“These Rebel Waves” von Sara Raasch | Englisch

29. Mai 2019Katriona

Adeluna is a soldier. Five years ago, she helped the magic-rich island of Grace Loray overthrow its oppressor, Agrid, a country ruled by religion. But adjusting to postwar life has not been easy. When an Argridian delegate vanishes during peace talks with Grace Loray’s new Council, Argrid demands brutal justice—but Lu suspects something dangerous is at work.

Devereux is a pirate. As one of the stream raiders who run rampant on Grace Loray, he scavenges the island’s magic plants and sells them on the black market. But after Argrid accuses raiders of the diplomat’s abduction, Vex becomes a target. An expert navigator, he agrees to help Lu find the Argridian—but the truth they uncover could be deadlier than any war.

Benat is a heretic. The crown prince of Argrid, he harbors a secret obsession with Grace Loray’s forbidden magic. When Ben’s father, the king, gives him the shocking task of reversing Argrid’s fear of magic, Ben has to decide if one prince can change a devout country—or if he’s building his own pyre. As conspiracies arise, Lu, Vex, and Ben will have to decide who they really are . . . and what they are willing to become for peace.


MEINE GEDANKEN
Abgebrochen nach ca. 50%

„These Rebel Waves“ ist ein Buch, das ich eigentlich hätte lieben müssen: Eine Piratengeschichte, politische Intrigen, queere Figuren, eine interessante Welt… Deshalb bin ich umso enttäuschter, dass der Roman seine Versprechen nicht halten kann. Und, bevor ich genauer darauf eingehe, was ich mochte und was nicht, kann ich sagen, dass das an zwei Dingen liegt: Dem einmal mehr undurchdachten Weltenbau und der Distanz, die ich von Anfang bis Ende zu den drei Hauptfiguren empfunden habe: Die Soldatin und Politikerin Adeluna, der Kronprinz Ben und der „Pirat“ Vex.

Darüber hinaus ist hier einfach nicht drin, was draufsteht. „These Rebel Waves“ spielt einem vor, es wäre ein Piratenabenteuer auf hoher See. Dabei spielt der Großteil der Handlung tatsächlich an Land und, darüber bin ich fast schon beleidigt, es gibt gar keine Piraten. Vex ist ein „raider“, ein Plünderer, der magische Pflanzen stiehlt und in Argrid, wo Magie verboten ist, auf dem Schwarzmarkt verkauft. Dafür muss er von der Insel Grace Loray schon mal mit dem Boot nach Argrid fahren, aber daraus wird dann auch keine Piraterie mehr.

DIE SIEBZEHNJÄHRIGE SUPERSPIONIN

Die Sache ist, dass ich „These Rebel Waves“ trotzdem hätte lieben können, denn im Kern steckt eine Geschichte, für die ich mich begeistern könnte: Die regimetreue Politikerin Adeluna befreit den zum Tode verurteilten, gefürchteten Plünderer Vex aus dem Gefängnis, da sie weiß, dass sie nur mit seiner Hilfe einen Krieg verhindern kann. Ich liebe dieses Gespann, gegensätzliche Figuren, die zusammenarbeiten müssen, und ich hätte auch Vex und Luna mögen können, wäre dieser Roman nicht so durch und durch Young Adult. Und damit meine ich nicht, dass er für Jugendliche ist.

Aber ich frage mich langsam, wer das glauben soll. Adeluna ist mit siebzehn Jahren: Meisterspionin, Soldatin, ausschlaggebende Revolutionärin, geschätzte Politikerin, talentierte Giftmischerin… Vex ist ebenfalls erst neunzehn Jahre alt und bereits der gefürchtetste Raider überhaupt – obwohl er nie Gewalt anwendet und betont, dass er zu fairen Preisen verkauft. Außerdem ist er erst seit einem Jahr im Geschäft. Das macht alles genau gar keinen Sinn – Hätte es aber, wenn die Figuren einfach 10-15 Jahre älter gewesen wären und mehr Erfahrung hätten sammeln können.

Dann bleibt noch Ben, der dritte Perspektivträger, der leider vorn und hinten über ist. Ben ist Kronprinz von Argrid, wo Ketzer für das Anwenden von Magie verbrannt werden, und gerät selbst in Verdacht, was dem 19-jährigen den wunderschönen Titel Ketzerprinz einbringt. Hand aufs Herz, ich fand Bens Story spannender, als die von Adeluna und Vex und hätte lieber eine komplexe Geschichte über diesen Konflikt gelesen.

