“Famous Last Words” von Katie Alender | Englisch

24. April 2019Katriona

Willa is freaking out. It seems like she’s seeing things. Like a dead body in her swimming pool. Frantic messages on her walls. A reflection that is not her own. It’s almost as if someone — or something — is trying to send her a message. Meanwhile, a killer is stalking Los Angeles, a killer who reenacts famous movie murder scenes.

Could Willa’s strange visions have to do with these unsolved murders? Or is she going crazy? And who can she confide in? There’s Marnie, her new friend who may not be totally trustworthy. And there’s Reed, who’s ridiculously handsome and seems to get Willa. There’s also Wyatt, who’s super smart but unhealthily obsessed with the Hollywood Killer. All Willa knows is, she has to confront the possible-ghost in her house, or she just might lose her mind…or her life.


MEINE GEDANKEN

But I could be dangerous too.

Wer Young Adult, ein bisschen Horror und einen spannenden Kriminalfall sucht, macht mit “Famous Last Words” nichts falsch. Der Roman ist irgendwie unaufdringlich, erzählt einfach eine gute Jugendbuchgeschichte – und genau dafür mag ich ihn. Und für sein Setting: Als ihre Mutter einen halbwegs bekannten Filmproduzenten heiratet, verschlägt es Willa von der amerikanischen Ostküste in die Hollywood Hills: Sie lebt jetzt in einem Haus, das in den 1930ern eigens für eine berühmte Hollywoodschauspielerin gebaut wurde – in dem es spukt.

Zeitgleich macht ein Serienmörder Los Angeles unsicher: Er tötet junge Schauspielerinnen und stellt dabei berühmte Szenen aus Hollywoodklassikern nach. Es dauert nicht lang, bis Willa die letzten Momente dieser Frauen in traumartigen Visionen miterlebt. Ja, das ist alles ein bisschen Klischee und der Roman zieht das auch bis zum Ende durch: Visionen, fremde Gesichter im Spiegel, von allein laufende Wasserhähne, merkwürdige Botschaften an der Wand – Der Horror ist nicht unbedingt originell und ich fand ihn auch nicht besonders gruselig, aber er ist atmosphärisch.

Hier geht das Setting voll auf. Anstatt verregnetem Herbstnebel, den man im Genre ja doch sehr oft antrifft, setzt Katie Alender auf strahlenden, kalifornischen Sonnenschein im Frühling und auf Hollywoodglamour. Das Anwesen der Schauspielerin Diana Del Mar ist nicht verfallen und zugig, sondern Hollywoodluxus. Wenn sie gerade nicht von Geistern, die Rosenblüten im Haus verstreuen, heimgesucht wird, geht Willa mit ihrer neuen Freundin Marnie auf Filmpremieren und probiert glamouröse Outfits an. Das ist manchmal etwas platt, aber gleichzeitig hat es für mich einfach funktioniert. Wer sich schon immer gewünscht hat, dass Serien wie “OC California” einen Horrortwist gehabt hätten, sollte hier zugreifen.

ZU VIEL GLAMOUR, ZU WENIG GEIST?

Sehr gefallen hat mir die Beziehung zwischen Willa und Wyatt. Es gelingt Katie Alender die beiden ihre Konflikte haben zu lassen, ohne auf das “Bad Boy”-Trope zurückgreifen zu müssen. Wyatt ist am Anfang abweisend, das ist er aber zu allen. Die beiden streiten, aber nicht grundlos. Und vor allem interagieren sie auf Augenhöhe, wissen, wie man sich entschuldigt und, dass man über Probleme reden muss. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, doch das ist es im Genre nicht, weshalb es umso schöner ist, mal ein Buch zu lesen, in dem die Beziehung nicht ungesund oder sogar schon missbräuchlich ist.

Generell sind es die Figuren, die “Famous Last Words” so gut machen. Wyatt, aber auch Willa selbst, ihre Mutter, die in der neuen Ehe unsicher ist, oder Marnie, die viel lügt und der man kaum vertrauen kann. Auf ein paar Klischees hätte ich gern verzichtet. Willa glaubt, sie hätte ihren Vater umgebracht und man weiß einfach von Anfang an, dass das unbegründet ist und sie am Ende völlig schuldlos dastehen wird. Marnie erlügt sich eine Geschichte, dass Wyatt sie gestalked hätte. Es passt zu Marnies Charakter, ist aber etwas bitter, weil es in das Klischee spielt, dass Frauen, die von Belästigung erzählen, oft lügen würden.

Das sind “kleinere” Probleme im Vergleich zu den Kloppern, die das Genre sonst hervorbringt, aber es sind trotzdem Probleme, die den Roman ein bisschen weniger unterhaltsam machen, da er auch ohne diese müden Tropes funktioniert hätte. Sicherlich sogar besser. An sich hätte ich mir gewünscht, mehr über Marnie zu erfahren, doch der Plot lässt dafür leider keine Zeit. Das größte Problem von “Famous Last Words” ist dann wohl auch das Pacing. Es ist einfach ein bisschen awkward. Einmal habe ich mein Hörbuch sogar zurückgespult, weil ich dachte, ich hätte etwas verpasst, als der Roman einen merkwürdigen Sprung macht.

