weil wir das Glück alle suchen.

    Ich finde witzig-aufklärerische VIdeos zum Thema besser – besonders, wenn sie sich an der Grenze zwischen “normal” und “nicht normal” bewegen und zeigen, dass alle Zwischentöne ok sind.

    Last but not least: “deadnamet” – “deadnamed” ist grammatikalisch aus mehrerlei Sicht falsch. Und wenn man sich dran gewöhnt hat, geht es auch 🙂

    1. Katriona

      14. März 2019 at 18:23

      Meine einzige Erwartung ist, als normaler Mensch dargestellt zu werden und ich finde, dass das nicht zu viel verlangt ist. Das hat mit “Offenheit” nicht wirklich viel zu tun, sondern mit Respekt vor *allen* Menschen.

      Und, ja, Literatur muss repräsentieren. Denn ich bin ein Mensch, genau wie cis, hetero Menschen. Wenn du sagst, Literatur muss nicht repräsentieren, sprichst du mir das Recht ab, mich selbst in Fiktion zu sehen, das cis, hetero Menschen einfach so zugesprochen bekommen. Das ist nicht so schwer zu verstehen.

      Wenn ich mich als Betroffene mit nicht Betroffenen identifizieren soll, was ich übrigens mein ganzes Leben bereits tue, weil es erst seit kurzem überhaupt mehr Repräsentation gibt, dann kann ich von nicht Betroffenen auch erwarten, mehr Bücher mit Repräsentation zu akzeptieren und sich mal mit Marginalisierten zu identifizieren. Wenn dir das nicht einleuchtet, solltest du dir überlegen, ob du wirklich so offen und tolerant bist, wie du denkst.

      Und eins noch: Um die kritische Analyse meiner Rechtschreibung und Wortwahl habe ich nicht gebeten. Danke.

  • Kate

    14. März 2019 at 07:32

    Ich danke dir!
    Das kam jetzt ohne ein Hallo, weil es einfach rausmusste. Ich habe “Someone New” diese Woche beendet und war so unglücklich mit dem Buch. Ich konnte gar nicht genau sagen, was mich so unglücklich gemacht hat, außer Micahs Reaktion auf Julians Outing. Es war so eine gesamte bedrückende Stimmung und du schreibst hier gerade Worte, die so viel Sinn für mich machen. Dass Adrian zu kurz kam, was bedeutet der Rauswurf für ihn? Was macht er jetzt? Und Micahs hirnrissiger Plan … da fehlen mir sowieso die Worte.
    Auch am Ende, wie mit Julians Geheimnis umgegangen wurde. So von wegen “Jetzt ist es raus, Happy End”. Aber nicht, was es für ihn bedeutet, was es für die beiden vielleicht auch als Paar bedeutet.

    Ich habe etwas Angst meine Rezension zu posten. Weil ich das Buch zwar teilweise kritisch sehe, aber nicht so sehr wie du. Ich bin nicht betroffen und kenne mich mit den Feinheiten des Queerness auch nicht aus. Ich habe beim Lesen gemerkt, dass da irgendwas nicht passt, konnte es aber nicht benennen. Du hast es aber gut getroffen. Und ich bin gerade so unendlich traurig, wie “Someone New” wirkt, wenn man bedenkt, was daraus hätte werden können.
    Danke jedenfalls für deine Rezension!
    Liebste Grüße, Kate

    1. Katriona

      14. März 2019 at 18:16

      Hi Kate! Ich höre öfter, dass nicht Betroffene bemerken, dass etwas nicht passt, aber nicht genau sagen können, was sie stört. Deshalb habe ich mich entschieden, den Text zu posten, obwohl ich es eigentlich nicht wollte. Aber wie gesagt, wenn man nicht darüber spricht, kann man auch nicht erwarten, dass sich was ändert. Danke für den Kommentar! <3

      Lg, Kat

  • Warum mich SOMEONE NEW von Laura Kneidl nicht begeistern konnte | Kateastrophy

    15. März 2019 at 10:12

    […] ich kenne mich mit diesen ganzen Begriffen der Queerness überhaupt nicht aus. Aber Kat hat eine Rezension geschrieben, in der sie mir aus der Seele spricht. Ich versuche jetzt ihre Worte aufzugreifen und […]

  • Isabell

    4. Mai 2019 at 19:07

    Hey 🙂
    Vielen Dank für deine Rezension!
    Ich selber mag Laura Kneidls Bücher ganz gerne, aber Someone New habe ich noch nicht gelesen. Ich habe eigentlich nur gute Meinungen zu dem Buch gehört. Das was du jetzt aber schreibst, ist doch ganz schön heftig und ich bezweifle nun, dass ich mir das Buch jemals kaufen werde. Die Problematiken sind ja nun auch wirklich gravierend. Vielleicht werde ich es aber dennoch mal lesen, aber auch nur, wenn ich es in der Bücherhalle finde. Dabei werden deine Kritikpunkte dann auch sicher immer im Hinterkopf bleiben.

    Liebe Grüße
    Isabell

    1. Katriona

      11. Mai 2019 at 12:20

      Hi Isabell! Ich mag ihre Fantasyromane auch gern, weshalb ich es so schade finde, dass es hier für mich überhaupt nicht funktioniert hat. Falls du es liest, wird es dir hoffentlich besser gefallen, als mir. lG, Kat

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