• Teegedanken

    Own Voices: Eine Bewegung, ein Diskurs & viele Narrativen

    Im Moment läuft auf meiner Twitter-Timeline einmal mehr die Debatte darum, was man als Autor.in denn jetzt überhaupt noch schreiben “darf”. Auslöser ist die sogenannte Own-Voices-Bewegung, die die niederländische Autorin Corinne Duyvis 2015 mit einem Hashtag ins Leben rief: Mehr Romane von marginalisierten Autor.innen werden gefordert, besonders solche, die eigene Erlebnisse mit Diskriminierung schildern. In der englischsprachigen Buchwelt funktioniert das auch immer besser. Viele der neuen Debutautor.innen, zumindest im Jugendbuchbereich, sind PoC oder LGBTQ, haben Beeinträchtigungen oder sind anderweitig marginalisiert und schreiben auch darüber. Diese Entwicklung ist auf dem deutschsprachigen Markt leider bisher kaum angekommen. Und leider erhitzt der Diskurs rund um Own-Voices-Romane und warum sie wichtig sind, so einige…

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    Acing Literature: Young Adult, Asexualität & wie wir mit ihr umgehen

    Über dieses Thema wollte ich schon lang schreiben, habe es aber immer ein bisschen vor mir hergeschoben, weil es für mich sehr viel persönlicher ist, als viele andere Posts, die ich schon zu ähnlichen Themen geschrieben habe. Das liegt nicht am Thema Asexualität selbst, sondern eher am Diskurs, der um es herum in den letzten Jahren entstanden ist. Ich möchte keinesfalls eine solche Debatte anstoßen und ich sage jetzt schon, dass ich Kommentare, die versuchen mir zu erklären, warum Asexualität gar keine queere Identität sein soll oder darf, nicht veröffentlichen werde. Not here for that, Leute. Ich bin heute hier, um ein bisschen über die Repräsentation von Asexualität in Young-Adult-Romanen…

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    Straightwashing: Wenn queere Geschichte unsichtbar bleibt

    Ich habe über das Problem „Straightwashing“ in historischen Medien schon einmal geschrieben, vor einem knappen Jahr. Ich finde allerdings, dass man dieses Thema nicht oft genug ansprechen kann, denn es ist eine Spielart von queerphober Gewalt, die im Genre so etabliert ist, dass sie von vielen gar nicht als solche erkannt wird. Deshalb möchte ich heute noch einmal darüber sprechen und vor allem auch nochmal genauer darauf eingehen, wo das Problem liegt und was wir als KonsumentInnen tun können, um es zu bekämpfen. Aber was ist dieses „Straightwashing“1 eigentlich? Das ist sicherlich die Frage, die sich bei einigen jetzt erstmal stellt. Das ist recht einfach erklärt. „Straightwashing“, also „hetero waschen“,…

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    Gay for you?: Wenn queere Repräsentation scheitert

    In den letzten drei, vier Jahren hat es einen großen Ruck in der Buchwelt gegeben: Sie ist offener geworden, inklusiver, bunter. Wo man noch vor fünf Jahren Romane mit queeren ProtagonistInnen wirklich mühsam suchen musste, passiert es mir heute immer häufiger, dass ich aus Versehen Bücher erwische, in denen queere Figuren eine große Rolle spielen. Und das ist ein unglaublich gutes Gefühl, zu sehen, dass diese Figuren einfach da sind, da sein dürfen, dass ich nicht mehr ganz so verzweifelt suchen muss. Leider bedeutet das natürlich nicht, dass wir am Ziel wären, denn im Vergleich zu Romanen mit cis hetero Figuren gibt es immer noch viel zu wenig Material, besonders…

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    Der historische Roman im Stillstand

    In letzter Zeit komme ich bei historischen Romanen oft nicht über die Hälfte des Buches hinaus. Ich bin jemand, der Bücher ungern abbricht, aber ich zwinge mich auch nicht Geschichten fertig zu lesen, die für mich keinen Reiz haben. Und leider ist genau das auch das Problem: Das Histo-Genre, das in Deutschland noch immer einen großen Teil des Angebots an Büchern stellt, wird reizloser und reizloser – zumindest für meine Generation, Menschen zwischen 20-35. Denn anscheinend geht das nicht nur mir so: Als ich vor ein paar Wochen auf Twitter gefragt habe, was denn in den Augen der LeserInnen die Probleme des Genres sind, habe ich viele Antworten bekommen, die…

