“Run” von Kody Keplinger | Englisch

26. Juni 2019Katriona

Bo Dickinson is a girl with a wild reputation, a deadbeat dad, and a mama who’s not exactly sober most of the time. Everyone in town knows the Dickinsons are a bad lot, but Bo doesn’t care what anyone thinks. Agnes Atwood has never gone on a date, never even stayed out past ten, and never broken any of her parents’ overbearing rules. Rules that are meant to protect their legally blind daughter—protect her from what, Agnes isn’t quite sure.

Despite everything, Bo and Agnes become best friends. And it’s the sort of friendship that runs truer and deeper than anything else. So when Bo shows up in the middle of the night, with police sirens wailing in the distance, desperate to get out of town, Agnes doesn’t hesitate to take off with her. But running away and not getting caught will require stealing a car, tracking down Bo’s dad, staying ahead of the authorities, and—worst of all—confronting some ugly secrets.


MEINE GEDANKEN

Nachdem mir “That’s Not What Happened” so gut gefallen hat, wollte ich natürlich mehr von Kody Keplinger lesen. Meine Wahl fiel auf “Run”, denn wie sollte es anders sein: “Run” ist ein Roadtriproman der etwas anderen Sorte. Bo und Agnes sind auf der Flucht, denn die Polizei ist hinter ihnen her und in den Nachrichten werden Fotos von ihnen gezeigt. Doch viel mehr geht es um die schwierige Freundschaft zwischen den beiden Mädchen, um Vertrauen und um kaputte Familien.

Ich hätte ehrlich gesagt nie gedacht, dass sich Kody Keplinger für mich zu einer Lieblingsautorin entwickeln könnte, nachdem ich ihr Debüt “The DUFF” (dt. “Von wegen Liebe”) überhaupt nicht mochte, doch mittlerweile ist Kody Keplinger eine Advokatin für die Body-Positivity-Bewegung und eine Mitbegründerin der Organisation “Disability in KidLit”, die sich für Repräsentation von Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen in der Literatur einsetzt und schreibt Romane voller richtig guter Repräsentation und komplexen Figuren.

WÄRME, COUNTRY MUSIC & SCHWIERIGE THEMEN
[CW: Drogenmissbrauch, Slutshaming]

Dass Kody Keplinger selbst blind ist und “Run” somit ein Own-Voices-Roman habe ich erst vor Kurzem durch ein Interview erfahren. Genau wie die Autorin hat eine der beiden Ich-Erzählerinnen, Agnes, LCA – Sie ist blind und kann nur schwache Formen ausmachen, weshalb ihre Eltern sie wie ein kleines Mädchen behandeln, das vor allem beschützt werden muss. Aus dieser Rolle versucht Agnes immer wieder auszubrechen, was ihr in ihrer sehr religiösen Kleinstadt mitten in den Südstaaten schwer gemacht wird.

Die andere Ich-Erzählerin, Agnes’ beste Freundin Bo, ist bisexuell und kommt aus einer sehr armen Familie mit schlechtem Ruf. Bos Mutter ist drogensüchtig, ihr Vater ist abgehauen und Bo selbst sieht sich immer wieder mit Slutshaming und Gerüchten konfrontiert. Beide Mädchen wollen die Stadt hinter sich lassen, können aber aus verschiedenen Gründen nicht ausbrechen. Bis Bo eines Nachts vor Agnes’ Tür steht, die Polizei auf ihren Fersen, und sie gemeinsam die Flucht antreten.

Was ich an “Run” neben der gut geschriebenen Repräsentation sehr geliebt habe, war das Setting. Mursley in Kentucky im Hochsommer wird richtig lebendig und man kann die Stadt, die Wälder und die Highways, auf denen Agnes und Bo bald unterwegs sind, richtig vor sich sehen, genauso wie die schmutzigen Motels und die Bergstraßen in den Appalachen. Im Radio läuft Country und besonders Bos Ich-Perspektive ist im Südstaaten-Dialekt gehalten, ohne, dass es zu viel des Guten wird. (“I want to […] But then I think… if there is a God, he’s done forgot about the Dickinsons.”)

