• Teegedanken

    Der historische Roman im Stillstand

    Foto: Darren Coleshill / Unsplash

    In letzter Zeit komme ich bei historischen Romanen oft nicht über die Hälfte des Buches hinaus. Ich bin jemand, der Bücher ungern abbricht, aber ich zwinge mich auch nicht Geschichten fertig zu lesen, die für mich keinen Reiz haben. Und leider ist genau das auch das Problem: Das Histo-Genre, das in Deutschland noch immer einen großen Teil des Angebots an Büchern stellt, wird reizloser und reizloser – zumindest für meine Generation, Menschen zwischen 20-35. Denn anscheinend geht das nicht nur mir so: Als ich vor ein paar Wochen auf Twitter gefragt habe, was denn in den Augen der LeserInnen die Probleme des Genres sind, habe ich viele Antworten bekommen, die mir aus der Seele gesprochen haben und die mich haben überlegen lassen, was genau das Genre, das ich einst so geliebt habe, für mich mittlerweile so wenig ansprechend macht – und was es mir überhaupt noch bieten kann.

  • Teegedanken

    Queerness & Young Adult: Was mir noch fehlt

    Vor einigen Wochen gab es auf Twitter und auf einigen Blogs eine interessante Diskussion dazu, ob nicht-queere AutorInnen überhaupt queer schreiben sollten, aus der ich viel mitgenommen habe. Darüber möchte ich heute aber nicht noch einmal schreiben, denn für mich hat sich aus der Diskussion eine ganz andere Frage ergeben und die war zumindest für mich so komplex und schwer zu beantworten, dass ich an diesem Post jetzt seit der Diskussion arbeite: Ist die Darstellung von queeren Jugendlichen in der Young-Adult-Literatur eigentlich ausreichend? Machen wir das richtig? Gibt es hier überhaupt ein richtig und ein falsch?

    Dass es mittlerweile im Vergleich zu noch vor zwei, drei Jahren so viele queere Hauptfiguren im Jugendbuch gibt, ist natürlich ein Grund sich zu freuen, denn das war bis vor ein paar Jahren noch gar nicht möglich. Mittlerweile gibt es einige Titel, in denen queere Figuren und queere Liebesgeschichten eine große Rolle spielen, hauptsächlich in zeitgenössischen Coming-of-Age-Geschichten. Dass das toll ist, muss ich hoffentlich gar nicht erst dazu sagen. Was mir aber im Magen liegt, ist die Darstellung queerer Figuren in diesen Romanen. Ja, wir sind großteils weg vom Klischee der ewig unglücklichen queeren Figur, deren Leben in einer Tragödie endet. Wir sind aber noch nicht weg von ein paar anderen Dingen, die ich persönlich eher unglücklich finde, die sich aber durch die Romane ziehen.

  • Teegedanken

    Young Adult… und was dann?

    Foto: Rawpixel / Unsplash

    Wieso lese ich eigentlich so gern Young Adult? Ich glaube, diese Frage stellt man sich zwingend, wenn man so langsam wirklich der Zielgruppe entwächst, aber weiterhin YA-Bücher bevorzugt. Was hält mich als LeserIn Mitte zwanzig oder älter in diesem Genre? Ich habe mir diese Frage persönlich schon öfter gestellt und, da ich viele Leute kenne, die ebenfalls bei YA bleiben, egal, wie alt sie sind, habe ich versucht, sie zu beantworten. Dafür habe ich in meinem Freundeskreis und auf Twitter nachgefragt, welche Gründe es für oder auch gegen YA gibt und dabei sind mir noch einige interessante Punkte untergekommen und es hat sich eine ganz andere Frage gestellt: Young Adult… und was dann? Aber dazu später mehr.

  • Teegedanken

    Wo sind eigentlich die queeren Mädchen?

    Foto: Rawpixel / Unsplash

    Es hat sich so viel verändert in den letzten zehn Jahren. 2008 musste man Romane mit queeren HeldInnen noch mühsam suchen. Ich erinnere mich an ganze Abende, die ich auf der Suche nach queerer YA auf Goodreads zugebracht habe, die Ausbeute war nicht besonders üppig. Heute ist das anders. AutorInnen wie Adam Silvera, Becky Albertalli und Mackenzi Lee legen clevere, positive und mitreißende Jugendbücher vor, mit Helden, die queer sein dürfen. Und das ist unglaublich toll. Aber die Betonung liegt dann doch auf Helden. Männlich. Die meisten queeren Jugendlichen in der neuen inklusiven Young-Adult-Literatur sind männlich. Zumindest die, die gehyped werden, allen voran natürlich Becky Albertallis Simon aus “Nur drei Worte” und Mackenzi Lees Monty aus “Cavaliersreise”, die Helden der beiden in letzter Zeit wohl am meisten gelobten Jugendbücher mit queeren Helden.