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    Queerness & Young Adult: Was mir noch fehlt

    Vor einigen Wochen gab es auf Twitter und auf einigen Blogs eine interessante Diskussion dazu, ob nicht-queere AutorInnen überhaupt queer schreiben sollten, aus der ich viel mitgenommen habe. Darüber möchte ich heute aber nicht noch einmal schreiben, denn für mich hat sich aus der Diskussion eine ganz andere Frage ergeben und die war zumindest für mich so komplex und schwer zu beantworten, dass ich an diesem Post jetzt seit der Diskussion arbeite: Ist die Darstellung von queeren Jugendlichen in der Young-Adult-Literatur eigentlich ausreichend? Machen wir das richtig? Gibt es hier überhaupt ein richtig und ein falsch? Dass es mittlerweile im Vergleich zu noch vor zwei, drei Jahren so viele queere…

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    Young Adult… und was dann?

    Wieso lese ich eigentlich so gern Young Adult? Ich glaube, diese Frage stellt man sich zwingend, wenn man so langsam wirklich der Zielgruppe entwächst, aber weiterhin YA-Bücher bevorzugt. Was hält mich als LeserIn Mitte zwanzig oder älter in diesem Genre? Ich habe mir diese Frage persönlich schon öfter gestellt und, da ich viele Leute kenne, die ebenfalls bei YA bleiben, egal, wie alt sie sind, habe ich versucht, sie zu beantworten. Dafür habe ich in meinem Freundeskreis und auf Twitter nachgefragt, welche Gründe es für oder auch gegen YA gibt und dabei sind mir noch einige interessante Punkte untergekommen und es hat sich eine ganz andere Frage gestellt: Young Adult……

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    Wo sind eigentlich die queeren Mädchen?

    Es hat sich so viel verändert in den letzten zehn Jahren. 2008 musste man Romane mit queeren HeldInnen noch mühsam suchen. Ich erinnere mich an ganze Abende, die ich auf der Suche nach queerer YA auf Goodreads zugebracht habe, die Ausbeute war nicht besonders üppig. Heute ist das anders. AutorInnen wie Adam Silvera, Becky Albertalli und Mackenzi Lee legen clevere, positive und mitreißende Jugendbücher vor, mit Helden, die queer sein dürfen. Und das ist unglaublich toll. Aber die Betonung liegt dann doch auf Helden. Männlich. Die meisten queeren Jugendlichen in der neuen inklusiven Young-Adult-Literatur sind männlich. Zumindest die, die gehyped werden, allen voran natürlich Becky Albertallis Simon aus “Nur drei…

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    Warum spielt eigentlich alles in den USA?

    Hand aufs Herz: Als ich als Teenager meine ersten literarischen Gehversuche gemacht habe, habe ich über das Setting gar nicht groß nachgedacht: USA natürlich! New York City, um genau zu sein, denn dort spielte das absolute Lieblingsbuch meines dreizehnjährigen Ichs, Meg Cabots “Plötzlich Prinzessin”.  Erst mit der Zeit habe ich begonnen, mir auch mal andere Schauplätze für meine Geschichten auszugucken und gleichzeitig habe ich auch beim Lesen immer mehr darauf geachtet, wo die Romane eigentlich spielen. Und ein Großteil spielt eben in den USA, oder genauer gesagt: “Irgendwo in Amerika”, denn meist ist der Handlungsort von Urban Fantasy und Young Adult irgendeine kleine, fiktive Stadt im Nirgendwo, wenn es nicht…

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    “Damals” war oft anders: Historisch korrekt ist kein Argument

    “Damals war das aber so!” Wer hat das im Diskurs um historische Fiktion noch nicht gehört? Meist wird dieser kleine, so frustrierende Satz als Totschlagargument eingeworfen, damit man die Diskussion endlich gewinnt, denn wer kann schon gegen historische Korrektheit argumentieren? Ich. Und ihr auch! Denn dieses “damals”, das angeblich so oder so war, war oft anders als gedacht und ist auch gar nicht so leicht zu definieren, wie man glauben möchte. Eine der ersten Lektionen, die ich in meinem Geschichts- und Archäologiestudium gelernt habe, ist, dass es oft keine eine Wahrheit geben kann, wenn man über Geschichte spricht, und je weiter man in der Zeit zurückschaut, umso mehr wird Geschichte…