Generell kommt das, was mich am meisten interessiert hätte, ein bisschen zu kurz. Der Spuk in einem Hollywoodanwesen aus den 30ern hätte so atmosphärisch und unheimlich sein können, doch es gibt eigentlich nur 2-3 Instanzen, in denen wirklich gespukt wird. Der Fokus liegt eben doch auf der Thrillergeschichte rund um den “Hollywoodkiller” und für mich hat das nicht so richtig zu diesem Buch gepasst. Das ist natürlich aber Geschmackssache. Wer hier einen YA-Thriller erwartet, wird den bekommen, auch, wenn leider sehr vorhersehbar ist, wer der Mörder ist.

Wer aber, wie ich, den Geist aus dem Klappentext spannend findet und richtigen Horror erwartet, muss sich leider mit Klischeespuk und ein paar halbwegs gruseligen Begebenheiten zufriedengeben. Das Rätsel um den Geist, Diana Del Mar und das alte Haus fand ich jedoch deutlich weniger vorhersehbar und auch spannender, als die Frage danach, wer der Mörder ist. Hier konnte Katie Alender mich mehrmals überraschen und irgendwann wollte ich auch gar nicht mehr aufhören zu lesen. Leider erfährt man über Diana nicht allzu viel, doch das, was man erfährt, hat mir sehr gut gefallen.

HOLLYWOOD, (EIN BISSCHEN) KRITISCH BETRACHTET

Katie Alenders Blick auf Hollywood und ihr Umgang mit dem Konzept Serienkiller hat mir auch gefallen. Der Fokus liegt nicht wirklich auf dem Mörder, sondern auf den Mädchen, die er tötet und sie bekommen sogar eine Stimme: In Willas Visionen steckt sie im Kopf der Mädchen und man sieht die Situation durch ihre Augen. Sie sind nicht nur irgendwelche Namen, man lernt sie ein bisschen kennen, und obwohl das sicherlich noch besser gegangen wäre, gefällt mir das schon deutlich mehr, als die Faszination mit Tätern, die viele andere Romane in den Fokus rücken.

Die Mädchen sind nicht nur wehrlose Opfer, sondern Menschen mit eigener Motivation und Zielen. Ich habe bei Thrillern leider oft das Gefühl, dass die Opfer beinahe schon entmenschlicht gezeigt werden: Nur tote Objekte, im Mittelpunkt stehen Ermittler.innen und/oder Täter.innen. Das stört mich extrem, besonders bei tödlicher Gewalt gegen Frauen, und das passiert hier nicht. Ich würde “Famous Last Words” jetzt keine Kritik an Hollywoods Umgang mit jungen Mädchen und Frauen nennen, wie “American Girls” von Alison Umminger es war, aber das schwingt schon mit und das allein macht “Famous Last Words” besser als 99% aller “Serienmörder tötet Frauen”-Geschichten, die ich kenne, sorry, not sorry.

Generell mochte ich, dass Filmgeschichte und Old Hollywood eine Rolle gespielt haben. Das hätte aber ruhig noch öfter vorkommen dürfen, denn es steht doch eher am Rand. Der Mörder stellt berühmte Filmszenen nach und ein Film, der nie gemacht wurde, steht im Mittelpunkt, doch auch darüber erfährt man leider nicht allzu viel. Am Ende ist das aber wieder mal ein Fall von It’s not you, it’s me. Ich wollte einen sommerlichen Hollywood-Horrorroman über Hollywood in den 1930ern. “Famous Last Words” ist aber ein YA-Thriller mit Gruselelementen, der Filmgeschichte und dergleichen hier und da streift.

Am Ende hat mir der Roman als Unterhaltung für zwischendurch gut gefallen. Er ist leider sehr vorhersehbar und der Grusel zündet selten, aber die Figuren sind interessant und der trockene Schreibstil lässt einen die 320 Seiten (oder 8 Hörbuchstunden) förmlich inhalieren. Wer sich für den Roman interessiert oder schon immer mal wissen wollte, wie “O.C. California” oder “Beverly Hills” als Horrorthriller funktioniert hätten, sollte es mit “Famous Last Words” unbedingt versuchen, denn als Young-Adult-Roman, der eben auch viele Genretropes mitnimmt, ist “Famous Last Words” sicherlich eins der besseren Bücher, zu denen man greifen kann.


Für Fans von: Hollywoodglamour, Filmgeschichte, “O.C. California”, und Geschichten über die dunklen Seiten von Los Angeles


BIBLIOGRAPHIE

Famous Last Words | Scholastic, 2014 | 9780545835626 | 320 Seiten | Englisch

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Letzter Post

"The Past and Other Things That Should Stay Buried" von Shaun David Hutchinson | Englisch

17. April 2019

Nächster Post

Mehr Meer: Eine Mini-Lese-Challenge

1. Mai 2019

Privacy Policy Settings