“How to Hang a Witch” von Adriana Mather | Englisch

Salem, Massachusetts, is the site of the infamous witch trials and the new home of Samantha Mather. Recently transplanted from New York City, Sam and her stepmother are not exactly welcomed with open arms. Sam is the descendant of Cotton Mather, one of the men responsible for those trials—and almost immediately, she becomes the enemy of a group of girls who call themselves the Descendants. And guess who their ancestors were?

If dealing with that weren’t enough, Sam also comes face to face with a real, live (well, technically dead) ghost. A handsome, angry ghost who wants Sam to stop touching his stuff. But soon Sam discovers she is at the center of a centuries-old curse affecting anyone with ties to the trials. Sam must come to terms with the ghost and find a way to work with the Descendants to stop a deadly cycle that has been going on since the first accused witch was hanged. If any town should have learned its lesson, it’s Salem. But history may be about to repeat itself.


MEINE GEDANKEN

Dieses Buch ist wie ein Marathonläufer, der den Großteil der Strecke führt, es jubeln bereits alle, und dann fällt er ein paar Meter vor der Zielgeraden hin und alle anderen Läufer überholen ihn. Und das ist sehr schade, denn “How to Hang a Witch” hätte ein großartiger Jugendroman werden können. Mich haben Titel und Cover angesprochen und natürlich, dass der Roman in Salem spielt – Der Stadt, in der 1692 die grausamsten Hexenprozesse der Vereinigten Staaten stattfanden. Hinzu kommt, dass Autorin Adriana Mather genau wie ihre Protagonistin Sam eine familiäre Verbindung zu den Geschehnissen hat.

Im Kern ist “How to Hang a Witch” ein ganz klassischer Mysterroman für Jugendliche und hatte darin etwas sehr Nostalgisches, denn diese übernatürlich-düsteren YA-Geschichten waren in, als ich ein Teenager war und ich habe sie sehr gern gelesen. Im Salem dieses Romans gibt es Hexen und Geister und die Grundstimmung ist gleichzeitig düster und gemütlich. Das herbstliche Salem wird durch Mathers schönen Schreibstil lebendig und zwischen unfreundlichem neuenglischem Küstenwetter und Kakao in der Landhausküche von Sams Nachbarin bietet Adriana Mathers Debüt gemütliche Mystery, die sich sehen lassen kann.

DÜSTER-HERBSTLICHE ATMOSPHÄRE & PLOTPROBLEME

Gefallen haben mir Sam und ihre Familie, denn ich fand sie authentisch. Sam zieht mit ihrem Vater und dessen Freundin Vivian nach Salem. Ihr Vater liegt aber nun im Koma und Sam ist mit ihrer Stiefmutter, zu der sie ein schwieriges Verhältnis hat, allein in dem alten Haus. Ich fand Sam und Vivians Beziehung sehr eindringlich und komplex erzählt. Es hätte nicht viel gefehlt und Vivian wäre die böse Stiefmutter aus dem Märchen gewesen, die Sam grundlos quält. Doch man merkt, dass Vivian sich bemüht, aber mit der Situation überfordert ist und es gibt auch schöne Momente zwischen den beiden.

Wunderbar fand ich auch die Clique der “Descendants” – Teenager an Sams neuer Schule, die von den 1692 getöteten “Hexen” abstammen und sich darauf etwas einbilden. Sie beginnen Sam zu mobben, weil Sam die Nachfahrin von Cotton Mather ist, dessen Buch über Hexenvorfälle in Neu England maßgeblich zu der Massenpanik und dem Tod der als “Hexen” verurteilten Menschen in Salem führte. Ich fand das spannend, eben weil Adriana Mather, man ahnt es schon, hier ihre eigene Familiengeschichte aufarbeitet. Sie ist tatsächlich eine Nachfahrin Cotton Mathers. Mich hat dieser Teil der Handlung sehr positiv an den Horrorklassiker “The Craft” aus den Neunzigern erinnert.

Es gelingt der Autorin gut, die Geschichte rund um die Salem Witch Trials spannend und gleichzeitig informativ in die Handlung einzuweben. Mather schafft ein wunderbar gemütliches und gleichzeitig unheimliches Salem und interessante Figuren, zwischen denen Spannungen herrschen, die man gespannt verfolgt. Dieses Salem entwickelt einen Sog, dem man sich schlecht entziehen kann, doch leider kommt die eigentliche Handlung nicht mit. Sie fängt spannend an: Sam hat Probleme mit den “Descendants” und, als sie in einem alten Schrank alte Briefe findet, kommt ihr auch noch Elijah in die Quere, ein Geist aus den Zeiten der Hexenprozesse.

Damit hätte man viel machen können, doch leider scheint die Autorin mit ihrer eigenen Geschichte kaum klarzukommen. Die Auflösungen, die man erhält, wirken an den Haaren herbeigezogen und Sams Entscheidungen konnte ich oft nicht nachvollziehen. Wieso will sie unbedingt, dass ihre ganze Schule weiß, dass sie Geister sehen kann? Wieso lässt sie sich auf die Descendants ein, obwohl sie weiß, dass die sie nur tolerieren oder teilweise sogar hassen? Vieles, das Sam tut, tut sie nur, damit die Handlung vorangeht, ohne, dass es Sinn ergibt und das ist schade.