Auch Agnes hat ihre eigene Art zu sprechen, die ebenfalls durch Kentucky geprägt ist, aber auf andere Weise als bei Bo, da sie gutbürgerlich aufgewachsen ist, mit Eltern, die jeden ihrer Schritte kontrollieren und sie als eine Art Engel wahrnehmen, der Agnes nicht sein will. “Run” behandelt einige schwierige Themen, doch die Stimmen der beiden Mädchen strahlen trotzdem eine ganz eigene Wärme aus und besonders die enge, aber komplizierte Freundschaft zwischen ihnen sorgt dafür, dass der Roman trotz der schwierigen Themen irgendwie Feel-Good ist.

Das hat mir einerseits sehr gut gefallen, andererseits war ich aber auch ein bisschen enttäuscht, als nach und nach rauskam, warum die Polizei hinter den Mädchen her ist und was Bo wirklich will – Denn sie sagt Agnes, dass sie mit ihr ein neues Leben anfangen will und deshalb abhaut, doch es ist von Anfang an klar, dass sie lügt. Ich fand die Auflösung authentisch und auch gelungen, hatte aber irgendwie mit etwas mehr Wucht gerechnet, nachdem die Geheimnisse so spannend eingebaut wurden.

EIN BUCH FÜR EINEN SOMMERNACHMITTAG

Der Roman ist immer abwechselnd aus Bos und Agnes’ Sicht erzählt, wobei Bo im Präsens von ihrer Flucht durch Kentucky berichtet und Agnes im Präteritum davon, wie sie sich vor einem Jahr kennengelernt haben und wie es über die Monate dazu gekommen ist, dass sie abhauen mussten. Das fand ich wunderbar, denn es hat dafür gesorgt, dass ich den Roman nicht weglegen konnte. Ich dachte immer, ich höre nach dem nächsten Kapitel auf, doch daraus wurde nichts, bis die letzte Seite erreicht war.

Mit knapp 290 Seiten ist “Run” ein recht kurzer Roman, den man in drei oder vier Stunden auslesen kann, aber das ist okay, denn die Geschichte braucht nicht mehr Seiten und wirkt komplex und rund. “Run” ist ein Roman für einen heißen Sommernachmittag, der einen trotz schwierigen Themen und dem bittersüßen Ende mit einem guten Gefühl zurücklässt und besonders Leser.innen gefallen wird, die Roadtrips und Südstaatenästhetik mögen.

Die Repräsentation, im Falle von Agnes’ Blindheit Own-Voices, ist auch sehr gelungen. Bos Bisexualität kommt nur selten auf den Tisch, doch ich fand interessant, wie sie ihre Sexualität im Kontext zu ihrer Herkunft aus einer stark religiösen Kleinstadt sieht. Hätte ich es gut gefunden, wenn “Run” eine Liebesgeschichte zwischen Bo und Agnes gewesen wäre? Absolut. Am Ende finde ich es aber gar nicht so schlecht, dass “Run” eine andere Art von Liebe in den Vordergrund rückt und Bo trotzdem queer ist, auch, wenn sie keine Liebesgeschichte bekommt.

“Run” mag einige harte Themen auf den Tisch bringen, bleibt am Ende aber doch ein Roman, der ans Herz geht und eine eigene Wärme ausstrahlt, die irgendwie hoffnungsvoll macht. Für Bo und Agnes, aber auch für das wahre Leben. Ich würde den Roman allen Leser.innen empfehlen, die YA Contemporaries mögen. Man kann hier nicht viel falsch machen.


Für Fans von: Sommerlichen YA-Romanen mit komplexen Themen, Roadtrips & Büchern über Freundschaft


Repräsentation: Bo ist bisexuell. Agnes hat LCA, ist also blind.


BIBLIOGRAPHIE

Run | Scholastic Press, 2016 | 9780545831130 | 288 Seiten | Englisch

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