Stattdessen findet Bens Geschichte irgendwie komplett abseits von der eigentlichen Handlung statt: Adeluna und Vex suchen einen entführten Diplomaten, um den Krieg zu verhindern. Ben sitzt in Argrid, erforscht magische Pflanzen, wird beinahe vom wütenden Mob getötet, hat Ärger mit seinem Vater, dem König – Was das jetzt mit der eigentlichen Handlung zu tun hat? Das weiß ich immer noch nicht und das ärgert mich, denn die interessanteste Figur dieses Romans existiert irgendwie komplett außerhalb seiner Handlung und wird regelrecht verschwendet.

VERPASSTE CHANCEN: DIE TROPES SIND HUNGRIG

Auch die Welt hat mich leider nicht komplett packen können. Mir hat die Idee gefallen, denn Grace Loray und Argrid erinnern an Karibik und Spanien im 16. Jahrhundert. Aber irgendwie erinnern sie dann wieder zu sehr an diese Konstellation, denn Argrid ist stark religiös, hat einen „pious god“, verbrennt Ketzer, um ihre Seelen zu reinigen, Geistliche sprechen Latein, in der Kirche werden Hymnen gesungen, es gibt eine Inquisition… Wenn ich einen Roman über fanatischen Katholizismus lesen möchte, lese ich einen historischen Roman über die Frühe Neuzeit. Von Fantasy erwarte ich mir da mehr eigenes.

Gut fand ich, dass Sara Rasch eine Fantasywelt schreibt, in der weder Queerphobie noch Misogynie zu existieren scheinen. Alle Geschlechter sind gleichberechtigt und queere Menschen können genauso heiraten und leben, wie nicht queere Menschen. Leider bringt uns das nullkommagarnix, denn Sara Raasch findet trotzdem einen Weg, eine tragische, verbotene queere Romanze einzubauen. Weil es musste ja sein. Wieso können Autor.innen sich nicht vorstellen, dass eine queere Liebesgeschichte auch einfach mal positiv verlaufen kann? Es ist langsam einfach nur noch anstrengend…

Kronprinz Ben ist mit einer seiner Wachen, Jakes, zusammen, aber die beiden dürfen das nicht, wegen der Standesunterschiede(tm). Sie ergehen sich dann auch in allen gemeinsamen Kapiteln darüber, wie verboten ihre Beziehung ist und wie schlimm das alles ist. Auch, wenn hier ausnahmsweise mal nicht die Queerness selbst der Grund für doom and gloom ist, es trifft doch wieder das queere Paar. Das andere queere Paar, die Raiderinnen Edda und Nayeli, dürfen zwar einfach zusammen sein, ihre Beziehung kommt aber so wenig vor, dass man überlesen kann, dass sie überhaupt ein Paar sind.

Das fand ich sehr enttäuschend, weil Raasch hier die Chance verspielt hat, mit dem Trope der unglücklichen, Leid bringenden queeren Beziehung aufzuräumen. Ihr Weltenbau lässt das zu, sie als Autorin nutzt aber trotzdem alte Klischees um billiges Drama zu erzeugen. Sie hätte das mit Edda und Nayeli ausgleichen können, doch sie tut es nicht. Stattdessen stehen die Flirtereien zwischen Vex und Adeluna im Mittelpunkt. Gut fand ich jedoch, dass Sara Raasch die beiden zumindest in diesem ersten Band noch in keine Romanze zwingt.

Ebenfalls unangenehm fand ich jedoch ihren Umgang mit den verschiedenen Ethnien ihrer Welt. Die Figuren können immer an Hautfarbe/Haarfarbe erkennen, aus welchem Land eine Figur kommt und Sara Raasch scheint regelrecht fixiert darauf, diese ethnischen Unterschiede zu beschreiben. Adeluna zum Beispiel hat braune Haut, was ihre argridische Herkunft verrät, Figuren sehen aber am rötlichen Unterton immer, dass sie auch Wurzeln in Tuncay hat. Dabei tanzt die Autorin leider immer geschickt darum herum, ob man die Figuren als PoC lesen soll, oder nicht.

Noch schlimmer: Immer, wenn eine neue Figur auftaucht, wird zuerst analysiert, woher sie aufgrund ihres Aussehens kommen muss. Das ist einerseits super unangenehm zu lesen, andererseits ergibt es auch keinen Sinn, dass sich die verschiedenen Ethnien bei winzigen Nachbarländern (!) so streng an die Ländergrenzen halten sollen. Es geht hier um sehr kleine Länder, die nebeneinander liegen und Raasch will uns weismachen, dass es so wenig Migration gibt, dass man die Herkunft buchstäblich am Gesicht ablesen kann? Ich glaube nicht.