    Ganz generell scheint der Mainstream queere Jugendliche eher zu akzeptieren, wenn sie männlich sind, und das nicht nur in der Buchwelt. Während die Verfilmung von “Nur drei Worte”, “Love, Simon”, eingeschlagen ist wie eine Bombe, musste “The Miseducation of Cameron Post”, der die Geschichte eines lesbischen Mädchens in den 1990er Jahren erzählt, richtig darum kämpfen, überhaupt in die Kinos zu kommen, obwohl der Film einen Preis auf dem Sundance abgesahnt hat. Und da stellen sich zwei Fragen: Wo sind sie, die queeren Mädchen der Young-Adult-Literatur? Und wieso nehmen wir sie weniger begeistert an, als ihre männlichen Pendants?

  • Teegedanken

    Weshalb Diversity im historischen Roman nicht unmöglich ist

    Foto: Rawpixel / Unsplash

    Ich habe zu diesem Thema nun schon zweimal geschrieben: Einmal dazu, warum es historische Korrektheit eigentlich gar nicht gibt, und einmal zum Problem der Histo-Fiktion mit queeren Figuren, das sich hartnäckig hält. Um die beiden Artikel sozusagen abzurunden, möchte ich heute noch einmal eine Aussage und ein Thema aufgreifen, die damit eng zusammenhängen. Denn selbst AutorInnen (und natürlich auch ganz generell LeserInnen), die einerseits nicht anzweifeln, dass es nicht-weiße oder queere Menschen in der Vergangenheit gegeben hat, bauen sie nur allzu selten in ihre Histos ein und oft passiert das mit einer von zwei Begründungen: “Es ist ja doch trotzdem unwahrscheinlich, dass es ausgerechnet in meinem Setting PoC oder queere Menschen gegeben hat” und “Aber wenn ich sowas einbauen würde, müsste ich mich daran halten, wie das Leben damals halt für diese Menschen war und das will doch keiner lesen!”

    Dass ich mit diesem generellen “damals” so meine Probleme habe, wissen wir ja bereits. Warum diese Aussagen für mich aber auch darüber hinaus nicht ziehen, möchte ich heute nochmal genauer erläutern, denn ich glaube, dass bei vielen AutorInnen gar kein böser Wille hinter solchen Aussagen steckt, sondern doch eher eine gewisse Ignoranz, die gar nicht sein muss. Aber generell gilt: Ihr wollt einen diversen historischen Roman schreiben? Dann traut euch einfach! Wie? Naja, vielleicht so:

  • Teegedanken

    Warum spielt eigentlich alles in den USA?

    Foto: Ian Dooley / Unsplash

    Hand aufs Herz: Als ich als Teenager meine ersten literarischen Gehversuche gemacht habe, habe ich über das Setting gar nicht groß nachgedacht: USA natürlich! New York City, um genau zu sein, denn dort spielte das absolute Lieblingsbuch meines dreizehnjährigen Ichs, Meg Cabots “Plötzlich Prinzessin”.  Erst mit der Zeit habe ich begonnen, mir auch mal andere Schauplätze für meine Geschichten auszugucken und gleichzeitig habe ich auch beim Lesen immer mehr darauf geachtet, wo die Romane eigentlich spielen.

    Und ein Großteil spielt eben in den USA, oder genauer gesagt: “Irgendwo in Amerika”, denn meist ist der Handlungsort von Urban Fantasy und Young Adult irgendeine kleine, fiktive Stadt im Nirgendwo, wenn es nicht eine der gängigen amerikanischen Großstädte ist. Warum das so ist, ist denke ich ziemlich leicht zu beantworten: Amerikanische Literatur bestimmt den Markt und die meisten Bücher, die wir in die Hände bekommen, stammen nun einmal von amerikanischen AutorInnen. Dass das auch deutsche AutorInnen in der Wahl ihres Settings beeinflusst, ist ganz normal und ich habe damit auch überhaupt kein Problem. Allerdings würde ich schon gern auch mal andere Settings sehen und ein paar Dinge stören mich an diesem Trend auch und darum soll es heute gehen.

  • Teegedanken

    “Damals” war oft anders: Historisch korrekt ist kein Argument

    Foto: Aga Putra / Unsplash

    “Damals war das aber so!” Wer hat das im Diskurs um historische Fiktion noch nicht gehört? Meist wird dieser kleine, so frustrierende Satz als Totschlagargument eingeworfen, damit man die Diskussion endlich gewinnt, denn wer kann schon gegen historische Korrektheit argumentieren? Ich. Und ihr auch! Denn dieses “damals”, das angeblich so oder so war, war oft anders als gedacht und ist auch gar nicht so leicht zu definieren, wie man glauben möchte.

    Eine der ersten Lektionen, die ich in meinem Geschichts- und Archäologiestudium gelernt habe, ist, dass es oft keine eine Wahrheit geben kann, wenn man über Geschichte spricht, und je weiter man in der Zeit zurückschaut, umso mehr wird Geschichte zur Interpretationsarbeit, zum Zusammensetzen kleinster Teilchen zu einem Puzzle, von dem die meisten Stücke fehlen. Wenn man mit Geschichte arbeiten will, auch als AutorIn, muss man sich bewusst machen, dass einem niemand klare Antworten liefern wird, wenn man zu recherchieren beginnt. Es gibt kein “Damals war das so!”. In den seltesten Fällen lässt sich ein historisches Ereignis wirklich eins zu eins rekonstruieren – und für historische Gesellschaften gilt das sowieso.