LIEBESDREIECK, SO UNNÖTIG WIE EH UND JE
[CW: Suizid]

Hinzu kommt, dass ich Sams Beziehungen zu dem Nachbarsjungen Jaxon und auch zu Elijah recht problematisch fand. Jaxon wirkt am Anfang sehr nett und hilft Sam aus, macht dann aber eine 180°-Drehung und tut ein paar richtig fiese Dinge, die Begründung ist fadenscheinig. Elijah… Einerseits ist Elijah der typische “bad boy”, der damit durchkommt, die Heldin herumzuschubsen, weil er es doch gut meint und da klingeln bei mir schon alle Alarmglocken. Darüber hinaus ist Elijah einfach über 300 Jahre alt – und selbst, wenn er das nicht wäre, wäre er zu alt für die erst 15-jährige Sam. Alles an dieser “Beziehung” war gruselig und das leider nicht im guten Sinne.

Richtig gestört hat mich, dass Elijahs Tod ein Selbstmord war (das erfährt man relativ weit am Anfang, es ist kein großer Spoiler), das aber überhaupt nicht thematisiert wird. Er hat sich selbst umgebracht, weil er seine Schwester verloren hat und darauf wird gar nicht eingegangen, was ich wirklich unverantwortlich fand. Schließlich ist dieses Buch für Leser.innen ab 12 Jahren gedacht und da sollte man so harte Themen etwas verantwortungsvoller aufarbeiten und sie schon gar nicht so lapidar einbinden und als Schockeffekt benutzen.

Trotzdem ließ sich der Roman gut lesen. Wie gesagt, er entwickelt einen Sog und die Atmosphäre ist großartig. Mathers Beschreibungen machen Salem greifbar, düster und gleichzeitig gemütlich, verregnet und herbstlich. Auch mochte ich, dass “How to Hang a Witch” sich las wie klassische paranormal YA, wie sie in den frühen 2000ern angesagt war. Der Nostalgiefaktor war schön, aber ich fand es auch einfach angenehm, dass Sams Suche nach Antworten und die Hexen im Vordergrund standen und das (problematische) Love Triange nur im Hintergrund mitlief.

Leider macht Mather sich mit dem Ende dann alles selbst kaputt. Ich hatte das ja oben schon angesprochen. “How to Hang a Witch” hätte ein spannender, atmosphärischer YA-Roman sein können, der trotz kleiner Macken einen positiven Eindruck gemacht hätte. Das Ende ist aber so abgefahren und unglaubwürdig, dass ich eher enttäuscht zurückblieb. Denn das Ende verändert auch einiges, was vorher war und taucht es in ein eher negatives Licht, da vieles einfach keinen Sinn mehr ergibt. Ich wollte den zweiten Teil, der diesmal mit Adriana Mathers Familienbindungen zur Titanic zu tun hat, eigentlich lesen, aber nach diesem Ende glaube ich, dass ich die Reihe lieber abbreche.

Am Ende ist “How to Hang a Witch” durch Plotprobleme, problematische Liebesgeschichten und das absolut merkwürdige Ende leider sehr viel weniger “The Craft”, obwohl die Atmosphäre stimmt, und eher ein Jugendroman mit sehr viel ungenutztem Potential. Adriana Mathers Ideen sind großartig, die Atmosphäre ihres Salems ist großartig, aber ihre Umsetzung lässt einfach viel zu wünschen übrig. Diese Geschichte hätte einfach noch viel mehr Arbeit gebraucht und vor allem einen Plot, der auch am Ende noch Sinn ergibt. Und das ist schade, denn “How to Hang a Witch” fing sehr gut an und hätte mehr sein können, als das.


Für Fans von: The Craft, herbstlichen Mysteryromanen, Salem und seinen Hexen & klassischen paranormal YAs


BIBLIOGRAPHIE

How to Hang a Witch | How to #1 | Knopf Books, 2016 | 9780553539486 | 368 Seiten | Englisch

2 Kommentare bei „“How to Hang a Witch” von Adriana Mather | Englisch“

  1. Bitte entschuldige meine Ausdrucksweise, aber: ach, fuck!
    Bei der Inhaltsangabe hätte ich das Buch sofort, und ohne mit der Wimper zu zucken, gekauft. Es klingt absolut genial und exactly up my alley. Schade, dass es am Ende doch so eine Enttäuschung war.

    Ich meine… the Craft? ♥
    Einer meiner absoluten Lieblingsfilme in der Jugend.

    Deswegen sage ich es gern nochmal: ach, fuck 🙁

    1. Kann mich da nur anschließen. Wenn Bücher einfach schlecht sind, komme ich damit besser klar, als wenn man richtig spürt, dass was Gutes möglich gewesen wäre, aber das Potential einfach nicht genutzt wurde. 🙁

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