“The Past and Other Things That Should Stay Buried” von Shaun David Hutchinson | Englisch

17. April 2019Katriona

Dino doesn’t mind spending time with the dead. His parents own a funeral home, and death is literally the family business. He’s just not used to them talking back. Until Dino’s ex-best friend July dies suddenly—and then comes back to life. Except not exactly. Somehow July is not quite alive, and not quite dead. As Dino and July attempt to figure out what’s happening, they must also confront why and how their friendship ended so badly, and what they have left to understand about themselves, each other, and all those grand mysteries of life.


MEINE GEDANKEN

Ja, hm. Ich wollte Shaun David Hutchinson schon länger mal lesen, da er, zumindest in der englischsprachigen Buchwelt, im Moment ein Hype-Autor ist. “The Past and Other Things That Should Stay Buried”, sein neuster Roman, war dann auch der, der mich thematisch am meisten interessiert hat. Ich habe mir einen humorvollen, aber gleichzeitig etwas philosophischen Roman erwartet, denn das Thema ist komplex und schwierig: Dinos beste Freundin July stirbt mit 17 Jahren plötzlich an einem Aneurysma. Als sie wieder aufwacht, müssen Dino und sie sich all den Dingen stellen, über die sie im letzten Jahr gestritten und die ihre Freundschaft kaputt gemacht haben.

Am Ende ist “The Past and Other Things” aber nicht dieser Roman und das ist gleichzeitig ein Fall von It’s not you, it’s me, weil ich mir einfach etwas anderes erwartet habe, und von ungenutztem Potential, denn um seine Hauptthematik – Julys Tod und was dieser für Dino und für sie bedeutet – eiert der Roman bis zum bitteren Ende gekonnt herum. Und das ist es auch, was ich ihm wirklich übel nehme, denn ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass der Roman die Thematiken Tod und Sterben wirklich ernst nimmt. Es gibt ein paar gute, komplexe Gedanken dazu von Dinos Eltern und Schwester, die Bestatter sind, aber das war’s dann auch schon.

WORUM GING ES HIER NOCHMAL?

Mich stört sehr, dass es auf 300 Seiten nicht einmal darum geht, was ihr Tod für July bedeutet. Sie wacht beim Bestatter auf und streitet erst einmal ab, dass sie überhaupt tot ist. Als sie es dann einsieht, geht es nur darum, dass sie und Dino versuchen müssen, sie wieder tot zu bekommen. July hat eine eigene Ich-Perspektive (neben der von Dino) und nicht einmal dort spricht sie an, was sie überhaupt darüber denkt, mit nur 17 Jahren gestorben zu sein. Ist sie traurig? Wütend? Verdrängt sie es? Ich weiß es nicht, denn July redet fast schon kalt darüber, “richtig tot” sein und das irgendwie erreichen zu müssen.

Ich fand das schade und auch sehr unrealistisch. July erlebt das Trauma Tod bei Bewusstsein mit, aber es scheint überhaupt keine Auswirkungen auf sie zu haben, dass sie gestorben ist und bald noch einmal sterben wird. Das hat mich immer und immer mehr gestört, je näher das Buch dem unvermeidlichen Ende – Julys richtigem Tod – kam. Ich hätte so gern gewusst, wer July sein wollte, was für Ziele sie hatte, ob sie sauer ist, dass ihr ihr Tod das alles weggenommen hat. Auch in Dinos Ich-Perspektive fehlt mir, dass er sich mal fragt, wer July hätte werden können. Auch er zielt nur darauf ab, sie “richtig tot” zu kriegen, ohne mal darüber nachzudenken, was das für sie und ihn bedeuten wird.

Dazu kommt, dass das andere Hauptthema ebenfalls zu kurz kommt. July und Dinos kaputte Freundschaft. Anstatt vernünftig zu reden und sich auszusprechen, streiten die beiden von dem Moment an, in dem July beim Bestatter aufwacht. July ist uneinsichtig und versteht nicht, wo sie Fehler gemacht hat, Dino kann nur über sich reden und scheint sich gar nicht wirklich für sie zu interessieren, und am Ende wirkt ihre Freundschaft einfach nur toxisch. Wäre es die Botschaft gewesen, dass es okay ist, wenn Freundschaften enden, wäre das sehr cool gewesen, doch natürlich ist es nicht so.

Dann gibt es noch einen Nebenplot dazu, dass seit Julys Aufwachen niemand mehr stirbt. Dieser Nebenplot ist aber eigentlich komplett egal, denn er wird nur zwei, drei Mal nebenbei erwähnt und July und Dino unternehmen auch nichts, um darüber mehr herauszufinden und am Ende löst sich das Problem von allein. Ich weiß jetzt halt am Ende auch nicht, was der Roman eigentlich wollte. Er hat keinen roten Faden und keinen richtigen Plot. Dino und July fahren eigentlich größtenteils durch die Gegend und streiten, ohne, dass sie in ihrer Entwicklung weiterkämen. Immer wieder passieren total unglaubwürdige Dinge, nur, damit sich den beiden eine neue Schwierigkeit in den Weg stellen kann.

Deshalb hat “The Past and Other Things That Should Stay Buried” mich am Ende auch sehr ¯\_(ツ)_/¯ zurückgelassen, denn keiner der drei Handlungsfäden – Julys Tod, die kaputte Freundschaft zwischen ihr und Dino, dass niemand mehr sterben kann – führt zu irgendetwas oder hat wirkliche Konsequenzen. Stattdessen liegt der Fokus auf Dinos Beziehung zu seinem Freund Rafi oder auch mal auf dem Drama in Rafis Freundesgruppe, das mich überhaupt nicht interessiert hat, weil ich diese Figuren kaum kannte und sie mir auch nicht wichtig waren, schließlich sollte es doch um July und ihren Tod gehen.