  • Teegedanken

    Verwischte Grenzen: Wenn Literatur toxisch wird

    Foto: Juja Han / Unsplash

    Ich wollte mich aus dieser Debatte eigentlich raushalten. Doch schon seit Nina Hasses Post zu Pseudoromantik in der Literatur beschäftigt sie mich und jetzt, da die Diskussion einmal mehr hochkocht, möchte ich auch – kurz – Stellungsnahme dazu beziehen, denn es ist ersichtlich geworden, dass sie nicht so bald vorbei sein wird. Und das finde ich auch wichtig. Denn sie kommt ja nicht umsonst zu einem Zeitpunkt, zu dem unsere Gesellschaft sich endlich im Allgemeinen mehr mit Problematiken wie Missbrauch oder dem Ausnutzen von Machtpositionen, siehe Hollywood, auseinandersetzt.

    Warum sage ich jetzt was, obwohl es schon hunderte vor mir getan haben? Weil mir das Thema wichtig ist. Sehr wichtig sogar, so wie mir viele Themen wichtig sind. Ich prangere zum Beispiel auch Homophobie in Romanen oder Rassismus auf diesem Blog immer wieder an und ich bin es mittlerweile gewohnt, dass auf meine Bedenken mit einem Augenrollen und einem “Das ist doch alles nicht sooo schlimm” geantwortet wird, aber ich werde trotzdem weiter darauf hinweisen, wenn mir Romane homophobe und rassistische Inhalte – oder eben misogyne und toxische Romantikbilder – unterschieben wollen. Ich bin an einem Punkt, an dem ich das nicht mehr mit “Aber der Rest des Romans war doch so gut” abtun kann. Und deshalb auch dieser Post.

  • Teegedanken,  Treibgut

    Wieso ich ein glücklicher Nanowrimo-Loser bin

    Foto: Jeshoots / Unsplash

    Diesen November ging eigentlich alles schief, was schiefgehen konnte. Es war einmal mehr Nano – National Novel Writing Month, in dem AutorInnen aus aller Welt versuchen, 50.000 Wörter in einem Monat an einem Roman zu schreiben. Letztes Jahr habe ich gewonnen und so die erste Hälfte für einen Jugendbuchthriller geschrieben, auf den ich immer noch sehr stolz bin. Dieses Jahr habe ich nicht gewonnen. Ich habe mir zwei Projekte vorgenommen und insgesamt rund 40.000 Wörter geschrieben. Das ist nicht so viel, wie letztes Jahr. Ich bin auch an keinem der beiden Projekte so weit gekommen, wie letztes Jahr. Und trotzdem bin ich dieses Jahr irgendwie zufriedener.

    Ich habe lange gerätselt, woran das liegt, denn wirklich viel Ergebnis kann ich dieses Jahr nicht vorlegen. Ich habe das erste Viertel an meinem historischen Roman geschrieben und ein paar Kapitel an einem weiteren Thriller. Die beiden Projekte gesellen sich damit zu fünf weiteren begonnenen Projekten, die auf Fertigstellung warten. Keines ist so weit gekommen, wie der Roman letztes Jahr, der dann auch im Frühjahr diesen Jahres seinen Abschluss gefunden hat. Ich werde noch einiges an Zeit in die Projekte stecken müssen und ich habe auch kein hübsches Nanosiegerbanner bekommen. Also… warum bin ich trotzdem so zufrieden?

  • Teegedanken

    Queere Vergangenheiten: Das Histo-Genre hat ein Problem

    Foto: Annie Spratt / Unsplash

    Ein neuer historischer Fantasyroman erscheint, geschrieben von einer Historikerin, die gern betont, wie wichtig es ihr ist, historisch korrekte Romane zu schreiben1. Dieser Roman handelt, unter anderem, von Alexander dem Großen. Auf über 500 Seiten wird gekämpft, geliebt und intrigiert, aber ein kleines historisches Detail “vergisst” die Historikerin: Alexander der Große war bisexuell2. Er und Hephaestion waren nicht nur gute Freunde, wie es in ihrem Roman steht. Alexander hatte Affären und Beziehungen mit Männern und Frauen.

    In diesem angeblich so mühsam recherchierten Roman ist Alexander aber heterosexuell. Sein Interesse an Männern fällt bequem unter den Tisch. Das nennt man Erasure. Es passiert im historischen Roman am laufenden Band und ich finde, das kann so nicht weitergehen. Ich bin froh, dass wir mittlerweile in Zeiten leben, in denen Vielfalt im Roman großgeschrieben wird. Aber es ist an der Zeit, dass Diversity auch endlich im historischen Roman ankommt. Es ist sogar sowas von überfällig. Warum möchte ich heute – als Leserin und als Historikerin – genauer beleuchten.

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