WUNDERBOHNEN UND UNAUSGEGORENER WELTENBAU

Am meisten enttäuscht es mich aber tatsächlich, dass im Kern eine spannende Geschichte voller politischer Intrigen steckt. Sie wird nur leider unter einer Lawine aus nicht durchdachtem Weltenbau, Infodumping zu politischen Gegebenheiten und Deus-ex-Machina-Magie begraben. Dass die Magie in dieser Welt in Pflanzen steckt, fand ich spannend, doch leider kann Magie hier auch mal wieder alles und immer, wenn es für die Held.innen nicht weitergeht, zaubert die begabte Giftmischerin und Botanikerin Adeluna von irgendwo eine magische Pflanze her, die helfen kann.

Sie muss Vex befreien? Gut, dass sie eine Pflanze kennt, die Eisen schmelzen kann. Sie stehen an einer Klippe und müssen nach unten? Gut, dass Adeluna eine Blüte dabei hat, die einen für kurze Zeit fliegen lassen kann. Sie müssen jemanden beschatten? Super, es gibt doch diese magischen Bohnen, mit denen das geht!

Das ist besonders albern, weil diese Bohnen völlig deus ex machina auftauchen. Am Anfang heißt es, Adeluna sei als Kind zur Spionin ausgebildet worden, damit sie Erwachsene beschatten kann. Später heißt es, man hätte die Bohnen während der Revolution ganz viel benutzt. Warum man ein Kind (!) zum Spionieren in gefährliche Situationen schicken musste, wenn man die ganze Zeit diese coolen Superbohnen hatte? Niemand weiß es. Ich habe subtile, spannende botanische Magie erwartet. Bekommen habe ich Wunderpflanzen, die einfach alles können. Naja.

Am Ende krankt “These Rebel Waves” an denselben Ecken und Enden, wie so viel YA-Fantasy. Es ist, als hätte sich jemand gedacht: “Das ist nur für Jugendliche, das können wir so lassen.” Alles wirkt ein bisschen unausgegoren, die Figuren bleiben blass und sind nur durch das zu charakterisieren, was sie schon mit 17 super toll können, Weltenbau und Magiesystem stehen im Hintergrund, weil da muss man für Jugendliche keine Arbeit reinstecken, die nehmen das schon hin, ne? Ne?! Das ärgert mich, weil Geschichten mit Potential, die einfach ein bisschen mehr Arbeit gebraucht hätten, so halbfertig auf den Markt geschleudert werden.

Und so eine Geschichte ist “These Rebel Waves”. Wie gesagt, eigentlich hätte ich dieses Buch lieben müssen. Queere Figuren, ein Bösewicht mit goldenem Herzen, eine toughe Soldatin, politische Intrigen, es ist alles da, was ich bräuchte, um glücklich zu sein. Am Ende ist alles aber so wenig durchdacht und vor allem so unnötig breitgetreten, dass ich den Roman abgebrochen habe. Er hat mir an sich nichts getan, außer mich zu langweilen und das ist das große Problem. Es wird einen zweiten Teil geben und das ist dann insult to injury, weil der Plot von “These Rebel Waves” so verwaschen und künstlich langgezogen ist, dass in den 52%, die ich gelesen habe, noch nichts Plotrelevantes passiert war.

Heißt das, ich empfehle das Buch nicht? Jein. Ich denke, es ist so ein Buch, mit dem es jeder, der sich dafür interessiert, selbst versuchen sollte. Bei mir konnte es leider keinen Blumentopf gewinnen, aber vielleicht funktioniert es für euch ja besser. Wenn ihr euch jetzt denkt: “Das Buch klingt interessant und nichts, was Kat sagt, finde ich besonders schlimm”, dann greift ruhig zu. Für mich war “These Rebel Waves” nur leider nichts und das ist besonders traurig, weil es so viel Potential und alles hatte, was ich normalerweise feiern würde.


BIBLIOGRAPHIE

These Rebel Waves | Stream Raiders #1 | Balzer + Bray, 2018 | 9780062471505 | 480 Seiten | Englisch

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Letzter Post

"The Past and Other Things That Should Stay Buried" von Shaun David Hutchinson | Englisch

17. April 2019

Privacy Policy Settings