KEINE FIGURENENTWICKLUNG & KEIN RICHTIGER PLOT

Dazu kommt leider, dass mir July sehr unsympathisch war. Sie hat eine eigene Ich-Perspektive, doch man lernt sie kaum kennen, da sie sehr viel handelt, aber sehr wenig denkt, und in Dinos Gedanken wirkt sie bis zum Ende sehr negativ. July ist cis und hetero und versteht nicht, warum sie keine Witze darüber machen sollte, dass Dino schwul ist und Rafi trans. Wenn Dino ihr zu erklären versucht, warum das nicht okay ist, ist ihre Standardantwort “So what?”. Er erklärt ihr auch immer wieder, dass er es nicht lustig findet, wenn sie sein Äußeres nutzt, um ihn zu verletzen und es kommt einfach nicht bei ihr an. Selbst am Ende nutzt sie seine “Hässlichkeit” noch als Waffe gegen ihn.

Ich nehme es Hutchinson auch ein wenig übel, dass der ganze Romane unterschwellig sehr fat shamey ist. Es ist nie ganz klar, ob July dick ist oder nicht. Es gibt Hinweise, sie spielt zum Beispiel Tracy Turnblad in ihrer High-School-Aufführung von “Hairspray”, aber dann am Ende heißt es, dass sie einfach “kurvig” wäre und ein anderes Mädchen nennt sie “Zombie Barbie”, was darauf schließen lässt, dass sie einen konventionell attraktiven Körper hat.

Dazu kommt, dass Dino ständig skinny shaming ankreidet, aber der Roman fat shaming nicht einmal erwähnt. Ich wünschte, Hutchinson hätte sich getraut, July als dick und gleichzeitig attraktiv zu beschreiben – und ich wünschte, er hätte die “kurvige” July nicht ständig dünnere Körper beleidigen lassen, als würden dickere Menschen das am laufenden Band tun, während July von allen für ihre Kurven beneidet wird und keinerlei fat shaming erfährt. In welcher Welt ist das so, Shaun David Hutchinson? Mal ehrlich.

Generell ist es einfach Julys Ignoranz und ihre Beratungsresistenz, die mich wütend gemacht haben. Denn Shaun David Hutchinson baut über Dino sehr wichtige Dinge ein, wie zum Beispiel den Umgang mit LGBTQ-Freund.innen, die bei July aber bis zum Ende auf Unverständnis stoßen. Sie ändert sich nicht. Gleichzeitig hört Dino ihr nie richtig zu. July erwähnt, dass sie ein sehr negatives Erlebnis mit Sex gemacht hat und anstatt sie zu fragen, ob sie darüber sprechen möchte, redet Dino weiterhin über sich und seine Beziehung mit Rafi. Beide sind am Ende extrem selbstsüchtig und einfach irgendwie nicht gut füreinander. Etwas, das der Roman kaum anspricht.

ALLES IN ALLEM EINFACH ¯\_(ツ)_/¯

Am Ende ist es aber vor allem der lapidare Umgang mit Julys Tod, der mich gestört hat. Es geht nicht darum, wer July war und wer sie sein wollte und wie sie und Dino mit ihrem Tod umgehen. Am Ende kann ich nicht einmal sagen, worum es stattdessen geht. Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und die sechseinhalb Stunden gingen schnell rum. Der Roman ist kurzweilig, lustig und unterhält gut, aber er weiß anscheinend selbst nicht so genau, was er eigentlich aussagen will und er wirkt sehr unfertig. Es gibt viele gute Ansätze, aber so gut wie keine Antworten auf die Fragen, die man als Leser.in entwickelt.

Pluspunkte gibt es aber für die sehr inklusive Gestaltung der Figuren. Dino ist schwul, sein Freund Rafi ist PoC und trans und es gibt noch einige weitere PoC- und queere Figuren, was ich sehr gelungen fand. Nicht so gelungen fand ich, dass Dino und July ständig über LGBTQ-Themen reden oder über Rafis Freund.innen oder über Dinos Beziehung mit Rafi, anstatt über Julys klitzekleines Problem, das sie tot ist und wieso sie trotzdem bei Bewusstsein ist. Ich finde es sehr wichtig, dass Romane über LGBTQ-Probleme aufklären, aber es wirkte hier fehl am Platz, weil es sehr viel mehr darum ging, als darum, was mit July passiert.

Deshalb ist meine Endwertung am Ende auch ¯\_(ツ)_/¯. Ich würde den Roman für die Diversity auf jeden Fall empfehlen, denn die ist sehr gelungen, aber darüber hinaus wird leider kaum ein Plotstrang zu Ende gedacht oder geführt und am Ende weiß ich einfach nicht, was die Aussage des Romans sein soll und was ich jetzt überhaupt über 300 Seiten gelesen/gehört habe, denn so wirklich etwas passiert ist nicht. Lest “The Past and Other Things That Should Stay Buried”, falls euch der Roman interessiert und vor allem, falls ihr euch mehr Romane mit queeren Held.innen wünscht, aber erwartet euch nicht zu viel.


BIBLIOGRAPHIE

The Past and Other Things That Should Stay Buried | Simon Pulse, 2019 | 9781481498579 | 304 Seiten | Englisch

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